Dax-Anleger wagen keine großen Sprünge - US-Wahl im Blick

Dienstag, 6. November 2012, 11:27 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Lieber kein Risiko eingehen - dieses Motto haben sich die Dax-Anleger am Tag der US-Wahl auf die Fahnen geschrieben.

Der deutsche Leitindex pendelte am Dienstag unentschlossen um seinem Vortagesschluss von 7326 Zählern - erst am späten Vormittag legte er mit einem Aufschlag von 0,5 Prozent leicht zu. Doch Börsianer zweifelten, dass sich die Kursgewinne halten dürften. "Vor den Ergebnissen der US-Wahlen lässt sich kaum ein Marktteilnehmer aus der Reserve locken", schrieben die Analysten der Metzler Bank in einem Kommentar. "Amerika steht voraussichtlich vor einem der knappsten Wahlausgänge seiner jüngeren Geschichte."

Zwischen Amtsinhaber Barack Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney zeichnete sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum letzten Moment ab. Händlern zufolge fürchten Anleger eine Wiederholung der Pattsituation nach der Wahl im Jahr 2000 zwischen Al Gore und George W.Bush, die letztlich durch den Obersten Gerichtshof entschieden werden musste.

DROHT EINE BLOCKADEPOLITIK IM KONGRESS?

Schwierig könnte sich zudem die Stimmverteilung im Kongress gestalten. Neben dem Präsidenten wählen die Amerikaner am Dienstag auch ein Drittel der 100 Senatoren und das gesamte Repräsentantenhaus neu. "Das beste Szenario wäre eine komfortable Mehrheit für den Präsidenten in Senat und Repräsentantenhaus", sagt Bertrand Lamielle, Chef-Vermögensverwalter bei B*Capital. Damit wäre die Gefahr geringer, dass sich die USA in eine Sackgasse manövrieren und Investoren abschrecken.

Bislang wird das Repräsentantenhaus von den Republikanern kontrolliert, der Senat ist dagegen in der Hand der Demokraten. Sollte diese Konstellation bestehen bleiben, dürfte das laut Analysten vor allem beim Thema Schuldenabbau zu einer Blockadepolitik führen.

Die Unsicherheit der Anleger ließ sich auch an den Einzelwerten ablesen. Salzgitter, die sich nach einer Gewinnwarnung erst im Minus wiedergefunden haben, notierten am späten Vormittag drei Prozent fester. ThyssenKrupp zogen mit und standen mit einem Plus von 2,5 Prozent an der Dax-Spitze. Salzgitter macht das schwache Geschäft mit Stahl in Deutschland zu schaffen. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern nur noch "ein in etwa ausgeglichenes Vorsteuerergebnis". Noch im August hatte der Vorstand einen mittleren zweistelligen Millionengewinn in Aussicht gestellt. Die Nachricht sei schnell verdaut worden, erklärte ein Börsianer. Angesichts der schwächelnden Wirtschaft seien die Erwartungen an Stahlunternehmen längst nicht mehr so hoch.

BMW AUF BERG- UND TALFAHRT

BMW-Aktien gingen ebenfalls auf eine Berg- und Talfahrt. Die Aktien des Autobauers konnten ihre Gewinne aus dem Frankfurter Frühhandel nicht halten und verloren zeitweise 2,6 Prozent. Am späten Vormittag notierten sie nahezu unverändert. Der Oberklasse-Hersteller verbuchte trotz Autokrise in Europa einen Gewinnsprung im dritten Quartal. Marktanalyst Heino Ruland sah in der guten Zwischenbilanz dennoch einen Wermutstropfen: Die Aussage von Vorstandschef Norbert Reithofer, dass der Konzern Gegenwind verspüre, deute auf ein schwächeres Geschäft im kommenden Jahr hin, erklärte er.

Deutlich nach unten ging es für VW-Aktien: Eine Pflichtwandelanleihe lastete auf den Papieren und drückte sie 3,7 Prozent ins Minus. Mit den eingenommenen 2,5 Milliarden Euro will der Wolfsburger Konzern nach der Komplettübernahme von Porsche seine Kasse aufbessern und seine Investitions- und Wachstumspläne vorantreiben. Bei MAN löste das neue Übernahmenspekulationen aus. Die Papiere des Lkw-Bauers legten im MDax um bis zu 4,8 Prozent zu. Offenbar setzten Investoren darauf, dass VW die Tochter komplett übernehmen wolle, hieß es am Markt.

 
Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange September 13, 2012. REUTERS/Remote/Amanda Andersen (GERMANY - Tags: BUSINESS)