Industrie mit größtem Auftragsminus seit einem Jahr

Dienstag, 6. November 2012, 14:35 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Euro-Krise setzt der deutschen Industrie immer stärker zu: Wegen der schwachen Nachfrage aus der Währungsunion brachen ihre Aufträge im September so kräftig ein wie seit einem Jahr nicht mehr.

Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal erstmals seit einem Jahr schrumpft. Auch für 2013 ist kein kräftiger Aufschwung in Sicht. Die Wirtschaftsweisen rechnen einem Zeitungsbericht zufolge mit weniger als einem Prozent Wachstum und sind damit pessimistischer als die Bundesregierung.

Die Aufträge sanken um 3,3 Prozent zum Vormonat, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag mit. Größere Einbußen gab es zuletzt im September 2011 mit 3,6 Prozent. Ökonomen hatten nur mit minus 0,5 Prozent gerechnet. Im dritten Quartal fielen die Aufträge damit um 2,3 Prozent. "Das schwache wirtschaftliche Umfeld des Euroraums, aber auch der übrigen Weltwirtschaft schlägt sich mittlerweile deutlicher als im ersten Halbjahr bei der Nachfrage nach deutschen industriellen Erzeugnissen nieder", räumte das Ministerium ein. "Daher dürfte sich die Industrieproduktion in den kommenden Monaten tendenziell weiter abschwächen."

AUCH INLANDSNACHFRAGE SCHWÄCHELT

Die Auslandsaufträge fielen um 4,5 Prozent. Dabei ging die Nachfrage aus der rezessionsgeplagten Euro-Zone mit 9,6 Prozent mehr als doppelt so stark zurück. "Dies wirkt sich indirekt auch auf die industrielle Nachfrage aus dem Inland aus", erklärte das Ministerium. Die Inlandsaufträge nahmen um 1,8 Prozent ab.

Für das laufende Quartal sagen Ökonomen ein schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt voraus. "Wir werden einen Rückschlag erleben", sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. "Zumal auch die Nachfrage aus den Schwellenländern nachgelassen hat." Dadurch schrumpfen die Auftragspolster. "Die Unternehmen reagieren darauf mit Kosteneinsparungsprogrammen, Investitionsaufschub, Produktionsdrosselungen oder gar vermehrten Vorbereitungen für Kurzarbeit", sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. "Die Vorzeichen für das vierte Quartal sind entsprechend schlecht."

"HANDLUNGSBEDARF IM INLAND"

Ein Minus hatte es zuletzt im Schlussquartal 2011 gegeben. Im dritten Quartal dürfte es einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen zufolge noch zu einem Plus von 0,2 Prozent gereicht haben. Eine erste offizielle Schätzung veröffentlicht das Statistische Bundesamt kommende Woche.

Die fünf Wirtschaftsweisen rechnen dem "Handelsblatt" zufolge im kommenden Jahr mit einem schwächeren Wachstum als die Bundesregierung. Das Bruttoinlandsprodukt werde nur um 0,8 Prozent zulegen, berichtete die Zeitung vorab. Die Bundesregierung geht dagegen von einem Plus von 1,0 Prozent aus. Das Jahresgutachten des Sachverständigenrates mit dem Titel "Stabile Architektur für Europa - Handlungsbedarf im Inland" wird am Mittwoch in Berlin vorgestellt.

LICHTBLICK IM MASCHINENBAU

Den größten Auftragseinbruch meldeten im September die Hersteller von Vorleistungsgütern wie Chemikalien mit 5,0 Prozent. Die Produzenten von Investitionsgütern wie Anlagen und Fahrzeuge erhielten 2,4 Prozent weniger Aufträge. Die Nachfrage nach Konsumgütern fiel 1,7 Prozent niedriger aus. Eine positive Nachricht kam vom Maschinenbau, der ein Auftragsplus von 11,1 Prozent verbuchte.

 
A workers walks through finished steel bars of different quality and size outside at the steel mill of German steel maker Lech-Stahlwerke GmbH in Meitingen near Augsburg October 9, 2012. Picture taken October 9. REUTERS/Michaela Rehle (GERMANY - Tags: BUSINESS COMMODITIES)