Deutsche Börse lässt Finger von Rohstoffplattform LME

Freitag, 17. Februar 2012, 16:30 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Deutsche Börse lässt Finanzkreisen zufolge ihre Finger von der zum Verkauf stehenden Londoner Rohstoffbörse LME.

Das Unternehmen habe kein Angebot für die britische Rohstoffplattform eingereicht, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Die drei amerikanischen Börsen Nyse Euronext, CME und Intercontinental Exchange (ICE) haben laut "Financial Times" dagegen bis zu einer Milliarde Pfund (rund 1,2 Milliarden Euro) für den weltgrößte Handelsplatz für Industriemetalle geboten.

"Die Deutsche Börse war während des Bieterprozesses mit einer anderen Baustelle beschäftigt", sagte einer der Insider in Anspielung auf die Anfang Februar geplatzte Fusion mit der New Yorker Nyse. Das Unternehmen habe sich die London Metal Exchange (LME) zwar einmal unverbindlich angesehen, sei aber nicht in die

vertiefte Prüfung eingestiegen, betonte ein weiterer Prozessbeteiligter. Der Konzern wollte sich dazu nicht äußern. Ein Gebot für die LME hätte Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni ohnehin in die Bredouille gebracht. Er hatte größeren Zukäufen Anfang der Woche auf absehbare Zeit eine Absage erteilt.

Auch der Preis für die LME dürfte abschreckende Wirkung gehabt haben, zumal die Börse nach der Ankündigung von Sonderdividende und Aktienrückkauf nicht im Geld schwimme, erklärte Analyst Christian Muschick von Silvia Quandt Research. "Das wäre kein Schnäppchen geworden." Experten und Branchenkenner schätzen den Wert der LME auf 500 Millionen bis 1,5 Milliarden Pfund. Grundsätzlich seien Rohstoffe ein interessanter Bereich, mit dem die Börse ihr Angebot verbreitern könne, sagte Muschick. "Das Management wird sich sehr genau ansehen, wenn es hier künftig Zukaufsmöglichkeiten gibt."

DISPUT MIT DEN KUNDEN

Im September hatten sich Insidern zufolge rund 15 Interessenten die LME-Bücher angeschaut. Davon hätte nun etwa die Hälfte eine vorläufige Offerte abgegeben, berichtete die "FT". Die erste Bieterrunde sei am Mittwoch abgelaufen. Neben der Deutschen Börse werde sich vermutlich auch die London Stock Exchange (LSE) zurückziehen. Die über 130 Jahre alte LME gehört zu den den wenigen Börsen, die noch ihren Kunden gehört, also vor allem Banken und Brokern. Diese hatten bisher dafür gesorgt, dass die Gebühren an der LME relativ gering sind.

Als LME-Chef Martin Abbott im Dezember die Einführung einer Abgabe für Börsenbenutzer ankündigte, stieß er damit auf großen Widerstand. Die Kritiker warfen ihm vor, er wolle auf diese Weise die Umsätze nach oben treiben und die LME so interessanter für Bieter machen. Branchenkreisen zufolge könnte der Disput mit den Kunden potenzielle Bieter abgeschreckt haben. Einige würden vermutlich zumindest die Höhe ihres Angebot überdenken.

Für die amerikanischen Börsen CME und ICE dürfte eine Übernahme nach Ansicht von Analysten aber trotz des Konflikts mit den Kunden Sinn machen. Beide könnten durch die Übernahme ihre Position in Europa und bei der Abwicklung von Börsengeschäften stärken. "Die ICE hat zudem in der Vergangenheit bewiesen, dass sie auch etwas komplexere Transaktionen stemmen kann", sagte UBS-Analyst Alex Kramm.

 
Traders concentrate on their screens at the Frankfurt stock exchange February 2, 2012. European shares were flat on Thursday morning, as gloomy outlook statements from heavyweight companies such as Unilever and AstraZeneca offset the benefit of a potential merger of Xstrata and commodities trader Glencore . REUTERS/Alex Domanski (GERMANY - Tags: BUSINESS)