Börsengang von US-Marktbetreiber BATS gerät zum Fiasko

Samstag, 24. März 2012, 11:42 Uhr
 

New York (Reuters) - Der Börsengang der drittgrößten US-Handelsplattform BATS Global Markets ist am Freitag zum völligen Fiasko geraten.

Der Marktbetreiber zog die Notbremse und verabschiedete sich nach einer Serie von technischen Pannen und einem Kurseinbruch noch am Tag seines Debüts von der Börse. "Angesichts der heutigen Schwierigkeiten, die den Handel mit bestimten Aktien und Bats-Anteilsscheinen betrafen, glauben wir, dass es angemessen ist, den Börsengang zurückzuziehen", sagte Bats-Chef Joe Ratterman.

Die Bats-Aktie, die am Freitag erstmals an der eigenen Plattform Bats Exchange notierte, fiel zur Eröffnung um 4,7 Prozent auf 15,25 Dollar. Wegen technischer Schwierigkeiten mussten zudem diverse Transaktionen storniert werden. Der Handel mit den Bats-Anteilsscheinen wurde daraufhin gestoppt. Zwischenzeitlich wurde für die Bats-Aktie zur Verwirrung der Anleger auf der Kurstafel sogar nur noch ein Preis von unter einem Penny angezeigt. Ein negativer Medienbericht über Untersuchungen der US-Börsenaufsicht, die Bats ins Visier nehmen, kam bei den Anlegern ebenfalls nicht gut an. Von den technischen Problemen war auch der Handel mit Apple-Aktien betroffen.

ZWEIFEL AN DER KOMPETENZ

Der Misserfolg bei der Erstemission ließ Experten an der Kompetenz des Börsenbetreibers zweifeln. "Ich denke, dass einige Firmen nun sagen könnten: Wenn sie ihren eigenen IPO nicht auf die Reihe kriegen, wie wollen sie es dann bei anderen Unternehmen schaffen?", sagte Dennis Dick von Bright Trading LLC. Jason Weisberg von Seaport Securities stieß ins gleiche Horn: "Das Letzte, was man als börsennotiertes Unternehmen tun sollte, ist seinen eigenen IPO zu vermasseln".

Die Bats wollte ihr Heil im Börsengang suchen, um sich im immer schärferen Wettbewerb der Handelsplätze besser behaupten zu können. Der Ausgabepreis lag bei nur 16 Dollar und damit am unteren Ende der Preisspanne.

Weltweit stehen Handelsplattformen unter Druck, sich wegen sinkender Preise neue Geldquellen zu erschließen. Viele streben danach, sich mit Hilfe von Übernahmen oder Fusionen fit für die Zukunft zu machen. Das gelingt nicht immer: Der geplante Zusammenschluss von Deutscher Börse und Nyse Euronext scheiterte am Nein der EU-Kommission.

Auch die in Kansas ansässige Bats folgt der Strategie, sich durch den Kauf kleinerer Rivalen zu stärken und breiter aufzustellen. Im November genehmigten die britischen Behörden die Übernahme von Wettbewerber Chi-X Europe für 300 Millionen Dollar.

Dem Börsenprospekt zufolge hatte Bats im vergangenen Jahr einen Anteil von 11,3 Prozent am US-Aktienhandel und war mit einer Beteiligung von 3,1 Prozent am Optionsmarkt präsent. Bei dem IPO werden demnach alle Aktien von Anteilseignern verkauft. Dem Unternehmen fließen keine Einnahmen zu.   Fortsetzung...