Obama zieht mit leichtem Vorteil ins Wahlfinale

Montag, 5. November 2012, 16:13 Uhr
 

Washington (Reuters) - Das Rennen ums Weiße Haus bleibt bis zur letzten Minute spannend.

Auch einen Tag vor der US-Präsidentenwahl lagen Amtsinhaber Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney nahezu gleichauf. Allerdings zeichneten sich auf der Zielgeraden leichte Vorteile für den Präsidenten ab. In der Mehrzahl der besonders hart umkämpften Bundesstaaten schnitt Obama in Umfragen etwas besser ab. Meist war der Abstand statistisch gesehen zwar irrelevant. Doch im Schlüsselstaat Ohio, in dem sich die Wahl entscheiden könnte, baute er seinen Vorsprung binnen 24 Stunden um drei Punkte auf 48 zu 44 Prozent aus. "Das ist extrem eng. Aber es sieht ziemlich optimistisch für Obama aus", sagte die Meinungsforscherin Julia Clark vom Ipsos-Institut.

Siegesgewiss kann Obama deswegen jedoch nicht sein. Dazu fiel sein Vorsprung in der am Sonntag veröffentlichten Reuters-Ipsos-Umfrage in den meisten Bundesstaaten zu gering aus. Daher konnte sich der Präsident auch am Montag noch keine Pause erlauben. Auftritte standen in Wisconsin und Ohio auf seinem Reiseplan, bevor er den teuersten Wahlkampf aller Zeiten am Abend in Iowa beenden wollte. Dort begann 2008 mit einem unerwarteten Auftaktsieg bei den Vorwahlen der Demokraten sein Aufstieg. In allen drei Staaten ist der Ausgang offen. Sollte Obama sie am Dienstag gewinnen und er gleichzeitig von unangenehmen Überraschungen in anderen Bundesstaaten verschont bleiben, dürfte ihm der Wiedereinzug ins Weiße Haus gewiss sein.

Auch Romney ließ am letzten Wahlkampftag nicht locker: Er wollte in vier umkämpften Bundesstaaten unentschlossene Wähler überzeugen. Neben Florida, Virginia und New Hampshire war das auch Ohio. Noch nie hat ein Republikaner ohne einen Sieg in Ohio die Präsidentenwahl gewonnen. Auch für Romney gilt ein Sieg in dem Bundesstaat als unverzichtbar.

Das Ergebnis in den einzelnen Staaten ist wichtig, denn am Ende ist nicht entscheidend, wer landesweit die meisten Stimmen insgesamt bekommen hat, sondern wer sich die meisten Wahlleute sichern kann. Und die werden über die Bundesstaaten vergeben. Dort gilt in der Regel: Wer die meisten Stimmen in einem Staat erhält, bekommt alle Wahlleute zugesprochen, während der Verlierer leer ausgeht. Für den Wahlsieg benötigt ein Bewerber mindestens 270 Wahlleute. In Ohio geht es um 18.

KLAGEWELLE BEFÜRCHTET

Offen ist das Rennen aber nicht nur, weil Obama und Romney fast gleichauf liegen. Es gibt auch eine Reihe von Unwägbarkeiten, deren Folgen unabsehbar sind und die sich als Zünglein an der Waage entpuppen könnten.

Da ist zum einen der Wirbelsturm "Sandy", der vergangene Woche weite Teile der US-Ostküste heimsuchte und Häuser, Straßen, Bahnstrecken, Stromleitungen und auch Wahllokale zerstörte. In New York wurden deswegen 143.000 Wähler kurzfristig anderen Stimmlokalen zugeteilt. In New Jersey, wo ein Viertel aller Haushalte und Unternehmen ohne Strom auskommen müssen, erlauben die Behörden obdachlos gewordenen Bürgern die Stimmabgabe per E-Mail. Sollte die Technik versagen, sollen Wähler zur Not per Zettel ihre Stimme abgeben können. Was gut gemeint ist, könnte jedoch Klagen nach sich ziehen. "Das ist fruchtbarer Boden für all diejenigen, die sich dazu entschließen, das Wahlergebnis anzufechten", warnte der New Yorker Wahlrechtsexperte Angelo Genova.

Auch in anderen Bundesstaaten wurde auf Unregelmäßigkeiten hingewiesen, etwa in Florida. Vor vielen Wahllokalen, in denen vor dem eigentlichen Wahltermin bereits abgestimmt werden durfte, bildeten sich lange Schlangen. In dicht bewohnten Gegenden wie Miami-Dade oder Palm Beach standen Wähler zum Teil sieben Stunden an. Die Demokratische Partei reichte daraufhin vor einem Bezirksgericht am Sonntag Klage ein, weil Wähler in der Gegend, in der traditionell mehr Obama-Wähler wohnen, de facto so an der Stimmabgabe gehindert worden seien.

Auch Florida ist einer der sogenannten Swing States, die am Ende entscheiden könnten, wer ab Januar im Weißen Haus sitzt. Es geht um 29 Wahlleute. Vor zwölf Jahren siegte der Republikaner George W. Bush gegen den Demokraten Al Gore dank eines Vorsprungs von 537 Stimmen in Florida.

 
U.S. President Barack Obama points to the crowd during an election campaign rally at McArthur High School in Hollywood, Florida November 4, 2012. REUTERS/Jason Reed (UNITED STATES - Tags: POLITICS USA PRESIDENTIAL ELECTION ELECTIONS)