Allianz stimmt Aktionäre mit stabiler Dividende milde

Donnerstag, 23. Februar 2012, 15:07 Uhr
 

München (Reuters) - Abschreibungen auf Aktien und griechische Staatsanleihen sowie extrem hohe Belastungen durch Naturkatastrophen haben der Allianz 2011 zu schaffen gemacht.

Der Gewinn brach um 46 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro ein, wie Europas größter Versicherer am Donnerstag in München mitteilte. "2011 war ein schwieriges Jahr", räumte Konzernchef Michael Diekmann ein. Die Dividende will er trotzdem mit 4,50 Euro je Anteilsschein stabil halten. Damit schüttet der Dax-Konzern gut zwei Milliarden Euro oder 81 Prozent des Gewinns an seine Aktionäre aus - ein ungewöhnlich hoher Wert. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Nettogewinn von gut drei Milliarden Euro und einer Dividende von 4,29 Euro je Aktie gerechnet.

Die Allianz hat mehr Geld in Aktien investiert als zum Beispiel die großen Rückversicherer Münchener Rück oder Swiss Re. Davon dürfte sie in den vergangenen Wochen profitiert haben, 2011 war es aber ein schlechtes Geschäft. So mussten insgesamt 1,9 Milliarden (2010: 460 Millionen) Euro abgeschrieben werden, zwei Drittel davon auf Aktien, ein Drittel auf festverzinsliche Wertpapiere. Besonders die Engagements bei UniCredit und Commerzbank kamen die Münchner teuer zu stehen. Auch die Turbulenzen rund um Griechenland wirkten sich negativ aus.

RIESIGES ITALIEN-PORTFOLIO

So wurden Hellas-Bonds radikal auf rund 25 Prozent ihres Nominalwertes abgeschrieben und stehen noch mit einem Wert von 310 Millionen Euro in den Büchern. Eng wird es für die Allianz, falls Italien das gleiche Schicksal ereilen sollte. Denn nach Deutschland und Frankreich ist der Versicherer in Italien besonders stark engagiert - die italienischen Anleihen haben einen Buchwert von gut 26 Milliarden Euro.

Das Kerngeschäft Schaden/Unfallversicherung litt unter den Erdbeben in Japan und Neuseeland, den Überschwemmungen in Australien und Thailand sowie zahlreichen Stürmen in den USA. Für solche Großereignisse mussten 1,8 Milliarden Euro ausgezahlt oder zurückgestellt werden - 500 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Die Schaden/Kosten-Quote als wichtigster Indikator für die Profitabilität verschlechterte sich auf 97,8 (97,2) Prozent. Oberhalb von 100 Prozent sind die Schäden und Verwaltungskosten nicht mehr durch die Prämieneinnahmen gedeckt.

Operativ verdiente die Allianz vergangenes Jahr 7,86 Milliarden Euro, ein Rückgang von knapp fünf Prozent. Damit wurde die prognostizierte Spanne von 7,5 bis 8,5 Milliarden Euro aber erreicht. Während die Lebensversicherung sowie die Schaden- und Unfallsparte weniger Profit machten, legte die Vermögensverwaltung zu und gewann abermals an Bedeutung. Der Umsatz fiel um drei Prozent auf 103,6 Milliarden Euro. "Wir erwarten 2012 weltweit ein ähnliches wirtschaftliches Umfeld wie 2011, mit einer leichten Besserung im zweiten Halbjahr", so Diekmann. Beim operativen Gewinn werden deshalb 7,7 bis 8,7 Milliarden Euro angepeilt.