Hurrikan "Sandy" schreckt Münchener Rück nicht

Mittwoch, 7. November 2012, 14:28 Uhr
 

München (Reuters) - Hurrikan "Sandy" schreckt den Rückversicherer Münchener Rück nicht:

Der Branchenprimus hob am Mittwoch nach einem überraschend starken dritten Quartal die Gewinnprognose für dieses Jahr an und verspricht seinen Aktionären auch eine höhere Dividende. "Trotz des Wirbelsturms Sandy sind wir optimistisch, 2012 einen Gewinn von rund drei Milliarden Euro erzielen zu können", sagte Finanzchef Jörg Schneider. An der Börse kam der Schritt gut an: Münchener-Rück-Aktien zogen um 2,5 Prozent auf 130,80 Euro an und waren einer der größten Gewinner im Leitindex Dax.

Zuvor hatte diese Woche schon die kleinere Hannover Rück mit einem Ergebnissprung und der Aussicht auf einen Rekordgewinn im Gesamtjahr überzeugt. Bei der Münchener Rück summierte sich der Überschuss von Juli bis September auf 1,13 Milliarden (Vorjahr: 286 Millionen) Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit 739 Millionen Euro gerechnet. Beide Rückversicherer profitierten davon, dass die am Kapitalmarkt investierten Policeneinnahmen viel Geld abwarfen und die Lasten durch Naturkatastrophen relativ gering ausfielen.

Das dürfte sich allerdings durch "Sandy" in den restlichen Monaten 2012 ändern. Der Sturm war Ende Oktober auf die US-Ostküste und vor allem die Metropole New York getroffen. Die Münchener Rück rechnet mit Belastungen im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich - soviel wie kein anderer Versicherer bisher. Schneider sagte, es sei durchaus realistisch, dass die Branche insgesamt für bis zu 20 Milliarden Dollar geradestehen müsse, wie es Expertenschätzungen nahelegten. Damit wäre "Sandy" der größte Einzelschaden des Jahres und potenziell auch einer der teuersten Hurrikane überhaupt.

Neben Schäden in der U-Bahn, an Gebäuden, Brücken, Autos und Booten spielen Betriebsunterbrechungen, auch ausgelöst durch Probleme der Zulieferer, eine immer wichtigere Rolle für die Assekuranzen. "Die Flut in Thailand 2011 machte deutlich, wie verwundbar die weltweiten Lieferketten geworden sind", sagte Allianz-Industrieversicherungsexperte Andreas Shell. Damals wurde vor allem die Elektronik- und Computer-Branche stark in Mitleidenschaft gezogen. Die versicherten Schäden fielen am Ende viel höher aus als zunächst gedacht. Das könnte sich bei "Sandy" wiederholen.

MÜNCHENER RÜCK DENKT AUCH 2013 IN MILLIARDEN

Münchener-Rück-Vorstand Schneider bezeichnete die neue Gewinnprognose als konservativ, man könne auch oberhalb von drei Milliarden (2011: gut 700 Millionen) Euro herauskommen. Zuvor hatte der Rückversicherer 2,5 Milliarden Euro anvisiert. Nach den ersten neun Monaten steht bereits ein Gewinn von über 2,7 Milliarden Euro zu Buche. Die Dividende für 2012 soll oberhalb des Vorjahresniveaus von 6,25 Euro je Anteilsschein liegen. Der bisherige Rekordgewinn von gut 3,8 Milliarden Euro stammt aus dem Jahr 2007, damals allerdings getrieben von Sondereffekten. 2013 werde es schwierig, das Ergebnisniveau zu halten: "Wenn es satt über 2,5 Milliarden Euro liegt, wären wir zufrieden", so Schneider.

Die Hannover Rück will schon 2012 einen neuen Bestwert von über 800 Millionen Euro erreichen. Zahlen des Branchenzweiten Swiss Re werden am Donnerstag erwartet - ebenfalls mit positiven Tendenzen.

Größter Einzelschaden für die Münchener Rück im dritten Quartal war Hurrikan "Isaac", der mit rund 80 Millionen Euro zu Buche schlug. Die Kosten für die verheerende Dürre in den USA werden weiter mit 160 Millionen Euro angesetzt. Die Belastung für die Erdbeben in Norditalien im Frühjahr musste dagegen auf 150 (bisher 79) Millionen Euro hochgesetzt werden.

Auf das Konzernergebnis werden im Schlussquartal auch Sonderkosten bei der Düsseldorfer Tochter Ergo drücken, die ihren Vertrieb umbaut und dabei bis zu 1350 Stellen streichen will. Details zu den Lasten wurden nicht gemacht. Bisher war von mindestens 100 Millionen Euro die Rede. Dadurch wird die von Lustreisen der Vertreter gebeutelte Ergo ihr Gewinnziel für 2012 nicht halten können.

 
People stand near garbage piled up in the streets of the Rockaways neighborhood in the Queens borough of New York November 5, 2012. REUTERS/Brendan McDermid (UNITED STATES - Tags: DISASTER ENVIRONMENT)