"Sandy"-Opfer haben mit Kälteeinbruch zu kämpfen

Montag, 5. November 2012, 07:37 Uhr
 

New York (Reuters) - Nach dem Wirbelsturm "Sandy" macht den Menschen an der Ostküste der USA nun ein ungewöhnlich früher Kälteeinbruch zu schaffen.

Bereits am Wochenende haben sich die Temperaturen dem Gefrierpunkt genähert, während die Stromversorgung vielerorts noch nicht wiederhergestellt war und viele Regionen weiter mit Heizöl- und Benzinknappheit zu kämpfen hatten. Bereits am Montag soll das Thermometer unter null Grad Celsius fallen. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg warnte, es werde noch mehrere Tage dauern, bis der Strom wieder zuverlässig fließt und ausreichend Treibstoff vorhanden ist. Wegen des frühen Kälteeinbruchs könnten noch bis zu 40.000 Menschen feste Unterkünfte benötigen. Am Wochenende waren weiterhin rund 2,5 Millionen Haushalte vom Stromnetz abgeschnitten.

In New Jersey starb ein 71-jähriger Mann an Unterkühlung. Damit stieg die Zahl der Opfer des vor einer Woche über die Ostküste der USA hinweggefegten Wirbelsturms "Sandy" auf mindestens 112 Menschen, davon 41 Tote in der Stadt New York. Trotz der enormen Anstrengungen der Menschen, wieder zur Normalität zurückzufinden, bleiben die Sorgen um einen reibungslosen Ablauf der Präsidentschaftswahl an diesem Dienstag. Die Wahl-Kommission der Stadt habe "echte Probleme", räumte Bloomberg am Sonntag ein und sicherte dem Gremium Unterstützung zu.

WAHL PER E-MAIL

Um auch obdachlos gewordenen Menschen die Teilnahme an der Wahl ermöglichen zu können, greifen die Behörden zu ungewöhnlichen Maßnahmen. So erlaubt der Bundesstaat New Jersey Betroffenen, ihre Stimme per E-mail oder Fax abzugeben - was sonst nur im Ausland lebenden Wählern zugebilligt wird. In New York wäre sogar ein zweiter Wahltag denkbar, den ein Gesetz bei einer Wahlbeteiligung unter 25 Prozent als direkte Folge einer Katastrophe einräumt.

"Ich denke noch gar nicht an die Wahl", sagte der 59-jährige Rentner Frank Carrol, der in dem besonders schwer betroffenen Gebiet von Staten Island wohnt. Auch weiß er noch nicht, ob sein Wahllokal überhaupt geöffnet sein wird. Da zahlreiche Wahllokale in New York und New Jersey durch das Hochwasser unbrauchbar wurden, werden viele Wähler ihre Stimme in provisorisch errichteten Zelten abgeben müssen. Eine niedrigere Beteiligung bei der Abstimmung würde den Wahlausgang aber voraussichtlich nicht sonderlich beeinflussen, da die beiden betroffenen Staaten als sichere Häfen für Barack Obama gesehen werden.

Der Präsident rief Hilfsorganisationen dazu auf, jede unnötige Bürokratie zu vermeiden, um so schnell wie möglich zur Normalität zurückzufinden. Eine am Sonntag veröffentlichte Umfrage des Senders "NBC" sowie des "Wall Street Journal" ergab, dass mehr als zwei Drittel der Befragten mit Obamas Krisenmanagement zufrieden sind. Nur 15 Prozent äußerten ihr Missfallen.

"Sandy" war am Montag auf einer Länge von mehreren Hundert Kilometern auf die Ostküste der USA getroffen. Überschwemmungen, Stromausfälle und zerstörte Häuser waren die Folge. Die wirtschaftlichen Schäden werden auf 50 Milliarden Dollar geschätzt.

HEIZÖL WEITER KNAPP   Fortsetzung...

 
National Guardsmen put gasoline into canisters at a temporary National Guard fueling center in the Staten Island Borough of New York, November 3, 2012, in the aftermath of Hurricane Sandy. REUTERS/Keith Bedford