Aufschwung verhilft Gastgewerbe zu bestem Jahr seit 1994

Freitag, 17. Februar 2012, 15:17 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der Aufschwung hat Deutschlands Gastwirten das größte Umsatzplus seit mindestens 17 Jahren beschert.

Die Erlöse der Branche stiegen im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, um Preissteigerungen bereinigt um 2,4 Prozent. Einen stärkeren Zuwachs gab es seit Beginn der vergleichbaren Datenerhebung 1994 nicht, erklärte das Statistische Bundesamt am Freitag. "Der Aufschwung ist endlich auch in der Gastronomie angekommen", sagte der Präsident des Branchenverbandes Dehoga, Ernst Fischer. "Sowohl das Firmengeschäft als auch der private Konsum legten zu." Wegen der Konjunkturflaute und der Unsicherheit durch die Schuldenkrise peilt der Verband 2012 nur noch ein Umsatzplus von nominal zwei Prozent an.

"Niemand kann heute die langfristigen Auswirkungen der Finanz- und Staaten-Krisen abschließend beurteilen", betonte Fischer. "Wir gehen davon aus, dass die Zeichen im Gastgewerbe weiter auf Wachstum stehen, allerdings wird sich die Konjunkturdynamik etwas abschwächen."

BRANCHE NACH LANGER DURSTSTRECKE IN FEIERLAUNE

Die Branche hat mächtig unter der Finanz- und Wirtschaftskrise gelitten, da Verbraucher und Unternehmen ihre Ausgaben deutlich herunterschraubten. In den vergangenen beiden Boomjahren profitierte das Gewerbe dann davon, dass die Konsumenten wieder spendabler wurden und Firmen mehr Geschäftsreisen genehmigten. Mit einem Umsatz von knapp 60 Milliarden Euro netto erreichte die Branche im vorigen Jahr wieder das Niveau von 2008. Als erfreulich bezeichnete der Dehoga, dass es nun auch bei den Gastronomen besser läuft. Denn während sich die Hoteliers schneller nach der Krise berappelten, hinkten Kneipiers und Restaurantbesitzer lange Zeit hinterher. Im Gesamtjahr 2011 setzten sie nun 3,9 Prozent mehr um - dies ist laut Dehoga das größte Plus seit der Wiedervereinigung.

Während Caterer 3,2 Prozent mehr einnahmen, schafften Hoteliers und andere Beherbergungsbetriebe mit 3,8 Prozent das zweite Jahr in Folge ein kräftiges Umsatzplus. Für Rückenwind sorgte dabei, dass die Zahl der Übernachtungen in Deutschland 2011 auf 394 Millionen kletterte. "Das ist eine Steigerung von vier Prozent und damit ein neuer touristischer Rekord", sagte Fischer. Besonders erfreulich sei der Zuwachs von sechs Prozent der ausländischen Gäste.

GUTES KONSUMKLIMA KÖNNTE GASTGEWERBE STABILISIEREN

Fachleute sagen der Wirtschaft 2012 nur ein Mini-Wachstum von rund 0,5 Prozent voraus, nach kräftigen drei Prozent im Vorjahr. Für den meisten Schwung dürfte der private Konsum sorgen, der auch dem Gastgewerbe zu guten Geschäften verhelfen könnte. Denn die robuste Lage am Arbeitsmarkt, wo Experten erneut eine Rekordbeschäftigung erwarten, und die Aussicht auf steigende Einkommen signalisieren ein positives Konsumklima.