UN: Schon weit über 7500 Tote in Syrien

Dienstag, 28. Februar 2012, 19:30 Uhr
 

Amman (Reuters) - Das Blutvergießen in Syrien nimmt immer größere Ausmaße an: Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden beim gewaltsamen Vorgehen der Regierung gegen die Opposition mehr als 7500 Menschen getötet.

Auch am Dienstag ging die Armee von Präsident Baschar al-Assad mit unverminderter Härte gegen Hochburgen der Opposition vor. Dabei wurden nach Angaben der Regierungsgegner in der Provinz Hama und in der Stadt Homs 25 Menschen getötet. Trotz der anhaltenden Gewalt schaffte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz Lebensmittel und andere Hilfsgüter nach Homs und Idlib, doch haperte es bei deren Verteilung vor Ort. Tunesien bot Assad Asyl an.

"Die Zahl der Getöteten liegt weit über 7500", zog der stellvertretende UN-Generalsekretär Lynn Pascoe in New York eine Zwischenbilanz nach elf Monaten der Gewalt in Syrien. Unter den täglich bis zu 100 getöteten Zivilisten seien viele Frauen und Kinder. Mit dem von Pascoe vorgelegten Bericht hob die Weltorganisation ihre bisherige Schätzung um mehr als 2000 an.

Assad lässt seine Sicherheitskräfte weiter mit großer Härte gegen die Opposition vorgehen. Bei Angriffen in der Provinz Hama wurden nach Oppositionsangaben 20 Menschen getötet. Auf einen von Rebellen gehaltenen Stadtteil von Homs rückten Eliteeinheiten mit Panzern vor. Oppositionellen zufolge kamen dort fünf Menschen ums Leben. Seit Wochen gebe es Vergeltungsaktionen der offiziellen Armee für Angriffe der sogenannten Freien Syrischen Armee. Die Sicherheitskräfte werden überwiegend von Alawiten geführt, zu denen auch Assad gehört.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) schaffte Lebensmittel und andere Hilfsgüter in die seit Wochen im Feuer syrischer Regierungstruppen liegenden Städte Homs und Idlib. Das IKRK forderte aber bessere Sicherheitsbedingungen, damit der syrische Rote Halbmond die Güter an die notleidende Zivilbevölkerung verteilen könne. Notwendig sei eine landesweite tägliche Feuerpause, damit die lebensnotwendige Hilfe die Menschen auch erreiche.

EKLAT IM UN-MENSCHENRECHTSRAT

Dem aus Homs in den Libanon gebrachten britischen Fotografen Paul Conroy geht es der Zeitung "Sunday Times" zufolge gut. Auch seine französische Kollegin Edith Bouvier ist im Libanon in Sicherheit, wie Präsident Nicolas Sarkozy mitteilte. "Ich bin glücklich, dass der Alptraum vorbei ist", sagte Sarkozy.

In Genf sorgte der dortige UN-Botschafter Syriens bei Beratungen des Menschenrechtsrates über die Lage in seinem Land für einen Eklat. Nach seiner Rede verließ Botschafter Faisal Chabbas Hamui erbost die Sitzung. Die Staaten müssten aufhören, religiöse Konflikte in Syrien anzustacheln und Waffen an die Opposition zu liefern, rief er den Delegierten zu. Die von einigen Ländern gegen das syrische Volk verhängten "ungerechten und einseitigen Sanktionen" verhinderten, dass Medikamente und Brennstoffe gekauft werden könnten. Die EU hatte am Montag eine Ausweitung ihrer Sanktionen beschlossen.

Assad erließ ein Dekret zur Inkraftsetzung der Verfassung. Offiziellen Angaben zufolge sprachen sich bei einem Referendum 90 Prozent für das neue Grundgesetz aus, das unter anderem die Amtszeit künftiger Präsidenten auf zwei Amtsperioden begrenzt. Nach Ansicht der Opposition und westlicher Staaten soll das Vorhaben nur von der Gewalt in Homs und anderswo ablenken.

Tunesien erklärte sich zur Aufnahme Assads bereit. Wenn ein solcher Schritt zum Ende des Blutvergießens in Syrien beitrage, sei Tunesien grundsätzlich gewillt, Assad und dessen Familie Asyl zu gewähren, sagte Präsidentenberater Adnen Monssar der Nachrichtenagentur Reuters. Präsident Moncef al-Marzouki hatte vorige Woche als Gastgeber einer Konferenz der "Freunde Syriens" angeregt, dass Russland als Exil-Land für den Staatschef bereitstehen solle.

 
A girl waves a Syrian opposition flag during a protest against Syrian President Bashar al Assad in Al Qusayr February 27, 2012.
 REUTERS/Goran Tomasevic (SYRIA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST TPX IMAGES OF THE DAY)