Google+ holt auf - Google-Tochter YouTube im Visier

Freitag, 6. April 2012, 16:14 Uhr
 

New York (Reuters) - Das Online-Netzwerk Google+ holt in großen Schritten auf, rangiert aber noch meilenweit hinter Platzhirsch Facebook.

Wie der US-Konzern Google am Donnerstag in einem Blog mitteilte, knackte seine Tochter mittlerweile die Marke von 100 Millionen aktiven Nutzern. Im Januar hatte Google bei der Vorlage der Quartalszahlen von 90 Millionen Usern gesprochen nach 40 Millionen zum Ende des vorherigen Vierteljahrs. Vorreiter Facebook hat etwa 800 Millionen Nutzer.

Der dominante Suchmaschinen-Anbieter ist seit längerem bemüht, sich etwas breiter aufzustellen, weil Firmen wie Facebook oder Twitter zunehmend Nutzer abziehen. Der Start von Google+ war einer der Schritte von Firmenchef und Mitbegründer Larry Page, um Google im Bereich soziale Netzwerke voranzubringen. Page deutete in dem Blog zudem mit Verweis auf den Abschluss der Milliardenübernahme von Motorola Mobility Holdings in diesem Jahr an, der Konzern erwäge auch die Produktion von Geräten für sein Betriebssystem Android. Google zahlt 12,5 Milliarden Dollar für das US-Unternehmen. Viele Experten haben gedacht, dass Google mit dem Kauf vor allem auf die Patente von Motorola Mobility schielt.

Auf Google+ stellte der Konzern am Mittwochabend einen Prototypen einer neuen Computerbrille vor: Damit können die Nutzer per Sprachsteuerung Fotos aufnehmen, chatten oder den Weg durch Großstädte angezeigt bekommen. Wann die Brille in die Läden kommt, ist einem Google-Kenner zufolge unklar. Die Funktionen der neuen Brille stellte Google in einem Video auf der Tochterseite YouTube vor.

NEUER ÄRGER

Die Videoseite geriet unterdessen erneut ins Visier der Justiz: Ein US-Berufungsgericht hat eine längst totgeglaubte Milliarden-Klage gegen Urheberrechtsverletzungen auf YouTube wiederbelebt. Das Gericht verwarf am Donnerstag ein wegweisendes Urteil aus dem Jahr 2010 zugunsten der zu Google gehörenden Videoseite. Filmstudios, Fernsehsender und die britische Fußball-Liga werfen YouTube vor, untätig zuzusehen, wie Nutzer urheberrechtlich geschützte Videos auf die Seite laden. Ein Richter begründete die Entscheidung mit den Worten, eine Jury könne durchaus zu dem Schluss gelangen, dass YouTube über konkrete Urheberrechtsverletzungen im Bilde ist.

Branchenexperten sprachen von einem möglicherweise heftigen Rückschlag für Google. "Die Entscheidung haucht einem Fall neues Leben ein, den Google für tot hielt", sagte Juraprofessor Eric Goldman aus Santa Clara. Ursprünglich hatte der Medienkonzern Viacom Google 2007 auf eine Milliarde Dollar verklagt. Der Fall war von zentraler Bedeutung für die Medienbranche in Zeiten des Internets - es ging im Kern darum, wie Medienkonzerne im Netz Zuschauer gewinnen können, ohne die Kontrolle über ihr Material zu verlieren.

Eine YouTube-Sprecherin erklärte, der Fall drehe sich nur um einen Bruchteil der Videos auf der Plattform, die zudem schon vor geraumer Zeit entfernt wurden. "Nichts an dieser Entscheidung ändert etwas an der Funktion von YouTube." Die Kläger dagegen zeigten sich entzückt. Viacom nannte die Entscheidung eine "eindeutige Botschaft an YouTube: Wer absichtlich Diebstahl ignoriert, kann nicht auf den Schutz des Gesetzes hoffen." Zu Viacom gehören MTV und das Filmstudio Paramount.

Google legt am Donnerstag nach Ostern seine Zahlen für das erste Quartal vor.