Insider: Opel-Allianz mit Peugeot könnte bald starten

Dienstag, 28. Februar 2012, 14:10 Uhr
 

Paris/Frankfurt/New York (Reuters) - Der Startschuss für ein Bündnis von Opel und Peugeot könnte schon bald fallen.

Die Opel-Mutter General Motors befindet sich in fortgeschrittenen Gesprächen über einen Einstieg beim französischen Autobauer PSA Peugeot Citroen, wie die Nachrichtenagentur Reuters von mehreren mit der Situation vertrauten Personen erfuhr. Eine Vereinbarung könne bereits in den kommenden Tagen bekanntgegeben werden. Diskutiert werde, dass sich GM an Peugeot mit weniger als fünf Prozent beteiligt. Auf Basis des aktuellen Börsenwerts von Peugeot würde ein solcher Anteil maximal 180 Millionen Euro kosten. Für GM wäre dies kaum der Rede wert, wies der US-Konzern zum Jahresende doch liquide Mittel von 37,5 Milliarden Dollar aus. Einer der Insider bezeichnete eine derartige Investition daher als "rein symbolisch". Diese würde vor allem den Grundstein der geplanten Kooperation legen und wäre der der Anstoß zu der anvisierten umfassenden strategischen Allianz vor allem im Europa-Geschäft.

Allerdings sei der Deal noch nicht in trockenen Tüchern, sagten Insider. Doch an der Pariser Börse gaben die Nachrichten am Dienstag dem Peugeot-Kurs kräftig Auftrieb, der um fast acht Prozent in die Höhe schoss.

Sprecher von GM, der Opel-Führung und des Opel-Betriebsrates wollten sich zu den Reuters-Informationen nicht äußern. Auch Peugeot hielt sich weiter bedeckt. PSA-Manager Guillaume Faury sagte lediglich, die bisherigen Motoren-Partner Ford und BMW würden über jede neue Allianz zurate gezogen. Sein Unternehmen hatte zuletzt zwar neue Kooperationsgespräche bestätigt, den Namen des anderen Unternehmens aber nicht genannt.

Im Rennen gegen den europäischen Branchenprimus VW sucht auch der italienische Autobauer Fiat einen Bündnispartner. Fiat-Chef Sergio Marchionne sagte nun, in Europa seien nicht mehr viele Gelegenheiten geblieben. "Ich schaue mir jede an." Sollte es zu einer Einigung zwischen GM und Peugeot kommen, müssten die beiden das Problem der Überkapazitäten angehen, betonte Marchionne am Rande einer Branchenveranstaltung in Brüssel.

SCHULTERSCHLUSS DER SORGENKINDER

Die Gespräche zwischen GM und Peugeot waren bereits vergangene Woche durchgesickert. Ziel eines Schulterschlusses sei es, die Verluste beider Unternehmen im Europa-Geschäft einzudämmen und auch auf anderen Märkten die Produktionskosten zu drücken, war aus verhandlungsnahen Kreisen verlautet. Kern einer Allianz könnte demnach eine Zusammenarbeit von Peugeot und Opel bei - gewöhnlich margenschwachen - Kleinwagen sein, unter anderem durch gemeinsame Modell-Plattformen und Technologie-Nutzung. Zu ähnlichen Zwecken hatten sich vor zwei Jahren bereits Daimler und der Peugeot-Konkurrent Renault verbündet.

Mit Opel und Peugeot würden zwei Sorgenkinder zusammenfinden. Opel brockt der Konzernmutter in Detroit seit Jahren Verluste ein, die sich auf Milliardenbeträge summieren. Verkaufspläne für das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen wurden 2009 aufgegeben. Analysten von Morgan Stanley schreiben Opel mittlerweile einen negativen Unternehmenswert von minus acht Milliarden Dollar zu. Peugeot wiederum leidet unter einer starken Abhängigkeit vom heimischen und anderen europäischen Automärkten. "Die Herausforderung für Peugeot ist, dass sie nicht auf dem US-Markt vertreten sind, der einer der weltweit größten ist", sagte ein Banker, der die Autobranche berät. "Und ihre Präsenz in China wächst zwar, ist aber immer noch gering." Auch auf anderen Wachstumsmärkten wie Lateinamerika und Russland hat der französische Konzern erheblichen Aufholbedarf. Nach Auskunft der verhandlungsnahen Insider drängt daher Peugeot mehr auf eine Allianz als GM.

Analysten haben grundsätzliche Zweifel am Sinn einer solchen Verbindung. "Es ist schwer, in einer Opel/PSA-Allianz Vorteile zu sehen, da beide Unternehmen mit denselben Problemen zu kämpfen haben - sinkende Preise und schwächelnder Absatz", hieß es etwa in einem Kommentar der Credit Suisse. Andere Experten verweisen auf grundlegende Strukturprobleme auf dem europäischen Automarkt. Dort schüren fortwährende Überkapazitäten einen ruinösen Preiskampf, der die Gewinnmargen eindampft. Außerdem könne es ein Jahrzehnt dauern, bis GM und Peugeot die volle Ernte ihres Bündnisses einfahren.

 
The logo of the carmaker Opel is seen on a roadside in Istanbul February 17, 2012. REUTERS/Osman Orsal (TURKEY - Tags: TRANSPORT BUSINESS EMPLOYMENT LOGO)