Obama bekommt zweite Chance

Mittwoch, 7. November 2012, 11:25 Uhr
 

Washington (Reuters) - Barack Obama erhält trotz hoher Arbeitslosigkeit und einer nur schleppenden wirtschaftlichen Erholung eine zweite Chance als US-Präsident.

Tausende Anhänger feierten in der Nacht zum Mittwoch in Chicago die Wiederwahl des 51-Jährigen mit "Four more years"-Sprechchören ("Vier weitere Jahre"). Der erste afroamerikanische US-Präsident in der Geschichte versprach, er werde sich nach einer mit harten Bandagen ausgetragenen Wahlschlacht um Kompromisse mit den Republikanern bemühen, um die angeschlagene weltgrößte Volkswirtschaft wieder auf Kurs zu bringen. Sein Herausforderer Mitt Romney gestand kurz zuvor in Boston seine Wahlniederlage ein.

Obama kündigte an, in seiner zweiten Amtszeit eine ganze Reihe von Vorhaben in Angriff zu nehmen, mit denen er bereits 2008 in den Wahlkampf gezogen war. Zusammen mit den Republikanern wolle er sich daran machen, das Steuersystem umzubauen, die Einwanderungsgesetze zu reformieren, die Abhängigkeit der USA von ausländischen Öllieferungen zu verringern und den Staatshaushalt in Ordnung zu bringen. Der Schuldenberg in Höhe von 16 Billionen Dollar und das Defizit sind die dringendsten Probleme, die Obama so schnell wie möglich lösen muss - und dass ohne eine weitere Rezession zu riskieren. Dazu braucht er die Unterstützung des Kongresses. Doch ausgerechnet dort ändert sich nichts an den bisherigen Machtverhältnissen. Während die Demokraten ihre Mehrheit im Senat behaupten konnten, behielten die Republikaner im Repräsentantenhaus die Nase vorne. Eine Blockade wie in den vergangenen zwei Jahren ist nicht auszuschließen. Erste Marktreaktionen fielen deswegen gedämpft aus, allerdings gepaart mit deutlicher Erleichterung darüber, dass dem Land eine Hängepartie erspart blieb.

ZITTERPARTIE BEI DER ABSTIMMUNG

Lange Zeit lief die Wahl auf eine Zitterpartie für beide Bewerber hinaus, denn selbst Stunden nach Schließung der Stimmlokale lagen Obama und Romney in den wichtigsten Schlüsselstaaten so dicht beieinander, dass keine verlässlichen Hochrechnungen möglich waren. Doch dann ging es Schlag auf Schlag. Obama sackte nach Prognosen mehrerer US-Fernsehsender Siege in einer ganzen Reihe von wichtigen "Swing States" ein, wo der Ausgang lange Zeit völlig offen war, weil sie keinem Lager eindeutig zugerechnet werden konnten - darunter Ohio, Wisconsin, Iowa, Pennsylvania und New Hampshire. Das katapultierte ihn weit über die entscheidende Marke von 270 Wahlmännern, die er für seine Wiederwahl benötigte. Wenn man auch die Staaten berücksichtigt, für die noch kein Ergebnis vorlag, in denen der Ausgang aber von vornherein so gut wie feststand, kam Obama auf mehr als 300 Wahlmänner, gut Hundert mehr als Romney.

Wer unter dem Strich landesweit die meisten Stimmen insgesamt erhielt, war zunächst nicht klar. Es deutete sich ein Patt zwischen Obama und Romney an. Da der Präsident aber nicht vom Volk direkt gewählt wird, sondern von den Wahlmännern und -frauen, ist entscheidend, wie ein Bewerber in den einzelnen Staaten abschneidet. Dort gilt in nahezu allen Fällen das Prinzip: Wer die meisten Stimmen erhält, bekommt alle Wahlmänner dieses Staats zugesprochen. Der Verlierer geht leer aus.

 
Attendees celebrate during U.S. President Barack Obama's election night rally in Chicago, November 6, 2012. REUTERS/Philip Andrews