Nur Hurrikan "Sandy" kann Hannover Rück noch stoppen

Dienstag, 6. November 2012, 17:26 Uhr
 

München (Reuters) - Glänzende Ergebnisse im dritten Quartal, aber immense Belastungen durch Hurrikan "Sandy" in Sicht: Für die großen Rückversicherer wird das Geschäftsjahr 2012 vermutlich nicht so gut wie zuletzt noch gehofft.

Die Hannover Rück, weltweit die Nummer drei, legte am Dienstag ihre Bilanz für das abgelaufene Quartal vor und überzeugte mit einem Gewinnsprung. An der Börse verteuerten sich die Aktien der Norddeutschen um über fünf Prozent auf 56,40 Euro und waren größter Gewinner im MDax. Auch für die Branchenführer Münchener Rück und Swiss Re werden steigende Profite erwartet. Zahlen sollen noch diese Woche folgen. Doch bei den Ergebnissen des laufenden vierten Quartals könnte "Sandy" so manchem Versicherer einen Strich durch die Rechnung machen.

Die Hannover Rück verdiente von Juli bis September netto 265,5 Millionen Euro, ein Plus von knapp 63 Prozent. Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit 213 Millionen Euro gerechnet. Der Konzern profitierte von höheren Einnahmen und einem stark verbesserten Kapitalanlageergebnis, das zum Teil allerdings auf Sondererlöse mit Derivaten und Immobilienverkäufen zurückging. Abgesehen von der verheerende Dürre in den USA im Sommer fielen zudem nur moderate Kosten durch Naturkatastrophen an.

Zur "Sandy"-Last im vierten Quartal wollte sich Finanzchef Roland Vogel noch nicht äußern. Sollte der Wirbelsturm die Versicherungsbranche insgesamt fünf bis 20 Milliarden Dollar kosten, wie es Expertenschätzungen nahelegen, seien keine Anpassungen erforderlich. "Wir sehen unser Jahres-Budget nicht in Gefahr." Von den 560 Millionen Euro, die den Niedersachsen für Großschäden zur Verfügung stehen, wurden bis Ende September erst 193 Millionen verbraucht. "Sandy" war Ende Oktober auf die US-Ostküste getroffen und hatte in New York, wo besonders viel versichert ist, eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

IMMER HÖHERE UNWETTERSCHÄDEN

"Sandy" dürfte für viele Versicherer dieses Jahr der größte Einzelschaden werden und auch die Münchener Rück und Swiss Re treffen. Der bayerische Dax-Konzern hat nach Analystenschätzung von Juli bis September 739 (Vorjahr: 286) Millionen Euro verdient. Haupttreiber dürften bessere Geschäfte am Kapitalmarkt gewesen sein. Swiss Re kommt laut Experten auf einen Quartalsüberschuss von 1,4 Milliarden Dollar - ein Plus von knapp fünf Prozent. Die Nummer zwei profitiert davon, dass sie die Trennung vom Admin-Re-Geschäft in den USA weniger teuer zu stehen kommt als ursprünglich gedacht und sie deswegen rund 600 Millionen Dollar außerordentlichen Gewinn verbucht.

Die Allianz warnte unterdessen davor, dass in den nächsten Jahren mit höheren Sturm-, Hagel- und Starkregenschäden gerechnet werden muss. Als Hauptgründe nannte Europas größter Erstversicherer den Klimawandel, dass immer mehr Werte versichert sind und zunehmend Menschen in gefährdeten Teilen der Erde siedeln. In den vergangenen 30 Jahren hätten die Zahlungen an Kunden für wetterbedingte Schäden um den Faktor 15 zugelegt. In der globalisierten Welt gebe es auch immer mehr Kettenreaktionen. "Unwetter wie die Flut in Thailand sind mit 51 Prozent der häufigste Auslöser für Betriebsunterbrechungen durch Lieferantenausfälle." Viele Versicherer hätten zu wenig Daten, um solche Ketten in der Elektronik- oder Auto-Branche richtig einzuschätzen.

HANNOVER RÜCK AUF REKORDKURS

Nach dem starken dritten Quartal ist die Hannover Rück auf Rekordkurs für das Gesamtjahr. "Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass ein Konzernergebnis von mehr als 800 Millionen Euro realistisch ist", sagte Vorstandschef Ulrich Wallin. Der bisherige Bestwert stammt mit knapp 749 Millionen Euro aus dem Jahr 2010. Wegen des holprigen Börsengangs der Konzernmutter Talanx hatte das norddeutsche Unternehmen bisher keine Gewinnprognose gegeben. Die Prämieneinnahmen sollen 2012 um acht bis neun Prozent zulegen, nachdem zuletzt ein Plus von fünf bis sieben Prozent erwartet worden war. Für 2013 wird dann ein Zuwachs von rund fünf Prozent angestrebt. Der Überschuss soll bei rund 800 Millionen Euro liegen.