Anschlag erschüttert Assads Machtzentrum Damaskus

Sonntag, 4. November 2012, 16:09 Uhr
 

Amman (Reuters) - Ein Bombenanschlag hat am Sonntag die syrische Hauptstadt Damaskus erschüttert und damit einmal mehr gezeigt, wie verwundbar das Machtzentrum von Präsident Baschar al-Assad ist.

Der 50-Kilogramm-Sprengsatz detonierte in der Nähe eines schwerbewachten Gebäudekomplexes der Armee und Sicherheitskräfte. Mehrere Menschen wurden nach Angaben des Staatsfernsehen verletzt, einer befand sich in kritischem Zustand. Assad-Gegner erklärten, der Anschlag gehe offenbar auf das Konto der Ahfad-al-Rasul-Brigade, einer islamistischen Gruppe, die in den vergangenen zwei Monaten wiederholt das Militär und die Geheimdienste ins Visier nahm. Videomaterial staatlicher Medien zeigte zerstörte Fenster und beschädigte Autos.

Die Rebellen haben zuletzt immer wieder versucht, Assads Machtapparat durch Angriffe in Damaskus oder der größten syrischen Stadt Aleppo empfindlich ins Mark zu treffen. Dazu starteten islamistische Aufständische am Samstag auch einen Angriff auf die strategisch wichtige Luftwaffenbasis Taftanas. Regierungstruppen in Aleppo sollten so vom Nachschub aus Damaskus abgeschnitten und Angriffe auf Rebellenbastionen im ländlichen Norden verhindert werden. Auf der Basis Taftanas in der Provinz Idlib werden Kampfhubschrauber und Flugzeuge der syrischen Luftwaffe betankt. "Von der Basis heben alle Maschinen ab, die Idlib bombardieren", erklärte ein Aufständischer. "Wenn wir sie befreien, wird die Straße zwischen Aleppo und Idlib offen und sicher sein."

Die Rebellen setzten Granatwerfer und mindestens drei Panzer gegen die Soldaten ein. Doch am Sonntag mussten sie die Offensive einstellen, denn ihnen ging die Munition aus - ein Problem, mit dem sich die Aufständischen immer wieder konfrontiert sehen. Sie haben deswegen wiederholt Unterstützung vom Ausland gefordert. Doch diese fällt zögerlich aus. Grund ist die Zerstrittenheit der syrischen Opposition und die zunehmende Rolle islamistischer Gruppen.

EINHEITSGESPRÄCHE DER OPPOSITION IN KATAR

Auch deshalb begaben sich im Golfemirat Katar Vertreter verschiedener Oppositionsgruppen in die Startlöcher für einen neuen Anlauf zur Überbrückung ihrer Differenzen. Zwischen Islamisten und weltlichen Assad-Gegnern ziehen sich ebenso Gräben wie zwischen Rebellen im ausländischen Exil und denen, die in ihrer Heimat den militärischen Kampf gegen den langjährigen Herrscher austragen. Die Gespräche in Doha sind auf vier Tage angesetzt, anschließend hoffen die jetzigen Anführer der größten, im Ausland angesiedelten Oppositionsgruppe Syrischer Nationalrat auf ein zusätzliches Treffen in Doha am Donnerstag, bei dem eine Einheitskoalition geschmiedet werden soll. Ziel ist es, den Druck auf Assad zu erhöhen, aber eben auch das Vertrauen im Ausland zu gewinnen, womöglich um mit Waffenlieferungen unterstützt zu werden.

Assad versucht seit 19 Monaten, einen Aufstand gegen seine Herrschaft niederzuschlagen. Der Konflikt hat sich zu einem Bürgerkrieg ausgewachsen. Neue Sorgen, er könne andere Länder der Region erfassen, kamen am Samstag auf: Israel teilte mit, drei syrische Panzer seien in die militärische Pufferzone auf den Golanhöhen zwischen beiden Ländern eingedrungen. Israelische Medien berichteten, die Panzer seien in Kämpfe mit syrischen Rebellen in dem Gebiet verwickelt gewesen.

Israel hatte den Landstrich im Sechs-Tage-Krieg 1967 erobert und 1981 annektiert. Beide Länder befinden sich formell noch im Krieg. Eine Eskalation zwischen Israel und Syrien wurde aber nicht unmittelbar befürchtet. Zum einen lag das daran, dass Israel es zunächst bei der Beschwerde bei den Vereinten Nationen beließ. Zum anderen hat sich das Land generell im Zusammenhang mit dem Aufstand in Syrien bislang zurückgehalten - so wurde etwa, als im September syrische Bomben versehentlich in Israel einschlugen, ebenfalls lediglich Beschwerde bei den UN-Beobachtern eingereicht, die die De-facto-Waffenruhe zwischen den Nachbarn überwachen.

 
Forces loyal to Syria's President Bashar al-Assad are seen at Maysaloun area, in Aleppo city November 3, 2012, after clashes with Free Syrian Army fighters. REUTERS/George Ourfalian