Lufthansa steht vor Chaostagen - Streik beginnt

Donnerstag, 30. August 2012, 15:57 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Lufthansa-Passagiere müssen sich am Freitag auf ein Streik-Chaos gefasst machen.

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo will vor dem Wochenende erstmals im laufenden Tarifkonflikt ihre Drohung wahrmachen und zahlreiche Flüge am Boden halten. Wo und wann die Stewards und Stewardessen die Arbeit niederlegen, will Ufo erst sehr kurzfristig bekanntgeben. "Wir wollen der Lufthansa nicht Gelegenheit geben, sich mit Streikbrechern und Ersatzcrews auf den Ausstand vorzubereiten", sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Deshalb verraten wir den Ort erst sechs Stunden vor Beginn." Ins Spiel brachte er die Airports Berlin, Frankfurt und München. Für einen Streik auf den beiden letzteren Flughäfen habe Ufo bereits mit den Vorbereitungen begonnen, berichtete die "Financial Times Deutschland" vorab aus Gewerkschaftskreisen. Noch nicht entschieden sei, ob die Flugbegleiter auch in Berlin-Tegel die Arbeit niederlegen werden, schrieb die Zeitung. Ein Ufo-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Ein Ausstand an den Drehkreuzen Frankfurt und München wäre für die Lufthansa und ihre Fluggäste besonders schmerzhaft - hunderte Flüge könnten annulliert werden. An den beiden Flughäfen wickelt Deutschlands größte Airline das Gros ihrer 1800 täglichen Flüge ab, auch die Langstreckenflotte ist dort stationiert. Der dicht gestaffelte Flugplan ist empfindlich für Störungen - eine Arbeitsniederlegung von nur wenigen Stunden reicht aus, um den Verkehr den ganzen Tag lang aus dem Takt bringen. Von den rund 19.000 Stewardessen und Stewards der Lufthansa sind nach Schätzungen aus der Branche etwa zwei Drittel in der Gewerkschaft Ufo organisiert.

Die Lufthansa will die Auswirkungen des Arbeitskampfs so weit wie möglich abfedern. Absolute Priorität habe im Streikfall, dass die Interkontinentalmaschinen abheben, sagte ein Lufthansa-Sprecher. "Wir sind vorbereitet und haben mehrere Szenarien in der Schublade." Aus dem Flugplan gestrichen werden könnten zunächst Verbindungen innerhalb Deutschlands und Europas, die mehrmals täglich angeboten werden und auf denen auch die Bahn eine Alternative sei. Der Sprecher räumte aber ein: "Konkret können wir uns erst vorbereiten, wenn wir wissen, wo gestreikt wird." Die Fluggesellschaft forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

STRATEGIE DER NADELSTICHE

Die Gewerkschaft will die Kranich-Linie zunächst mit örtlich begrenzten Ausständen treffen. Ufo hatte nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen am Dienstag erklärt, sie bereite unbefristete und flächendeckende Arbeitsniederlegungen für den Fall vor, dass eine Strategie der Nadelstiche nicht aufgehe. "Es kann sein, dass dieser Arbeitskampf noch sehr lange andauern wird", erklärte die Gewerkschaft am Donnerstag.

Die Tarifpartner beharken sich seit gut einem Jahr. Die Gewerkschaft kämpft für höhere Löhne und gegen die Auslagerung von Stellen. Nach Ansicht des Managements hingegen sind Einschnitte nötig, da Billigfluggesellschaften der Lufthansa in Europa das Leben schwermachen und ihr auf den Fernstrecken Rivalen aus dem Nahen Osten Passagiere abluchsen. Die Airline legte deshalb ein Milliarden-Sparprogramm auf und verlangt nun, dass auch die Stewardessen einen Beitrag leisten. Während die Gewerkschaft fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 15 Monaten fordert, hat die Lufthansa eine Erhöhung um 3,5 Prozent über drei Jahren angeboten.

Streiks sind in der Luftfahrtbranche keine Seltenheit. Kleine Gewerkschaften wie Ufo, die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und die Fluglotsen-Organisation GdF sind außerordentlich schlagkräftig. Mitarbeiter an wichtigen Schaltstellen können mit einem Ausstand schnell eine ganze Gesellschaft oder einen Airport weitgehend lahmlegen. Die Unternehmen schlagen zurück und verklagen die streikwilligen Arbeitnehmervertreter oft auf Schadenersatz - bislang ohne Erfolg.

 
Lufthansa planes stand on the tarmac at Munich's international airport August 30, 2012. REUTERS/Michael Dalder (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS EMPLOYMENT)