New York Marathon wegen "Sandy" abgesagt - Öl wird knapp

Samstag, 3. November 2012, 12:46 Uhr
 

New York (Reuters) - Angesichts der Zerstörung durch den Sturm "Sandy" hat New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg nun doch den berühmten Marathon der Stadt abgesagt.

Zu dem Lauf am Sonntag waren 40.000 Teilnehmer erwartet worden. In der Millionenstadt wie auch in anderen Teilen der nordöstlichen USA wurden die Bergungs- und Wiederaufbauarbeiten weiter durch Stromausfälle behindert. Sorge machte angesichts der unterbrochenen Heizöl-Lieferungen ein für kommende Woche vorhergesagter Kälteeinbruch. Zahlreiche Musiker sammelten mit einem Benefizkonzert Spenden für die Opfer des Sturms.

Bloomberg hatte den Lauf eigentlich trotz der Sturm-Schäden austragen wollen. Er hatte unter anderem auf die wirtschaftliche Bedeutung verwiesen und erklärt, durch den Marathon würden nach Schätzungen der Veranstalter rund 340 Millionen Dollar in der Stadt bleiben. Bürger hatten jedoch Bloombergs Pläne kritisiert. Sie befürchteten, dass Helfer für den Marathon abgezogen werden könnten, die dann beim Wiederaufbau fehlen würden.

"Sandy" war am Montag auf einer Länge von mehreren Hundert Kilometern auf die Ostküste der USA getroffen. Überschwemmungen, Stromausfälle und zerstörte Häuser waren die Folge. Mehr als 100 Menschen kamen ums Leben. Die wirtschaftlichen Schäden werden auf 50 Milliarden Dollar geschätzt.

In einigen Regionen von New York mussten die Heizölhändler die Lieferungen am Freitag bereits rationieren. "Das war das letzte", sagt Nick DeMaria, ein Manager in einem Öllager in Brooklyn. "Ich habe eine ganze Reihe Tanklastwagen da unten stehen, und die bekommen kein Öl. Wenn es jetzt kalt wird, müssen die Leute aber heizen können." Ein Kälteeinbruch im Großraum New York wird voraussichtlich Anfang kommender Woche die Temperaturen auf zwei bis drei Grad Celsius sinken lassen. Im Nordwesten der USA sind 5,8 Millionen Haushalte vom Heizöl abhängig. Es ist der weltweit größte Heizölmarkt.

Wann wieder Nachschub eintreffen würde, war zunächst unklar. Die Regierung in Washington versucht, die Öl-Knappheit zu mildern, indem sie strategische Reserven freigibt. Allerdings können die Öl-Terminals, wo normalerweise die Tanker entladen werden, wegen des Stromausfalls nicht arbeiten. Auch fast 3,5 Millionen Haushalte und Geschäfte an der Ostküste hatten am Freitag keinen Strom. Die Stromversorgung wird sich wohl im Lauf der kommenden Woche verbessern. In mindestens zwei wichtigen Raffinerien in New Jersey ruht allerdings die Arbeit wegen Überflutung. Wegen Schäden an Straßen und Brücken kamen einige Tankfahrzeuge nicht zu den Wohnhäusern durch.

An dem Benefizkonzert nahmen Musiker wie Bruce Springsteen, Jon Bon Jovi, Sting und Christina Aguilera Teil. Das Konzert wurde von mehreren US-Sendern übertragen. Auch die Schauspieler Danny DeVito und Whoopi Goldberg traten in der Show auf. Alle eingesammelten Gelder sollen an das Rote Kreuz der USA gehen. Aguilera sagte, sie sei in Staten Island, einem Bezirk von New York, geboren. "Wir werden tun, was wir können, um Euch zu helfen", sagte die Sängerin. "Wir werden niemanden zurücklassen."

 
Two women look into the window of a flooded deli while searching for food in Coney Island, New York, November 2, 2012. Four days after Sandy smashed into the Northeast, rescuers were still discovering the extent of the death and devastation, and anger mounted over gasoline shortages, power outages and waits for relief supplies. REUTERS/Brendan McDermid (UNITED STATESDISASTER ENVIRONMENT - Tags: DISASTER ENVIRONMENT ENERGY FOOD)