Dutzende Tote bei Anschlägen und Kämpfen in Syrien

Montag, 5. November 2012, 17:15 Uhr
 

Beirut/Amman (Reuters) - Mindestens 90 Tote sind nach Darstellung der syrischen Opposition die Bilanz zweier Bombenanschläge und massiver Angriffe auf Rebellen und Zivilisten.

Ein islamistischer Kämpfer riss demnach am Montag in der Provinz Hama mindestens 50 Polizisten und Milizionäre mit seiner Autobombe mit in den Tod. Sollten sich die Angaben bestätigen, wäre es einer der schwersten Einzelanschläge auf Assad-Getreue in dem seit 20 Monaten andauernden Konflikt. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana bestätigte zwar den Anschlag, sprach aber von höchstens zwei Toten. Nach Berichten der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte und anderer oppositioneller Gruppen griffen Artillerie und Luftwaffe Ziele in der Provinz Idlib und in der Hauptstadt Damaskus an. Dabei wurden mindestens 30 Menschen getötet. Elf Tote habe es bei einem Anschlag in einem von Regierungsanhängern bewohnten Teil von Damaskus.

Bei dem Attentäter in der Provinz Hama handelte es sich der Beobachtungsstelle zufolge um einen Kämpfer der der Al-Kaida-nahen Nusra-Front. Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdelrahman, sagte, der Anschlagsort sei ein ländliches Zentrum gewesen, das die Sicherheitskräfte für ihre Zwecke nutzten. Die Nusra-Front ist eine sehr orthodoxe Gruppe, die den Koran besonders streng auslegt.

Das Bombardement der überwiegend von Sunniten bewohnten Teile von Damaskus begann Stunden nach Rebellenangriffen auf eine Assad ergebene Miliz. Dabei hätten die Aufständischen auf das Überraschungsmoment gesetzt und sich nach einer Attacke sofort wieder zurückgezogen, berichtete ein Oppositioneller. "Die Rebellen haben frühere Fehler vermieden, Geländegewinne zu verteidigen, weil sie dabei aufgerieben werden können." Die Aufständischen seien zu einer Zermürbungstaktik übergegangen. In der Nacht griffen Anhänger der Freien Syrischen Armee den Angaben zufolge auch Stellungen regierungsnaher Kämpfer im palästinensischen Flüchtlingslager Jarmuk an. Mindestens sieben Palästinenser wurden getötet, wie Aufständische vor Ort berichteten.

Ein westlicher Diplomat warf Assad eine Eskalation im Kampf gegen seine Gegner vor. Die zersplitterte und zerstrittene Opposition bemühte sich in Katar weiter um die Bildung einer einheitlichen Führung. Diese soll sich mit den bewaffneten Rebellen vor Ort zusammenschließen und Ansprechpartner ausländischer Regierungen etwa für Waffenlieferungen sein soll. Den Rebellen mangelt es vor allem an der Flug- und Artillerieabwehr.

RUSSLAND WIRFT AUSLAND WAFFENLIEFERUNGEN VOR

Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf ausländischen Mächten vor, die Assad-Gegner mit Waffen zu versorgen. Dies sei eine Verletzung des Völkerrechts, sagte er der ägyptischen Zeitung "Al-Ahram". Zudem könnten diese Waffen Extremisten von Al-Kaida in die Hände fallen. Die Waffenlieferungen seines Landes verteidigte Lawrow dagegen. Dabei handele es sich um eine bereits zu Sowjet-Zeiten vereinbarte Rüstungskooperation.

Zugleich hieß Lawrow die Bemühungen Ägyptens gut, zusammen mit den Assad-Gegnern Saudi-Arabien und der Türkei sowie mit Syriens Verbündeten Iran einen neuen Anlauf zum Frieden zu unternehmen. Das Quartett tritt aber seit September auf der Stelle. Russland gilt neben China als einer der wichtigsten Unterstützer der syrischen Führung. Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen legten beide Länder bereits drei Mal ihr Veto gegen Resolutionen ein, die zum Ziel hatten, Assads Umgang mit dem Aufstand zu verurteilen.

- von Mariam Karouny und Khaled Yacoub Oweis

 
Smoke is seen after a Syrian Air Force fighter jet loyal to Syria's President Bashar al-Assad fired missiles at Taftanaz near Idlib November 4, 2012. Picture taken November 4, 2012. REUTERS/Abu Qais al-Taftanazi/Shaam News Network/Handout (SYRIA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST) FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS