RWE kommt nach Atomwende nur langsam in Erfolgsspur

Dienstag, 14. August 2012, 14:57 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der neue RWE-Chef Peter Terium kann den Versorger nach der Atomwende nur langsam zu alter Stärke zurückführen und trifft auch beim Jobabbau auf Widerstand.

Im ersten Halbjahr legte der Energiekonzern im operativen Geschäft zwar zu, einen Gewinnsprung wie Konkurrent E.ON konnte RWE wegen des weiter schwächelnden Gasgeschäfts aber nicht verbuchen. Daher drückt Terium weiter die Kosten und kündigte am Dienstag die Streichung von weiteren 2400 der rund 72.000 Jobs an. Darüber hatte die Nachrichtenagentur Reuters bereits vor einigen Tagen berichtet. "Diese Personalmaßnahmen sind unumgänglich, wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit von RWE erhalten wollen", sagte der im Juli angetretene RWE-Chef.

Die Gewerkschaft Verdi protestierte umgehend: "Wir lehnen den Abbau von weiteren 2400 Stellen ab", sagte eine Sprecherin des Bundesvorstands. Verdi forderte Terium auf, die Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung zu verlängern.

Neben dem Stellenabbau verspricht sich Terium Einsparungen durch die Gründung einer länderübergreifenden Kraftwerksgesellschaft. Diese soll in Form einer europäischen Aktiengesellschaft (SE) Anfang 2013 mit Sitz in Deutschland an den Start gehen. Damit sollen bis 2014 zusätzlich rund eine Milliarde Euro eingespart werden.

NEUER RWE-CHEF VERLANGT VON MITARBEITERN FLEXIBILITÄT

Terium machte deutlich, dass er den nun auf insgesamt 10.400 Stellen ausgeweiteten Arbeitsplatzabbau zwar sozialverträglich umsetzen wolle, betriebsbedingte Kündigungen aber nicht ausschließt. Er will damit den Druck auf die Beschäftigten aufrecht erhalten, an anderen Standorten einen Job anzunehmen. "Flexibilität und Mobilität sind heute die beste Beschäftigungsgarantie", sagte der Niederländer. RWE hatte bereits im Herbst angekündigt, 8000 Stellen zu streichen. Rund 3000 Mitarbeiter davon sollen durch die milliardenschweren Beteiligungsverkäufe ausscheiden, mit denen Terium bis Ende 2013 sieben Milliarden Euro einnehmen will.

Bei den nun geplanten zusätzlichen 2400 Arbeitsplätzen will RWE vor allem in der Verwaltung, etwa im Personal-, Rechnungs- und Finanzwesen, sparen. Dazu gehörten auch Auslagerungen. Zwei Drittel der Jobs sind in Deutschland. "Auslagerungen sind nicht zielführend", sagte die Verdi-Sprecherin. Der Konzernbetriebsrat von RWE will noch in dieser Woche über die Pläne beraten. Verdi und die Gewerkschaft IGBCE wollen den Ende des Jahres auslaufenden Vertrag zur Beschäftigungssicherung bis Ende 2023 verlängern und auf Minderheitsbeteiligungen wie die Netztöchter Amprion und Thyssengas ausweiten.

RWE HAT BEI GAS-VERHANDLUNGEN NOCH NACHHOLBEDARF

Im ersten Halbjahr legte RWE zwar beim operativen Ergebnis um neun Prozent auf rund fünf Milliarden Euro zu, der für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettogewinn ging jedoch um 0,1 Prozent auf 1,66 Milliarden Euro zurück. Dabei profitierte RWE wie E.ON davon, dass die vor einem Jahr verbuchten Einmalbelastungen aus dem Atomausstieg wie höhere Rückstellungen zum Abriss der Meiler und Abschreibungen auf Brennelemente nicht mehr anfielen. E.ON-Chef Johannes Teyssen hatte am Montag jedoch eine Verdreifachung des Halbjahresgewinns auf mehr als drei Milliarden Euro bekannt gegeben - und damit den Aktienkurs nach oben getrieben.   Fortsetzung...

 
The headquarters of German power supplier RWE are pictured in the German town of Essen March 6, 2012. REUTERS/ Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS ENERGY LOGO)