Energiewende soll Hochtief wieder profitabel machen

Mittwoch, 29. Februar 2012, 12:08 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Die Energiewende soll dem Baukonzern Hochtief bei der Rückkehr in die Gewinnzone helfen.

Nach hohen Verlusten im vergangenen Jahr setzt Konzernchef Frank Stieler nun auf Planung und Bau von Windparks und neuen Stromleitungen, die in der Bundesrepublik benötigt werden, um aus der Atomkraft auszusteigen. Im vergangenen Jahr hatten hohe Abschreibungen bei der australischen Tochter Leighton und lukrative Abfindungspakete für ausscheidende Vorstände den Essener Konzern in die Verlustzone gedrückt. Das sind auch für den spanischen Mehrheitseigner ACS keine guten Nachrichten: Erstmals seit mindesten fünf Jahren erhalten die Hochtief-Aktionäre keine Dividende. Die Hochtief-Titel verbuchten im frühen Handel kräftige Verluste.

Hochtief-Chef Frank Stieler sieht den Konzern beim Ausbau der Energie- und Verkehrsinfrastruktur in den Startlöchern: "So wollen wir in den kommenden fünf Jahren bei der Leistung im Energiesektor um 40 Prozent und im Bereich der Verkehrsinfrastruktur um 30 Prozent wachsen", versprach er am Mittwoch in Düsseldorf. Stieler hatte jüngst ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Finanzinvestor Ventizz aus der Taufe gehoben, das Windparks in der Nordsee realisieren soll. Der Konzernchef will zudem vom dringend benötigten Bau neuer Stromleitungen profitieren, mit denen der auf hoher See gewonnene Strom auch zu den Verbrauchern in Süddeutschland geleitet werden soll - er hat dazu ein Bündnis mit der auf den Leitungsbau spezialisierten ACS-Tochter Cobra geschmiedet. Hochtief verfolge überdies Pläne, auch in den US-Markt für regenerative Energien einzusteigen. Aber auch bei traditionellen Energieträgern mischt der Baukonzern mit: Die Tochter Leighton fördert etwa Kohle in Australien. 2011 fuhr Hochtief im Energiebereich einen operativen Umsatz von 4,87 Milliarden Euro ein.

Das Jahr 2011 schloss Hochtief mit einem Verlust vor Steuern (Ebt) von 127 Millionen Euro ab - nach einem Gewinn von 756,6 Millionen Euro im Jahr 2010. Unter dem Strich stand ein Minus von 160,3 Millionen Euro. Von Reuters befragte Analsten hatten mit einem Verlust vor Steuern von 132 Millionen Euro gerechnet. Im vergangenen Jahr hatte Stieler einen weiteren Rückschlag verkraften müssen: Der Verkauf der Hochtief-Flughäfen gelang nicht, das Projekt liegt auf Eis. Eine Veräußerung sei aber weiter strategisches Ziel, betonte Stieler. Es gebe Gespräche mit Investoren - aber "keinen zeitlichen Druck".

AUSBLICK FÜR 2012 BEKRÄFTIGT - FÜR 2013 ABER NICHT

2012 geht Hochtief mit gut gefüllten Orderbüchern an: Der Auftragseingang lag Ende 2011 bei 25,37 Milliarden Euro, der Auftragsbestand bei 48,67 (Vorjahr: 47,49) Milliarden Euro. Der Konzern ist damit rein rechnerisch für mehr als 22 Monate ausgelastet. Für 2012 erwarte Hochtief weiter ein Ergebnis vor Steuern und einen Konzerngewinn leicht unterhalb des Rekordjahres 2010, bekräftigte Stieler. Für das kommende Jahr schränkte der Konzern seine Gewinnprognosen aber ein: Hochtief rechne mit einer "Verbesserung des Ergebnisniveaus". Bislang hatte Konzernchef Stieler mehr als eine Milliarde Euro beim Ergebnis vor Steuern und einen Konzerngewinn von rund 450 Millionen Euro rein aus dem operativen Geschäft in Aussicht gestellt.

Die Hochtief-Aktie reagierte zu Handelsbeginn mit Abschlägen von rund acht Prozent. Der Markt habe gehofft, dass die Dividende nur gekürzt und nicht gänzlich gestrichen werde, erklärte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Zudem enttäusche der Ausblick.

In der Branche herrscht für 2012 angesichts der unsicheren konjunkturellen Entwicklung und der Schuldenkrise in einigen Euro-Ländern nicht nur Optimismus. Der österreichische Konkurrent Strabag hatte sich für 2012 betont vorsichtig gegeben - er schließt angesichts konjunktureller Unsicherheiten ein Betriebsergebnis unter dem des Vorjahres nicht aus. Grund für die mageren Aussichten ist unter anderem das Auslaufen von staatlichen Bauförderungen, etwa in Polen. Die stärker auf das Dienstleistungsgeschäft fokussierte Bilfinger Berger erwartet hingegen weitere Zuwächse im laufenden Jahr.

 
CEO of Hochtief AG, Frank Stieler addresses the annual news conference in Duesseldorf February 29, 2012. German builder Hochtief scrapped its 2013 profit goal and said earnings this year would still fall short of levels reached two years ago as weak economic growth hits construction orders in the United States.  REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS ENERGY)