Zahl der Wirbelsturm-Toten in den USA steigt auf 102

Freitag, 2. November 2012, 19:01 Uhr
 

New York (Reuters) - An der US-Ostküste ist die Zahl der Todesopfer durch Hurrikan "Sandy" auf 102 gestiegen.

Nach offiziellen Angaben wurden allein in der Stadt New York bislang 40 Leichen geborgen. In mehreren Orten wächst der Unmut über nur langsam anlaufende Hilfe für Betroffene. Rund 4,5 Millionen Haushalte in 15 US-Bundesstaaten waren am Freitagmorgen noch ohne Strom. In einigen Gegenden könnte das auch noch eine Woche lang so bleiben. Auch bei der Benzinversorgung gab es weiter Engpässe, vor den Tankstellen gab es teilweise kilometerlange Schlangen. Da zwei Raffinerien ausgefallen sind, dürfen nun ausnahmsweise auch ausländische Tanker vorübergehend die Ostküste Anlaufen.

Im New Yorker Stadtteil Staten Island starben 20 Menschen, darunter zwei Kinder im Alter von zwei und vier Jahren. Heimatschutzministerin Janet Napolitano wollte Staten Island am Freitag besuchen. Dort sind Klagen von Einwohnern laut geworden, der gegenüber Manhattan liegende Bezirk sei von der Politik vergessen worden. Bilder aufgebrachter Bürger könnten kurz vor den Wahlen am Dienstag die Pläne der Politiker durchkreuzen. Dann stimmen die Amerikaner nicht nur über einen Präsidenten, sondern auch über kommunale Vertretungen ab.

WER SICH AN DER TANKSTELLE VORDRÄNGELT, LEBT GEFÄHRLICH

In den weiterhin von der Stromversorgung abgeschnittenen Vierteln New Yorks wurde zudem eine fehlende Polizeipräsenz kritisiert. Einwohner äußerten sich besorgt über die Sicherheit auf den Straßen und in den U-Bahnen. Auf den Straßen Manhattans patrouillierten Mitglieder der Guardian Angels, einer Freiwilligentruppe, die sich den Kampf gegen die Kriminalität zum Ziel gesetzt hat.

An den Tankstellen in New York, New Jersey und Connecticut bildeten sich bereits in den frühen Morgenstunden lange Schlangen. Vielerorts waren Polizisten im Einsatz, um Streit zwischen Autofahrern zu schlichten. Im New Yorker Stadtteil Queens bedrohte ein Mann einen anderen mit einem Gewehr, weil dieser sich beim Tanken vordrängeln wollte. In Fairfield, New Jersey, mussten die Menschen mehr als drei Stunden beim Tanken anstehen. An Tausenden Tankstellen konnte aber gar nicht getankt worden - aus Mangel an Benzin oder auch, weil die Zapfsäulen ohne Strom waren.

GENEHMIGUNG DES NEW-YORK-MARATHONS SORGT FÜR UNMUT

Das Heimatschutzministerium hob bis zum 13. November den Jones Act auf, der ausländischen Tankschiffen das Anlegen in den USA untersagt. Der Gouverneur des Bundesstaats New York kündigte einen Verzicht auf die Gebühren für jene Tanker an, die im Hafen der Metropole ihre Ladung löschen.

Einige Bürger äußerten Unmut über die Pläne, trotz Sandy am New-York-Marathon am Sonntag festzuhalten. Der Stadtverordnete James Odman zeigte sich besorgt, dass Helfer für den Marathon abgezogen werden könnten. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg verwies darauf, dass die Laufveranstaltung zahlreiche Besucher anzieht, die nach Schätzungen der Veranstalter rund 340 Millionen Dollar in der Stadt ließen.

"Sandy" war am Montag auf einer Breite von mehreren hundert Kilometern auf die Ostküste der USA getroffen. Überschwemmungen, Stromausfälle und zerstörte Häuser waren die Folge. Die wirtschaftlichen Folgen werden auf 50 Milliarden Dollar geschätzt.

- von Emily Flitter und Chelsea Emery

 
A man stands next to a damaged vehicle as he surveys flood damaged personal property thrown into the streets in the New Dorp Beach neighborhood of the Staten Island borough of New York, November 1, 2012. Deaths in the United States and Canada from Sandy, the massive storm that hit the U.S. East Coast this week, rose to at least 95 on Thursday after the number of victims reported by authorities in New York City jumped and deaths in New Jersey and elsewhere also rose. REUTERS/Lucas Jackson (UNITED STATES - Tags: ENVIRONMENT DISASTER)