EADS will Großaktionär Daimler für Fusionspläne gewinnen
Berlin (Reuters) - Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS versucht derzeit offenbar, Vorbehalte seines Großaktionärs Daimler gegen die Pläne zur Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems auszuräumen.
"Es werden mehrere Optionen derzeit geprüft", sagte ein EADS-Sprecher am Montag. Zuvor hatte das Unternehmen bestätigt, dass eine Wandelanleihe als Instrument im Gespräch ist, um Daimler einen Teil-Ausstieg aus EADS zu versüßen. Laut "Spiegel" wird diskutiert, dass EADS 7,5 Prozent der von Daimler gehaltenen Anteile übernimmt und bei Zustandekommen der Fusion am Aktienmarkt verkauft. Sollten EADS und BAE ihr Vorhaben wieder aufgeben, sollten die Anteile an die Staatsbank KfW abgegeben werden, hieß es in dem Magazinbericht
Zu den laufenden Verhandlungen sagte der EADS-Sprecher lediglich: "Wir setzen unsere konstruktiven Gespräche mit den Regierungen fort." Die Regierungen Deutschlands und Frankreichs haben bislang noch keine gemeinsame Haltung zu dem Fusionsvorhaben erzielt. Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande erklärte am Wochenende nach einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel lediglich: "Wir sind entschlossen, uns eng abzustimmen." Der französische Staat ist im Gegensatz zu Deutschland Aktionär bei EADS. Deutschland verhandelt seit längerem über einen Ankauf eines EADS-Aktienpakets von 7,5 Prozent, das derzeit bei Daimler liegt. Momentan hält Daimler einen Kapitalanteil von 15 Prozent an EADS, übt aber auch zusätzlich noch die Stimmrechte für weitere 7,5 Prozent aus, die von einer vorwiegend deutschen Investorengruppe gehalten werden.
Die Bundesregierung hat bislang auch intern noch keine einheitliche Linie zu der Fusion gefunden. Positive Bewertungen der ökonomischen Faktoren stehen vielfältige Vorbehalte gegenüber. In Koalitionskreisen wird daher gefordert, einen Einfluss der deutschen Politik auf ein fusioniertes Unternehmen sicherzustellen. Das aber könnte die Pläne zum scheitern bringen, war bereits früher aus Industriekreisen verlautet.
EADS drängt die Bundesregierung daher einem Bericht der Zeitung "Die Welt" zufolge, auf den geplanten Kauf von EADS-Aktien zu verzichten. Die britische Regierung täte sich schwer damit, sollte der Anteil der deutschen und der französischen Regierung am fusionierten Konzern insgesamt deutlich über zehn Prozent hinausgehen, berichtete das Blatt unter Berufung auf verhandlungsnahe Kreise.
EADS bekräftigte seine Absicht, bis zum 10. Oktober mehr Klarheit zu schaffen. Bis dahin müssen die Unternehmen nach britischem Recht darlegen, ob sie weiter über das Vorhaben verhandeln oder den Fusionsplan aufgeben.
Die EADS-Aktie notierte in Paris 1,3 Prozent im Minus.
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