Aufsicht hält Universalbanken für besonders gefährlich

Freitag, 2. November 2012, 15:25 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Große Universalbanken wie die Deutsche Bank können das globale Finanzsystem in einer Krise stärker ins Wanken bringen als reine Investmentbanken.

Dieser Ansicht ist der Finanzstabilitätsrat (FSB), der die Geldhäuser im Auftrag der G20-Staaten an die Kandare nehmen soll. Er stuft die Deutsche Bank, die US-Riesen Citigroup und JPMorgan sowie die britische HSBC als besonders bedrohlich ein - vier Häuser, die neben dem Investmentbanking auch Einlagengeschäft mit Privatkunden machen. Sie müssen sich bis 2019 einen größeren Kapitalpuffer zulegen als andere Institute.

Reine Investmentbanken wie Goldman Sachs hält der FSB für weniger gefährlich und sorgt damit für Stirnrunzeln bei Experten. "Dass Goldman Sachs nicht in der höchsten Kategorie ist, finde ich abstrus", sagte Bankenprofessor Hans-Peter Burghof von der Universität in Stuttgart-Hohenheim am Freitag. "Die Finanzkrise hat schließlich nicht mit Universalbanken angefangen, sondern mit einer Investmentbank: Lehman Brothers."

Die Einstufung der Bankenaufseher ist Wasser auf die Mühlen der Befürworter eines Trennbankensystems, für das sich unter anderem SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und eine Kommission um den finnischen Notenbankchef Erkki Liikanen einsetzen. Die Risiken seien auf diese Weise am einfachsten zu reduzieren, sagte SPD-Finanzexperte Joachim Poß und fügte mit Blick auf Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner und die Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fitschen und Anshu Jain hinzu: "So weit ist die Deutsche Bank offenkundig gedanklich noch nicht, da müssen sich die Herren Achleitner, Fitschen und Jain noch bewegen."

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin, die einen Sitz im FSB hat, beteuerte indes: "Wir (im FSB) wollten nicht zum Ausdruck bringen, dass wir Universalbanken für kritischer halten", sagte BaFin-Exekutivdirektor Raimund Röseler. Die Liste spricht allerdings eine andere Sprache. Aus Sicht von Verdi-Chef Frank Bsirske, der im Frühjahr 2013 in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank einziehen will, ist die FSB-Liste ein wichtiger Schritt bei der verstärkten Regulierung des Finanzsektors. "Es ist ganz sicher angebracht, die Eigenkapitalbasis der Großbanken zu stärken."

COMMERZBANK SCHRUMPFT SICH AUS DEN TOP 28

Die Commerzbank fiel nach ihrem Schrumpfkurs aus der Liste der 28 global systemrelevanten Banken heraus, muss aber wegen ihrer Rolle für die Kreditversorgung der Wirtschaft in Deutschland als "national systemrelevante Bank" wohl trotzdem mit höheren Auflagen rechnen. "Mit der Fokussierung auf unser kundenorientiertes Kerngeschäft und der Reduzierung von Risiken haben wir bewusst in Kauf genommen, dass wir nicht mehr alle Kriterien für global systemrelevante Banken erfüllen", erklärte das Institut. Aus Sicht von Fondsmanager Helmut Hipper von Union Investment ist die Herabstufung aber eine schlechte Nachricht für die Bank. "Denn eine Abwicklung ist damit kein Tabu mehr."

An der Börse trieb die Hoffnung, dass Deutschlands zweitgrößte Bank künftig weniger zusätzliches Kapital benötigt, Commerzbank-Aktien allerdings 1,5 Prozent nach oben. Deutsche-Bank-Aktien verloren ein Prozent.

Die Deutsche Bank ist Aufsichtskreisen zufolge erst durch die Übernahme der Postbank in die höchste Kategorie der systemrelevanten Banken aufgestiegen. Wenn sie sich im Investmentbanking verspekuliert, wären davon auch die 13 Millionen Postbank-Sparer betroffen. Deutschland Branchenprimus muss deshalb künftig 9,5 Prozent seiner Bilanzrisiken (RWA) mit Grundkapital und Gewinnrücklagen absichern. Derzeit ist die Bank von dieser Marke noch weit entfernt: Ende September lag die Quote nach den künftigen Maßstäben noch unter sieben Prozent, erst 2015 soll sie auf zehn Prozent steigen.   Fortsetzung...

 
A new bridge is installed over the river Main in front of the Frankfurt skyline August 21, 2012. REUTERS/Alex Domanski (GERMANY - Tags: CITYSPACE SOCIETY)