Gerry Weber schielt nach Rekordjahr auf Damen in China

Montag, 27. Februar 2012, 15:00 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Für den Modehersteller Gerry Weber macht sich das eigene Filialnetz bezahlt.

Der Konzern konnte auch mit Hilfe seiner mittlerweile über 500 "Houses of Gerry Weber" Umsatz und Gewinn im abglaufenen Geschäftsjahr 2010/11 auf Rekordwerte schrauben. Nun will Gerry Weber nach der Übernahme der insolventen Modegruppe Wissmach weiter wachsen und nimmt auch neue Auslandsmärkte wie China und die USA ins Visier. Unternehmenschef Gerhard Weber schließt auch größere Zukäufe nicht mehr aus - die Firmenkasse ist prall gefüllt.

Zugleich will Weber der Damenwelt treu bleiben - Mode für Männer plant er derzeit nicht. "Wir haben so viele Möglichkeiten im Damen-Bereich, dass wir uns mit Herren nicht auseinandersetzen wollen", sagte Weber in Düsseldorf. Und die Kundinnen strömen nach Webers Angaben weiter in die Geschäfte: Das erste Quartal des Geschäftsjahres 2011/12 von November bis Januar und auch die ersten drei Februar-Wochen seien "im Verhältnis zur Branche sehr gut gelaufen". Der Handelsverband HDE hatte berichtet, im Weihnachtsgeschäft sei wegen der vergleichsweise milden Temperaturen die Nachfrage nach Winterbekleidung verhalten gewesen.

Anfang Februar hatte der Hagener Konzern rund 200 Filialen der insolventen Wissmach-Gruppe übernommen, um das Wachstum weiter anzukurbeln. Der Löwenanteil der Filialen soll nun in Geschäfte der Eigenmarken Taifun und Samoon umgewandelt werden. 2011/12 sollen die Erlöse damit auf rund 795 Millionen Euro steigen - 20 Millionen Euro mehr als noch im Januar angepeilt. Die Kosten für den Umbau der neuen Filialen - bis zu 17 Millionen Euro - werden aber das Ergebnis belasten. Die Ebit-Marge werde deshalb nicht so rasant wie ursprünglich geplant steigen.

Gerry Weber setzt wie auch andere Modekonzerne - etwa Hugo Boss Oder Tom Tailor - darauf, seine Mode in eigenen Filialen zu verkaufen und damit die Profitabilität zu steigern. Die Kundinnen ließen sich im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 weder von den unsicheren Konjunkturaussichten noch der Schuldenkrise in der Euro-Zone schrecken: Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 702,7 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss schoss um 24,2 Prozent auf 67 Millionen Euro in die Höhe. Davon sollen auch die Anteilseigner profitieren: Die Dividende erhöht Gerry Weber um 18 Prozent auf 0,65 Euro je Aktie.

Weber will nun weitere Filialen eröffnen: "Schwerpunkt unserer Arbeit in den nächsten Jahre (ist) der Ausbau unsers eigenen Retail-Geschäftes", betonte er. Gerry Weber wolle im Mittleren Osten wachsen, in Südafrika zulegen, in Australien expandieren und auch die USA und China ins Visier nehmen. Die Eigenkapitalquote des Konzerns liegt bei hohen 75,7 Prozent. Analysten hatten deshalb einen Aktienrückkauf ins Spiel gebracht, Weber setzt aber auf Expansion: "Wir trauen uns zu, auch größere Übernahmen zu stemmen."

 
Moscow October 25, 2011. REUTERS/Anton Golubev (RUSSIA - Tags: FASHION TPX IMAGES OF THE DAY)