Dax vor neuer EZB-Geldspritze im Aufwind

Mittwoch, 29. Februar 2012, 12:28 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Aussicht auf eine neue Runde billigen Geldes der EZB hat die Anleger am Mittwoch an den Aktienmarkt gelockt.

Der Dax kletterte um 0,8 Prozent auf 6939 Zähler. Auch die Börsen in Mailand, Madrid oder Paris notierten fester. Mit Spannung wird erwartet, wie viel Geld die Banken am späten Vormittag zum Rekord-Niedrigzins von einem Prozent für drei Jahre abrufen. Analysten gehen davon aus, dass sich die Institute ähnlich wie bei der ersten Aktion vor Weihnachten rund 500 Milliarden Euro leihen werden. "Tendenziell sollte diese Liquiditätsspritze dem Aktienmarkt helfen. Auch wenn immer kritisch hinterfragt werden wird, warum die Banken so viel Geld benötigen", sagt ein Händler. In Erwartung der EZB-Geldspritze legte auch der europäische Bankenindex um 1,6 Prozent zu.

Commerzbank und Deutsche Bank notierten im Dax 1,8 beziehungsweise 1,6 Prozent fester. Die Tabellenführung in der ersten deutschen Börsenliga übernahmen allerdings RWE. Die Aktien des Versorgers stiegen 3,2 Prozent auf 34,71 Euro. Er halte die Ergebnis-Ziele des Unternehmens für 2013 für konservativ, schrieb Exane-BNP-Analyst Benjamin Leyre in einer Studie. Schließlich habe RWE seine gesamte Atomstrom-Produktion für eben dieses Jahr schon Mitte 2011 und damit vor Beginn des Strompreis-Rückgangs verkauft. Er stufte die Aktie hoch auf "Outperform" von "Neutral" und hob das Kursziel um ein Viertel auf 40 Euro an. Die Titel des RWE-Konkurrenten E.ON notierten 1,9 Prozent höher, die französische EDF gewann 1,4 Prozent.

VERDOPPELUNG DER DIVIDENDE MACHT MLP BELIEBT

Im MDax gerieten Hochtief ordentlich ins Rutschen. Nach der Vorlage von Geschäftszahlen verbilligten sich die Papiere des Baukonzerns um bis zu 8,9 Prozent auf 50,26 Euro verbilligten. Neben dem laut Händlern "schwachen Ausblick" sorgte vor alle die gekappte Dividende für Frust. "Die Absicht, keine Dividende zu zahlen, ist eindeutig eine negative Überraschung", schrieb DZ-Bank-Analyst Marc Nettelbeck. Das Jahr 2011 schloss Hochtief mit einem Verlust vor Steuern (Ebt) von 127 Millionen Euro ab - nach einem Gewinn von 756,6 Millionen Euro im Jahr 2010. Unter dem Strich stand ein Minus von 160,3 Millionen Euro. Konkurrent Bilfinger Berger verloren 1,4 Prozent. Die Deutsche Bank stufte die Aktien herunter auf "Hold" von "Buy".

Zugegriffen haben die Anleger dagegen bei MLP: Mit einem Plus von bis zu 7,9 Prozent auf 6,41 Euro waren die im SDax gelisteten Aktien zeitweise so teuer wie seit Anfang August nicht mehr. Bei dem Finanzmakler hat das Geschäft zum Jahresende stärker angezogen als erwartet. Zudem will das Unternehmen die Ausschüttung an die Aktionäre auf 60 Cent verdoppeln. MLP habe vor allem zum Jahresende mit steigenden Gesamterlösen noch einmal deutlich punkten können und behalte daher seine erfreuliche Dividendenpolitik bei, sagte ein Händler.

 
Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange February 29, 2012.  REUTERS/Remote/Kirill Iordansky  (GERMANY - Tags: BUSINESS)