Teures Öl heizt die Inflation in Deutschland an

Dienstag, 28. Februar 2012, 16:30 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Rekordpreise für Benzin und Diesel haben die Inflation im Februar angeheizt.

Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 2,3 Prozent mehr als vor einem Jahr, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Analysten waren davon ausgegangen, dass die Teuerungsrate wie im Januar bei 2,1 Prozent verharrt. Seit mehr als einem Jahr liegt sie nun schon über der Marke von zwei Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen spricht. Experten befürchten, dass dies an der Kaufkraft zehrt und die Kauflaune der Verbraucher drückt.

"Wegen der teuren Energie besteht die Gefahr, dass die Inflation noch lange hoch bleibt", sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. "Den Unternehmen fällt es angesichts der guten Beschäftigungslage und kräftiger Lohnerhöhungen leichter, höhere Kosten an die Verbraucher weiterzureichen." Bargel geht deshalb davon aus, dass die Inflationsrate in diesem Jahr auf 2,5 Prozent steigen wird. 2011 waren es 2,3 Prozent.

STIMMUNG IST NOCH GUT

Besonders das teure Tanken bedroht den von der Bundesregierung und vielen Experten vorhergesagten Konsumboom. "Das größte Risiko dafür ist der Höhenflug der Ölpreise", warnte WestLB-Ökonom Jörg Lüschow. "Sollte er noch eine Weile anhalten, wird ein Teil der Einkommenszuwächse wieder aufgezehrt."

Bislang nagen teure Kraftstoffe und die Konjunkturflaute noch nicht am Optimismus der Verbraucher. Deren Stimmung ist so gut wie seit einem Jahr nicht mehr, ermittelten die GfK-Marktforscher bei ihrer Umfrage unter 2000 Deutschen. Das für März berechnete Konsumklima-Barometer kletterte von 5,9 auf 6,0 Punkte, weil die Befragten mit steigenden Einkommen rechnen. Dem Aufwärtstrend droht aber bei weiter hohen Ölpreisen ein rasches Ende. "Es würde die Konsumfreude beeinträchtigen", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. "Denn das Geld kann nur einmal ausgegeben werden." Hohe Kosten an den Zapfsäulen hätten eine Signalwirkung. "Hier reagieren die Verbraucher überaus sensibel", sagte Bürkl.

AUF DEM KONSUM RUHEN DIE HOFFNUNGEN DER WIRTSCHAFT

Superbenzin kostete etwa in Hessen 9,4 Prozent mehr als im Februar 2011, für Diesel wurde an den Zapfsäulen 7,2 Prozent mehr verlangt. Heizöl verteuerte sich sogar um 16,6 Prozent. Vorausgegangen war ein Höhenflug der Ölpreise an den Rohstoffbörsen wegen der Iran-Krise. Der wegen der Schuldenkrise unter Druck geratene Eurokurs verteuerte die Ölimporte - die überwiegend in Dollar abgerechnet werden - zusätzlich. "Da der Ölpreis angesichts der Krise um das iranische Atomprogramm in den kommenden Monaten wohl kaum deutlich fallen wird, dürfte sich die Inflationsrate wohl noch einige Zeit über zwei Prozent halten", sagte Commerzbank-Experte Ralph Solveen.

Zusätzliche Gefahren für die Preisstabilität gehen von der Politik der EZB aus, die im Kampf gegen die Schuldenkrise billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung stellt. "Noch bleibt die zusätzliche Liquidität erst einmal im Finanzsektor", sagte Postbank-Chefvolkswirt Bargel. "Doch wenn die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal steigt, kann das sehr schnell in Inflation münden." Auch den Leitzins von einem Prozent halten Experten für die starke deutsche Wirtschaft für viel zu niedrig, weil er kreditfinanzierten Konsum und Investitionen befeuert. "Mittelfristig besteht insbesondere für Deutschland ein beträchtliches Risiko eines stärkeren Preisauftriebs", sagte Commerzbank-Experte Solveen.   Fortsetzung...

 
A boat is seen stranded on dry land along the Danube river bank in the city of Apatin, some 200 km (124 miles) north from Belgrade December 2, 2011. Record low water levels have pushed up power prices across the Balkans and may force local utilities to further boost expensive power imports to meet demand, market participants said on Wednesday. Serbia's utility Elektroprivreda Srbije (EPS) and Bosnia's second largest utility Elektroprivreda RS (EPRS) have already tapped power markets as water levels -- mainly on the Danube, Sava and Drina rivers -- have hit their lowest levels in 30 years. REUTERS/Ivan Milutinovic (SERBIA - Tags: ENERGY ENVIRONMENT SOCIETY)