"Sandy"-Opfer haben mit Kälteeinbruch zu kämpfen

Sonntag, 4. November 2012, 15:32 Uhr
 

New York (Reuters) - Nach dem Supersturm "Sandy" macht den Menschen an der Ostküste der USA nun ein Kälteeinbruch zu schaffen.

Bereits am Wochenende haben sich die Temperaturen dem Gefrierpunkt genähert, während die Stromversorgung vielerorts noch nicht wiederhergestellt war und viele Regionen weiter mit Heizöl- und Benzinknappheit zu kämpfen hatten. Für die nächsten Tage werden Werte unter null Grad Celsius erwartet. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg warnte, es werde noch mehrere Tage dauern, bis der Strom wieder zuverlässig fließt und ausreichend Treibstoff vorhanden ist. Am Wochenende waren noch rund 2,5 Millionen Haushalte vom Stromnetz abgeschnitten.

"Es gibt nirgends Heizöl", sagte Vincent Savino von einem Energieversorger, der etwa 2000 Gebäude in New York beliefert. "Ich weiß nicht, wieviel Heizöl wir noch übrig haben: vielleicht für ein oder zwei Tage." In New York und New Jersey sind immer noch mehr als 18.000 Menschen in provisorischen Unterkünften untergebracht. Bürgermeister Bloomberg forderte insbesondere ältere Menschen auf, bei weiter anhaltendem Strom- und Heizungsausfall, Schutz in Notunterkünften zu suchen.

WAHL PER E-MAIL

Vor der Präsidentenwahl an diesem Dienstag stellte sich für die Behörden im Nordosten des Landes die Frage, wie sie von dem Sturm obdachlos gewordenen Menschen die Teilnahme an dem Urnengang ermöglichen können. Der Bundesstaat New Jersey erlaubt deshalb Betroffenen, ihre Stimme per E-mail abzugeben. Da zahlreiche Wahllokale in New York und New Jersey durch das Hochwasser unbrauchbar wurden, werden viele Wähler Wahlkabinen in provisorisch errichteten Zelten aufsuchen müssen.

"Ich denke noch gar nicht an die Wahl", sagte der 59-jährige Rentner Frank Carrol, der in dem besonders schwer betroffenen Gebiet von Staten Island wohnt. Auch weiß er noch nicht, ob sein Wahllokal überhaupt geöffnet sein wird. Eine niedrigere Wahlbeteiligung würde den Wahlausgang aber voraussichtlich nicht beeinflussen, da die beiden betroffenen Staaten als sichere Häfen für Obamas Demokraten gesehen werden.

Präsident Barack Obama rief unterdessen die Hilfsorganisationen dazu auf, jede unnötige Bürokratie zu vermeiden, um so schnell wie möglich zur Normalität zurückzufinden. Die Opferzahlen durch den Wirbelsturm sind mittlerweile auf mindestens 110 Menschen gestiegen, nachdem in New Jersey neun weitere Opfer gemeldet wurden. "Sandy" war am Montag auf einer Länge von mehreren Hundert Kilometern auf die Ostküste der USA getroffen. Überschwemmungen, Stromausfälle und zerstörte Häuser waren die Folge. Die wirtschaftlichen Schäden werden auf 50 Milliarden Dollar geschätzt.

MANHATTANS SKYLINE WIEDER ERLEUCHTET

Durch die Reparatur des Stromnetzes erstrahlte erstmals seit fast einer Woche wieder die Skyline von Manhattan. Auch die U-Bahn der Stadt New York ist inzwischen wieder zu 80 Prozent in Betrieb. Nach der Wiedereröffnung des New Yorker Hafens hoffen die Menschen nun auch auf eine zügige Normalisierung bei der Treibstoffversorgung. Der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, kündigte die Lieferung von 127 Millionen Litern Benzin per Schiff an. Am Freihafen in Long Island, sammelten sich mindestens 1000 Fahrer in Erwartung der Benzinlieferungen. Gab es am Freitag noch bei zwei von drei Tankstellen in New York kein Benzin, war dies am Samstag offiziellen Angaben zufolge nur noch bei etwas mehr als einem Drittel der Fall.

Angesichts der Probleme hatte New Yorks Bürgermeister Bloomberg doch noch den berühmten Marathon der Stadt abgesagt. Zu dem Lauf am Sonntag waren 40.000 Teilnehmer erwartet worden. Bloomberg hatte den Wettkampf eigentlich trotz der Sturm-Schäden austragen wollen. Bürger hatten die Pläne jedoch kritisiert und die Sorge geäußert, Helfer könnten für den Marathon abgezogen werden, die dann beim Wiederaufbau fehlen würden. Hunderte von Sportlern wollten sich allerdings nicht vom Laufen abhalten lassen und kündigten spontane Benefiz-Läufe durch die Stadt an.

 
National Guardsmen put gasoline into canisters at a temporary National Guard fueling center in the Staten Island Borough of New York, November 3, 2012, in the aftermath of Hurricane Sandy. REUTERS/Keith Bedford