Fitch: EZB-Geldspritze verzögert Kollaps schwacher

Mittwoch, 29. Februar 2012, 08:02 Uhr
 

New York (Reuters) - Mit ihrer neuen Geldspritze am Mittwoch kann die Europäische Zentralbank nach Ansicht der Ratingagentur Fitch einen Zusammenbruch schwächelnder Banken lediglich hinauszögern.

Zwar habe das erste Drei-Jahres-Kreditangebot zum Rekord-Niedrigzins von einem Prozent im Dezember das Vertrauen an den europäischen Finanzmärkten wieder etwas gestärkt und einige Banken vor weiteren und umfassenderen Herabstufungen bewahrt, erklärte Fitch am Dienstag. Einige Banken hätten sich damit Zeit zur Bewältigung ihrer Probleme erkauft. Vor allem Häuser aus den Krisenländern Italien und Spanien hätten davon profitiert. "Aber bei anderen Banken mit einem schon niedrigen Rating schieben die lebenserhaltenden Maßnahmen der Langfrist-Refinanzierungsoperation das Ableben nur auf", schrieb Fitch.

Auch diesmal werden sich der Agentur zufolge wohl vor allem italienische und spanische Banken mit dem billigen EZB-Geld eindecken. Aber auch zahlreiche relativ starke Geldhäuser dürften Interesse zeigen, da das wohl vorerst letzte Angebot dieser Art kaum mit einem Stigma behaftet sei. EZB-Chef Mario Draghi hatte die Geldinstitute immerhin zuletzt aufgefordert, von dem Angebot ohne Scheu Gebrauch zu machen. Im Dezember hatten die Banken knapp eine halbe Billion Euro aufgenommen. Von Reuters befragte Analysten erwarten im Schnitt, dass sich die Institute nun wieder in ähnlichem Umfang mit billigem EZB-Geld vollsaugen werden.

Mit einem kräftigen Schub für den Kreditfluss in die Wirtschaft sei aber nicht zu rechnen, auch weil die Nachfrage dafür in Europa nicht besonders hoch sei, schrieb Fitch. Zudem würden die Auswirkungen auf den Handel mit Staatsanleihen wohl begrenzt bleiben. Doch dürften vor allem spanische und italienische Häuser in heimische Staatsschuldtitel investieren.

Die EZB gibt mit der Geldspritze den Banken Spielraum für ihre Bilanzen und - das hoffen vor allem auch hoch verschuldeten Euro-Staaten wie Spanien und Italien - für den Kauf von Staatsanleihen. Im Dezember war diese Rechnung nach ersten Daten der EZB aufgegangen. Italienische und spanische Banken kauften heimische Staatsanleihen im großen Stil. Dies hat die Lage an den Rentenmärkten erheblich entspannt, da die Renditen und damit die Staatskosten für die Kapitalaufnahme massiv sanken.