Obama kann auf Jobzuwachs und Bloomberg bauen

Freitag, 2. November 2012, 16:03 Uhr
 

New York (Reuters) - Rückenwind für Amtsinhaber Barack Obama im Endspurt zur US-Präsidentenwahl: Erst sagte dem Demokraten mit New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg ein früherer Republikaner seine Stimme zu, dann überraschte die US-Wirtschaft mit unerwartet vielen neuen Jobs.

Allerdings zog auch die Arbeitslosenquote leicht an. Das wiederum spielt Obamas Herausforderer Mitt Romney in die Hände, der seinen Konkurrenten für die hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich macht. Beide Konkurrenten liegen in Umfragen Kopf an Kopf. Sie setzten ihren Wahlkampf nach der vom Hurrikan "Sandy" erzwungen Pause fort, um unentschlossene Wähler auf ihre Seite zu ziehen.

Die Zahl der Beschäftigten stieg im Oktober um 171.000, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit 125.000 gerechnet. Im August und September entstanden außerdem zusammen 84.000 mehr Jobs als bislang angenommen. Sowohl die Dienstleister als auch die Einzelhändler, die Industrie und die Baubranche stellten zusätzliche Mitarbeiter ein. Im öffentlichen Dienst - der unter Spardruck steht - fielen dagegen Stellen weg. "Das sind positive Daten", sagte Ökonom Fabian Eliasson von der Mizuho Corporate Bank. "Das Beschäftigungsniveau ist zwar noch vergleichsweise niedrig. Aber der Aufwärtstrend dürfte der Regierung vor den Wahlen nützen."

MEHR AMERIKANER AUF JOBSUCHE

Die Arbeitslosenquote stieg dagegen wie erwartet auf 7,9 Prozent, nachdem sie im September mit 7,8 Prozent den niedrigsten Wert seit Januar 2009 erreicht hatte. Experten führen den Anstieg auch darauf zurück, dass sich wegen aufgehellter Perspektiven am Arbeitsmarkt wieder mehr Amerikaner aktiv auf Jobsuche begeben. Die Quote blieb unter der Acht-Prozent-Marke: Bislang ist noch nie ein Präsident wiedergewählt worden, wenn die Arbeitslosenquote über dieser Schwelle lag.

In den Rezessionsjahren 2007 bis 2009 stieg die Arbeitslosenquote zeitweise über die Marke von zehn Prozent. Obwohl sie seither gesunken ist, sind die Vorkrisenwerte von rund fünf Prozent noch immer weit entfernt. Grund dafür: Die US-Wirtschaft wächst wegen der Schuldenkrise in Europa und der Konjunkturabkühlung in Asien zu langsam. Im dritten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt mit einer Jahresrate von 2,0 Prozent. Experten halten aber ein Wachstum von mindestens 2,5 Prozent über mehrere Quartale hinweg für notwendig, um die Arbeitslosigkeit spürbar zu drücken.

Der Hurrikan "Sandy" - der an der Ostküste milliardenschwere Schäden anrichtete - hatte keinen Einfluss auf die Entwicklung. Die Daten wurden vor der Naturkatastrophe erhoben, der am Montag das öffentlichen Leben an der Ostküste lahmlegte und viele Häuser beschädigte.

"UNSER KLIMA WANDELT SICH"

Das Präsidialamt nannte in einer ersten Reaktion die Arbeitsmarktzahlen ein Hinweis darauf, dass sich die Wirtschaft auf dem Weg der Besserung befinde. Entsprechend müsse der politische Kurs fortgesetzt werden. Dagegen erklärte Romney, die Daten zeigten, dass die Wirtschaft faktisch auf der Stelle trete.   Fortsetzung...

 
U.S. President Barack Obama addresses the crowd at a campaign event at the University of Colorado Boulder, November 1, 2012. REUTERS/Larry Downing (UNITED STATES - Tags: POLITICS ELECTIONS USA PRESIDENTIAL ELECTION)