Euro-Krise macht deutscher Industrie zu schaffen

Freitag, 2. November 2012, 13:18 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Konjunkturschwäche greift von den südlichen Euro-Krisenstaaten auf Deutschland über.

Die Industrie in der Währungsunion schrumpfte im Oktober bereits den 15. Monat in Folge. Blieb der Abwärtstrend zunächst auf Problemstaaten wie Spanien begrenzt, gerät selbst das lange Zeit immun wirkende Deutschland mit in den Abwärtsstrudel. Die Folge: Das Bruttoinlandsprodukt könnte erstmals seit einem Jahr wieder schrumpfen.

Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Euro-Zone fiel um 0,7 auf 45,4 Punkte, wie eine am Freitag veröffentlichte Umfrage des Markit-Instituts unter rund 3000 Unternehmen ergab. Das Barometer blieb damit klar unter der Marke von 50 Zählern, ab der es Wachstum signalisiert. Grund für die Entwicklung war die Nachfrageschwäche im In- und Ausland. "Die Talfahrt der Euro-Zonen-Industrie hat sich zu Beginn des vierten Quartals 2012 wieder beschleunigt - das ist eine herbe Enttäuschung", sagte Markit-Ökonom Rob Dobson.

Der Abwärtstrend erfasste zudem mehr Länder als im Vormonat. "Holland rutschte wieder in negatives Terrain ab, und in Deutschland, Italien, Spanien, Österreich und Griechenland ging es verstärkt bergab", erklärte Markit.

"NACHFRAGE AUF WICHTIGEN EXPORTMÄRKTEN SCHRUMPFT"

Die exportabhängige deutsche Industrie bekommt die schwächere Weltkonjunktur immer stärker zu spüren. Ihre Geschäfte schrumpften im Oktober bereits den achten Monat in Folge: Der Einkaufsmanagerindex sank um 1,4 auf 46,0 Punkte. "Die Nachfrage auf wichtigen Exportmärkten lässt nach", begründete Markit-Ökonom Tim Moore den Abwärtstrend. Ein rasche Wende zum Besseren ist nicht in Sicht - im Gegenteil: Die Aufträge fielen mit dem zweitschnellsten Tempo der vergangenen dreieinhalb Jahre. "Ursache dafür ist die schwache Nachfrage aus Südeuropa sowie die geringeren Investitionen in Asien", teilte Markit mit. Die Unternehmen strichen deshalb Stellen. Der Arbeitsplatzabbau war der zweitstärkste seit Januar 2010.

Der deutschen Wirtschaft droht damit im vierten Quartal ein Rückschlag. Die Bundesbank befürchtet eine Stagnation oder sogar einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes. Ein Minus hat es seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 nur einmal gegeben: Im vierten Quartal 2011 ging die Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent zurück.

NUR IRLAND ENTZIEHT SICH DEM ABWÄRTSTREND

Das Neugeschäft gab in den gesamten Euro-Ländern zum 17. Monat in Folge nach. Nur in Irland legten Produktion und Aufträge zu. "Zudem dominierte nach wie vor strikte Ausgabenzurückhaltung, was Rückgänge bei Beschäftigung, Einkaufsmenge und Lagerbeständen zur Folge hatte", betonte Dobson. Der Stellenabbau war so stark wie zuletzt im Juli.

 
Container ships are loaded at the Container Terminal Burchardkai (R) and the Eurogate terminal (L) at Hamburg harbour March 30, 2009. The Burchardkai terminal of the Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) is the largest container handling facility in the Port of Hamburg. HHLA will hold its annual news conference on March 31 in Hamburg. REUTERS/Christian Charisius (GERMANY BUSINESS TRANSPORT)