Toyota vor Comeback an die Weltmarktspitze

Montag, 5. November 2012, 15:18 Uhr
 

Tokio/Hamburg (Reuters) - Nur ein Jahr nach dem Sturz vom Siegertreppchen der internationalen Automobilindustrie zeichnet sich für Toyota ein Comeback ab.

Dank starker Zuwächse in den USA und Südostasien schlugen die Japaner von Januar bis September rund um den Globus 7,4 Millionen Fahrzeuge los und hielten General Motors und Volkswagen damit auf Abstand. Die Opel-Mutter aus den USA kam in dieser Zeit auf 6,95 Millionen Stück, der Wolfsburger VW-Konzern mit 6,85 Millionen. Von dieser Pole-Position aus kann Toyota den nach einer Serie von Naturkatastrophen 2011 verlorenen Thron auch für das Gesamtjahr 2012 zurückzuerobern. Bereits von 2008 bis 2010 war der japanische Vorzeigekonzern beim Absatz Weltmarktprimus.

Im zweiten Geschäftsquartal von Juli bis September verdreifachte der Autobauer seinen Nettogewinn auf umgerechnet rund 2,5 Milliarden Euro (257,9 Milliarden Yen) und hob am Montag seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr an. Für das Ende März auslaufende Geschäftjahr peilt Toyota nun einen Nettogewinn von 7,6 Milliarden Euro (780 Milliarden Yen) an - 2,6 Prozent mehr, als der Vorstand bisher in Aussicht gestellt hatte. Zwar musste der Konzern seine Absatzziele für das Gesamtjahr wegen des Boykotts japanischer Waren in China um 100.000 auf 9,66 Millionen herunterschrauben. Analysten sind jedoch überzeugt, dass Toyota den Sieg in dem prestigeträchtigen Wettkampf in diesem Jahr nicht mehr aus Hand geben wird.

"Der Konzern hat sich schneller berappelt als viele gedacht haben", zollt Frank Schwope von der NordLB Toyota Respekt. Bei dem Konzern laufe es dank der USA "fantastisch", sagte der Autoanalyst. Auch sein Kollege Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler ist überzeugt, dass Toyota in diesem Jahr das Rennen machen wird. Während die Konkurrenz in Europa von der Krise der Schuldenstaaten gebremst wird, schlägt dies bei Toyota weniger durch. Die Japaner spielen dort mit Marktanteilen zwischen vier und fünf Prozent eine eher untergeordnete Rolle.

US-GESCHÄFT BRUMMT

In den USA können die Japaner dagegen ihre Stärke wieder voll ausspielen, seit die Folgen der Erdbebenkatastrophe und der Flut in Thailand auf das engmaschige Produktionsnetz behoben sind. Im Oktober steigerte Toyota seinen Absatz auf dem wichtigen US-Markt im Vergleich zum Vorjahresmonat um 16 Prozent. Der Marktanteil von Toyota und dessen Luxusmarke Lexus erhöhte sich damit in den USA auf 13,9 von zuvor 12,9 Prozent. Der Familienwagen Toyota-Camry rangierte im vergangenen Monat auf der Liste der am besten verkauften Fahrzeuge in Amerika an dritter Stelle hinter den Pick-ups der F-Serie von Ford und dem Chevy Silverado der Opel-Mutter General Motors.

PROBLEME IN CHINA KEINE EINTAGSFLIEGE

Schon 2013 könnten die Karten aber wieder neu gemischt werden. Denn einerseits dürften sich die Probleme von Toyota auf dem weltgrößten Pkw-Markt in China nicht von heute auf morgen lösen lassen, meinen Analysten. Wegen des Streits der Volksrepublik mit Japan um Inseln im ostchinesischen Meer haben viele Kunden den Toyota-Autohäusern den Rücken gekehrt. Dies bedeute Absatz-Einbußen dort von 200.000 Fahrzeugen, wie Toyota einräumte. Die anti-japanische Stimmung in der Volksrepublik trifft auch die anderen japanischen Hersteller Honda und Nissan schwer. Von der Schwäche der Japaner profitieren unter anderem BMW und der aufstrebende koreanische Konzern Hyundai, die ihre Marktanteile im Reich der Mitte steigern.

Zugleich ist nicht absehbar, wie lange die Absatzkrise in Europa anhält. Mehrere Autobauer, darunter Europas Marktführer Volkswagen, rechnen damit, dass eine Erholung noch Jahre auf sich warten lassen wird. Auch in den USA könnte der Pkw-Boom schneller zu Ende sein, als viele hoffen, meinen Analysten. Denn unabhängig vom Ausgang der US-Präsidentschaftswahl ist jede Regierung zum Sparen gezwungen - mit entsprechenden Auswirkungen auf den Konsum. "2013 ist das Rennen wieder offen", glaubt Autoanalyst Schwope. Er rechnet mit einem engen Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Toyota, GM und Volkswagen.

- von Yoko Kubota und Jan Schwartz

 
Toyota's Corolla Fielder (L) and Corolla Axio are reflected in a Toyota Forte's logo at the company's headquarters in Tokyo November 5, 2012. REUTERS/Kim Kyung-Hoon