Rivale Asklepios legt im Ringen um Rhön-Klinikum nach

Freitag, 31. August 2012, 17:35 Uhr
 

Düsseldorf/Frankfurt (Reuters) - Der Klinikbetreiber Asklepios will seinen Anteil am fränkischen Rivalen Rhön-Klinikum auf über zehn Prozent ausbauen.

Das Familienunternehmen hat diesen Schritt beim Bundeskartellamt angemeldet und damit am Freitag eine weitere Kampfansage an den Gesundheitskonzern Fresenius gesendet. Der Dax-Konzern will in den nächsten Tagen entscheiden, ob er erneut ein Übernahmeangebot für Rhön vorlegt.

Bereits der erste Versuch von Fresenius, Rhön-Klinikum für 3,1 Milliarden Euro zu übernehmen, war am Widerstand von Asklepios-Eigner Bernard Broermann gescheitert. Er hatte Ende Juni überraschend gut fünf Prozent der Rhön-Aktien gekauft und damit verhindert, dass Fresenius wie anvisiert mehr als 90 Prozent der Rhön-Aktien einsammelte. Diese Hürde hatte Fresenius-Chef Ulf Schneider gesetzt, weil er laut Rhön-Satzung nur so Kapitalmaßnahmen und Satzungsänderungen durchsetzen kann.

Falls Fresenius einen zweiten Übernahmeversuch wagt, will Schneider sich Insidern zufolge jedoch zunächst mit einer einfachen Mehrheit zufriedengeben. Damit könnte er Rhön zwar nicht integrieren, hätte jedoch bei Abstimmungen über die Dividende oder die Besetzung des Aufsichtsrates eine Mehrheit. Zudem wäre es für Konkurrenten wie Sana, B. Braun und Asklepios extrem schwierig, eine solche Übernahme zu blockieren - auch wenn Asklepios seinen Anteil auf über zehn Prozent aufstockt. Der Medizintechnikkonzern B. Braun, der in der Vergangenheit bereits mit Asklepios zusammengearbeitet hat, hält fünf Prozent an den Franken. Auch der Konkurrent Sana und hinter ihm stehende Versicherungen horten Finanzkreisen zufolge Rhön-Aktien.

Reuters hatte bereits am Donnerstag berichtet, dass Asklepios seinen Anteil an Rhön erhöhen und sich für die Unabhängigkeit der fränkischen Firma einsetzen will. Broermann will Branchenexperten zufolge verhindern, dass durch den Zusammenschluss von Rhön mit der Fresenius-Krankenhaustocher Helios ein übermächtiger Konkurrent entsteht. Finanzkreisen zufolge hielt der Konzern zuletzt rund sieben Prozent an Rhön. "Wir haben vor einiger Zeit beim Kartellamt nachgefragt, welche Folgen eine Aufstockung der Anteile über zehn Prozent haben würde", sagte ein Asklepios-Sprecher am Freitag.

"Asklepios hat den Erwerb einer Minderheitsbeteiligung bei uns angemeldet", erklärte ein Sprecher des Bundeskartellamts. Unternehmen müssen Beteiligungen beim Kartellamt anmelden, wenn sie damit erheblichen Einfluss auf die Firma ausüben können. Da in der Rhön-Satzung für viele Entscheidungen eine Mehrheit von mehr als 90 Prozent vorgesehen ist, ist dies beim fränkischen Unternehmen bereits bei zehn Prozent der Fall. Mit dieser "negativen Kontrolle" könnte Asklepios viele Beschlüsse blockieren - und Fresenius-Chef Schneider noch über Jahre hinweg Kopfschmerzen bereiten.

 
The entrance of the Asklepios hospital is pictured in downtown Hamburg, April 17, 2012. REUTERS/Fabian Bimmer