UN befürchten bis zu 700.000 Flüchtlinge aus Syrien
Genf (Reuters) - Die Vereinten Nationen befürchten einen Flüchtlingsstrom ungeahnten Ausmaßes aus Syrien.
Bis zum Jahresende könnten 700.000 Syrier wegen des Bürgerkriegs aus ihrem Heimatland fliehen, schlug das Hochkommissariat für Flüchtlingsfragen (UNHCR) am Donnerstag in Genf Alarm. Es erhöhte damit seine bisherige Prognose um mehr als das Dreifache. Derweil erreichte die Gewalt zwischen der Regierung von Präsident Baschar al-Assad und der Opposition einen neuen Höhepunkt: Am Mittwoch wurden nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte an einem einzigen Tag mehr als 300 Menschen getötet.
"Es ist eine große Fluchtwelle im Gange", sagte der regionale UNHCR-Koordinator Panos Moumtzis. 100.000 Menschen seien im August geflohen, 60.000 im Dezember und aktuell seien es pro Tag 2000 bis 3000 Flüchtling. Seit Beginn des Volksaufstands gegen Assad, der sich mittlerweile zu einem Bürgerkrieg ausgewachsen hat, haben sich 294.000 Syrer im Ausland in Sicherheit gebracht - vornehmlich in Jordanien, der Türkei, im Irak und im Libanon. Moumtzis zufolge zieht es die Flüchtlinge aber auch nach Ägypten, Griechenland und Zypern.
Das Anschwellen des Flüchtlingsstroms schilderte Moumtzis am Beispiel des Lagers Saaatri in Jordanien mit 31.000 Bewohnern. "Das ist eine Stadt, die es vor 30 Tagen noch nicht gab, und die ein Stück Wüste war." Ein Großteil der Flüchtlinge habe sich mit nichts als den Kleidern am Leib auf abenteuerliche Weise durch die Frontlinien einen Weg geschlagen. "Das sind Familien, Frauen und Kinder, die aus Homs, Hama, Idlib und Aleppo geflohen sind, die traumatisiert sind und die uns ihre Flucht schilderten", sagte Moumtzis.
Bislang war das UNHCR noch von 185.000 Flüchtlingen ausgegangen, diese Marke wurde aber bereits im August übertroffen. Die Hilfsorganisationen beziffern den Bedarf zur Unterstützung der heimatlos gewordenen Syrier auf 488 Millionen Dollar. Wegen des bevorstehenden Winters stünden die Helfer in einem Wettlauf mit der Zeit, sagte Edward Kallom vom Welternährungsprogramm, dessen Organisation rund 200.000 Flüchtlinge mit warmen Mahlzeiten versorgt. Frauen und Kinder stellen drei Viertel der Geflohenen. Der Schutz ihrer Gesundheit und die Schulbildung hätten Vorrang, erläuterte Dermot Carty vom Kinderhilfswerk Unicef.
Die Vereinten Nationen (UN) haben sich zwar besorgt über die anhaltende Gewalt in dem Land gezeigt, stecken aber diplomatisch in der Zwickmühle, da die Veto-Mächte Russland und China ein entschiedenes Vorgehen gegen Syrien ablehnen. Zigtausende Menschen sind seit Beginn der Erhebung gegen Assad getötet worden. Einige Schätzungen gehen mittlerweile von mindestens 30.000 Toten aus.
Unter den 300 Gewaltopfern vom Mittwoch waren nach Angaben von Oppositionellen auch Dutzende Bewohner einer südöstlich von Bagdad gelegenen Stadt. Regierungssoldaten hätten an ihnen ein Massaker verübt, hieß es. Rebellen hatten ihrerseits einen Anschlag auf das Hauptquartier der Armee verübt und dabei nach eigenen Angaben Dutzende Menschen getötet. Das Staatsfernsehen sprach dagegen von vier Toten und 14 Verletzten.
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