BMW hält Kurs auf Rekordgewinn - Banger Blick auf 2013

Dienstag, 6. November 2012, 14:35 Uhr
 

München (Reuters) - Autokrise hin, Rabattschlachten her: Als einer der ganz wenigen Autobauer weltweit wird der Oberklasse-Hersteller BMW in diesem Jahr wohl mit einem höheren Gewinn glänzen.

Während Branchenriese VW und dessen Tochter Audi mit stagnierenden Ergebnissen rechnen und Rivale Daimler seine Ziele ganz über den Haufen geworfen hat, steuern die Münchner 2012 neue Spitzenwerte an. Für Schub sorgen gute Geschäfte in China und den USA; schon im dritten Quartal bescherten die beiden weltgrößten Automärkte BMW einen überraschend hohen Gewinn und machten Schwächen in Europa mehr als wett. Für 2013 sehen aber auch die Münchner die Wolken am Autohimmel noch dunkler werden.

"Das Umfeld, in dem wir agieren, wird immer rauer", sagte Vorstandschef Norbert Reithofer am Dienstag. In vielen Ländern gehe das Wachstum deutlich zurück, der Wettbewerb werde härter. In Europa befinden sich die Pkw-Neuzulassungen seit einem Jahr im freien Fall. Längst schrumpfen die Zahlen nicht mehr nur im krisengeschüttelten Süden des Kontinents, sondern auch in großen Märkten wie Deutschland oder Frankreich. Mit hohen Rabatten wird versucht, die verunsicherte Kundschaft zum Autokauf zu verführen. Vielen Herstellern, die von hohen Stückzahlen abhängen und ihr Hauptgeschäft in Europa machen, steht das Wasser bis zum Hals: Ford sucht sein Heil in Werksschließungen in Europa. PSA Peugeot Citroen will sich mit Stellenstreichungen, Staatshilfe und einer Kooperation mit dem ums Überleben kämpfenden Konkurrenten Opel retten. Auch die Oberklasse-Hersteller Audi und Mercedes mussten der Krise zuletzt mit sinkenden Gewinnen Tribut zollen.

Bei BMW kletterte dagegen im dritten Quartal das Ergebnis vor Steuern auf knapp zwei Milliarden Euro - 18 Prozent mehr als vor Jahresfrist und weit mehr als von Analysten erwartet. Die Münchner, die nach eigenen Angaben von ihrer vergleichsweise jungen Modellpalette profitieren, legten in China und den USA stark zu, wo teure deutsche Limousinen und Geländewagen weiter gefragt sind. In Europa, der größten Verkaufsregion, hielt der Absatz zumindest das Vorjahresniveau. BMW passe die Produktion der Nachfrage an und konzentriere sich auf gefragte Modelle, sagte Finanzchef Friedrich Eichiner. Der Wettbewerbsdruck in Europa habe aber das Ergebnis belastet. Außerdem fordern auch die Kunden in China neuerdings Rabatte. Weil auf der anderen Seite die Kosten der Entwicklung neuer Technik und des Produktionsnetzes kletterten, ging in der Kernsparte Automobile der operative Quartalsgewinn um neun Prozent auf 1,65 Milliarden Euro zurück. Die Rendite (Ebit-Marge) fiel auf 9,6 Prozent; hier hatten Analysten mit einem höheren Wert gerechnet.

Auch bei der Oberklasse-Konkurrenz blieb zuletzt weniger pro verkauftem Fahrzeug hängen: Audi erzielte eine Marge von 10,5 Prozent, Mercedes von 6,4 Prozent. Die Stuttgarter legen jetzt ein Milliardensparprogramm auf. Solche außerordentlichen Maßnahmen seien bei BMW nicht nötig, versicherten die Vorstände. Der Konzern könne flexibel reagieren, auch dank einer neuen Vereinbarung mit den Mitarbeitern. BMW war schon vor der letzten Krise auf die Kostenbremse getreten, um in Fertigung, Verwaltung und Einkauf Milliarden zu sparen. In der Produktion seien derzeit keine Kürzungen geplant, sagte Reithofer. Audi hatte wegen der Krise in Europa kürzlich die Fertigung im Werk Neckarsulm für eine Woche unterbrochen. Das Ziel, BMW vom Premium-Thron zu stoßen, haben die Ingolstädter um fünf Jahre nach hinten verschoben, auf 2020. Dann will auch Mercedes wieder vorne liegen. Ihr für 2013 angestrebtes Margenziel von zehn Prozent haben die Stuttgarter vertagt.

BMW bekräftigte unterdessen, in der Autosparte 2012 eine Rendite am oberen Rand des angekündigten Korridors zwischen acht und zehn Prozent einzufahren. Auch 2013 werde diese Spanne angepeilt, sagte Eichiner. Eine Prognose für das nächste Jahr traute sich der Konzern noch nicht zu. Analyst Frank Schwope von der NordLB schrieb, 2013 dürfte auch für BMW schwieriger werden. "Während wir für das nächste Jahr noch mit Absatz- und Umsatzwachstum rechnen, erwarten wir für die Ergebnisgrößen leicht rückläufige Werte."

BMW sieht sich für den Rest dieses Jahres auf Kurs, beim Gewinn vor Steuern den Vorjahreswert von rund 7,4 Milliarden Euro zu übertreffen. Von den Marken BMW, Mini und Rolls-Royce sollen mehr als 1,7 Millionen Fahrzeuge weltweit verkauft werden. Auch im vierten Quartal werde sich der Absatz positiv entwickeln, hieß es. Im Oktober habe das Verkaufsplus weltweit rund zwölf Prozent betragen. Konkurrent Daimler lieferte im vergangenen Monat weltweit gut sechs Prozent mehr Fahrzeuge seiner Marken Mercedes-Benz, Smart und Maybach aus. Während die Schwaben in Westeuropa zulegten, knickte der Absatz in China um vier Prozent ein.

 
The BMW logo is seen on a BMW 650i xDrive car on media day at the Paris Mondial de l'Automobile, September 28, 2012. The Paris auto show opens its doors to the public from September 29 to October 14. REUTERS/Christian Hartmann (FRANCE - Tags: TRANSPORT BUSINESS LOGO)