Frankfurter Flughafen geht im Ausland auf die Pirsch

Dienstag, 6. November 2012, 14:36 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Frankfurter Flughafen sucht das Ausland nach Kaufzielen ab.

"Wir wollen mit Augenmaß weiter wachsen. Das eine oder andere schauen wir uns an", sagte der Chef des Flughafenbetreibers Fraport, Stefan Schulte, am Dienstag. Von Interesse seien dabei Airports in wachstumsstarken Volkswirtschaften wie Brasilien oder der Türkei. Aber auch das krisengeschüttelte Portugal rücke in den Fokus, da der dortige Flughafenbetreiber ANA privatisiert werde. Konkreter könne er nicht werden. "Ich darf nichts sagen - sie wissen was das heißt", sagte Schulte.

Reuters erfuhr vor zwei Wochen von Insidern, dass Fraport nebst sieben anderen Bietern unverbindliche Offerten für die ANA eingereicht hatte. Billig würde der Kauf voraussichtlich nicht: Das milliardenschwere Preisschild für einen 95-Prozent-Anteil an der ANA trage voraussichtlich eine Zwei vor dem Komma, hatte einer der Kenner gesagt. Zu Fraport gehören bereits der Flughafen von Lima, Antalya in der Türkei sowie zwei Airports in Bulgarien. Im Ausland erzielte Fraport 2011 mehr als ein Fünftel seines Jahresumsatzes von 2,37 Milliarden Euro.

UMSATZPROGNOSE GEKAPPT

Seine Umsatzprognose für das laufende Jahr nahm Schulte wegen des Flugbegleiterstreiks und geringerer Erlöse aus Auslandsinvestitionen zurück. Die Erlöse dürften im Gesamtjahr nicht mehr wie bisher angepeilt 2,5 Milliarden Euro übersteigen, räumte der Fraport-Chef ein. Am Gewinnausblick hielt er aber fest: Der Betriebsgewinn (Ebitda) soll um mindestens fünf Prozent zulegen. In den ersten neun Monaten des Jahres erzielte der Flughafenbetreiber bei 1,85 Milliarden Euro Umsatz ein Ebitda von 683,1 Millionen Euro - ein Anstieg von sechs Prozent.

Die Lufthansa-Flugbegleiter waren ab Ende August drei Tage lang in Ausstand getreten - Frankfurt als Heimatflughafen der Kranich-Linie war besonders stark betroffen. Zudem schlug noch zu Buche, dass Fraport die Investitionen an seine ausländischen Tochterflughäfen zurückfuhr.

AKTIE IM AUFWIND

Bei Anlegern sorgte die revidierte Prognose nicht für Besorgnis: Die Fraport-Aktie legte um gut fünf Prozent zu und war damit einer der größten MDax-Gewinner. Analysten verwiesen zur Begründung darauf, dass der Konzern im dritten Quartal unter dem Strich mit 162 Millionen Euro mehr Überschuss erzielt hatte als die 121 Millionen Euro, die Marktexperten erwartet hatten.

Stütze des Fraport-Geschäfts ist Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt. Die Zahl der Passagiere stieg hier im Zeitraum von Januar bis Ende September um 3,3 Prozent auf den Rekordwert von 44,1 Millionen. Möglich gemacht hat das Wachstum eine neue Flugzeugpiste, die vor gut einem Jahr in Betrieb genommen worden war. Dank der vierten Landebahn konnte der Airport nach jahrelangen Engpässen auf einen Schlag viel mehr Maschinen abfertigen. Die Bahn ist wegen der gestiegenen Lärmbelastungen für Frankfurt und die Rhein-Main-Region umstritten und Anwohner protestieren gegen den Ausbau. Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das im Frühjahr ein strenges Nachtflugverbot verhängte, beruhigt die Situation nur wenig.

 
The newly built A-Plus terminal section is pictured at the Fraport airport during a guided media tour in Frankfurt September 28, 2012. A-Plus will officially open on October 2. REUTERS/Lisi Niesner (GERMANY - Tags: BUSINESS TRANSPORT)