Börsengänge kommen in Fahrt - Auf Talanx folgt O2
Frankfurt (Reuters) - Der Aufwind an den Aktienmärkten treibt die Börsenkandidaten in Deutschland aus den Startlöchern.
Einen Tag nach dem geglückten Debüt des Versicherers Talanx kündigte der deutsche Mobilfunkanbieter O2 am Mittwoch seinen Börsengang in Frankfurt an. Noch im Oktober könnte der spanische Telekom-Riese Telefonica mit dem Verkauf von bis zu 20 Prozent an seiner mit der Marke O2 bekannten deutschen Tochter einen Milliardenbetrag einnehmen, sagte mehrere Banker.
Anders als dem drittgrößten deutschen Versicherer Talanx trauen Experten Telefonica Deutschland zu, den "Eisbrecher" zu spielen für weitere Initial Public Offerings (IPO). Doch es mangelt an Kandidaten. Die Unternehmensberatung Ernst & Young hält zwar noch in diesem Jahr ein halbes Dutzend weiterer IPOs in Deutschland für möglich. Doch Banker zweifeln: "Ich wüsste nicht, wo die herkommen sollten", sagte einer von ihnen.
Die Talanx-Aktie legte am Mittwoch auf 18,75 Euro zu und notierte damit über dem Zuteilungspreis von 18,30 Euro. Doch den ersten Kurs, der mit 19,05 Euro festgestellt worden war, erreichte sie vorerst nicht mehr. Talanx hatte seine Börsenpläne erst wiederbelebt, als Banker dem Versicherer eine bessere Bewertung in Aussicht gestellt hatten. Zum Ausgabepreis wird das Unternehmen mit 4,6 Milliarden Euro bewertet, ein Drittel unter dem Buchwert. Verkauft wurden aber nur Aktien für 517 Millionen Euro. Elf Prozent der Aktien sind im Streubesitz, 82 Prozent liegen weiterhin beim vorherigen Alleinaktionär HDI.
"Das Hin und Her war nicht glücklich", kritisierte Fondsmanager Holger Stremme von LBBW Asset Management. "Die Aktien wurden am unteren Ende der Spanne gepreist, obwohl der Zeitpunkt kaum besser sein könnte, wenn man sich die Bewertung von Wettbewerbern anschaut."
ZICKZACK DURCHS HARTE PACKEIS
Vorstandschef Herbert Haas gab sich auf dem Frankfurter Börsenparkett dennoch zufrieden: "Das ist kein Big Bang, aber einer der wichtigsten Tage in unserer 109-jährigen Geschichte." Die Umstände für den ersten größeren Börsengang in Deutschland seit mehr als einem Jahr seien widrig gewesen: "Wenn man ein Eisbrecher ist, muss man manchmal Zickzack fahren, um das richtige Fahrwasser durch das Packeis zu finden", sagte Haas, vor einer schwarz-weiß karierten Zielflagge mit dem Talanx-Schriftzug stehend. "Das Eis ist noch sehr hart."
Auch der größte britische Autoversicherer Direct Line hat die Preisspanne für seinen Börsengang in London zurückhaltend angesetzt. Rund 2,66 Milliarden Pfund wäre die Tochter der Royal Bank of Scotland (RBS) in der Mitte der Spanne wert, 33 Prozent an Direct Line sollen im ersten Schritt verkauft werden. Schon nach drei Tagen lägen ausreichend Offerten vor, um das Buch zu füllen, obwohl Direct Line bisher nur in Großbritannien um Anleger geworben hat, sagten Insider. Noch bis 10. Oktober können die Aktien gezeichnet werden. RBS könnte bis zu 975 Millionen Pfund damit einnehmen.
Mit O2 könnte zum ersten Mal seit fünf Jahren in Deutschland ein milliardenschwerer Börsengang über die Bühne gehen: Banker erwarten die Erstnotiz der Telefonica Deutschland Holding AG Ende Oktober. Der spanische Mutterkonzern hielt sich zum Volumen des Börsengangs bedeckt und erklärte nur, die Mehrheit behalten zu wollen. Im November 2007 war die Hamburger Hafen- und Logistikkonzern HHLA das letzte deutsche Unternehmen, das mehr als eine Milliarde Euro erlöst hatte. Fortsetzung...

