Obama-Freude verpufft am Markt -Konjunkturdaten drücken

Mittwoch, 7. November 2012, 18:20 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Freude über den klaren Wahlsieg Barack Obamas ist an den internationalen Finanzmärkten schnell verpufft.

Nach anfänglichen Kursgewinnen schlossen die Märkte am Mittwoch deutlich im Minus. Auch die Wall Street verbuchte Kursverluste. "Der kleine Obama-Bonus ist aufgebraucht, jetzt geht es weiter wie vorher", sagte ein Händler. "Im Fokus stehen noch immer die Euro-Krise und das drohende Schuldendrama in den USA", ergänzte Michael Hewson, Analyst bei CMC Markets.

US-Präsident Barack Obama hat zwar eindeutig gegen seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney gewonnen. Im Kongress dürfte der Demokrat jedoch auch in seiner zweiten Amtszeit auf Widerstand stoßen, da das Repräsentantenhaus in der Hand der Republikaner bleibt.

Der weiterhin gespaltene Kongress werde es schwer machen, vor Jahresende die notwendigen Kompromisse im Haushaltsstreit zu finden, sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. "Sollten beide Seiten sich nicht einigen, würden unmittelbar zum Jahresbeginn 2013 automatisch die US-Staatsausgaben gekürzt und die Steuern erhöht in einem Umfang, der 5,1 Prozent der jährlichen US-Wirtschaftsleistung entspricht. Dies könnte die US Wirtschaft in eine erneute Rezession stürzen."

Der Dax, der zu Handelsbeginn noch knapp ein Prozent zugelegt hatte, ging zwei Prozent niedriger bei 7232 Punkten aus dem Handel. Der EuroStoxx50 verlor 2,2 Prozent. An den Rohstoffmärkten wurden die Preise für Kupfer und Öl mit deutlichen Abschlägen gehandelt.

DEUTSCHE KONJUNKTURDATEN SCHWÄCHELN

Für die schwächelnden Märkte machten Händler neben den drohenden Haushaltsproblemen in den USA auch die Sorgen um den Zustand Europas verantwortlich. Laut EU-Kommission wird die Wirtschaft in der Euro-Zone 2013 nicht über eine Stagnation hinauskommen. Vor allem in Italien und Spanien dürfte die Wirtschaftsleistung vorerst weiter schrumpfen. Deutschland bleibt der Prognose zufolge zwar weiterhin Zugpferd der Euro-Zone, doch auch hierzulande wird die Luft langsam dünner.

Das zeigten am Mittwoch die Daten zur Industrieproduktion: Deutsche Unternehmen stellten im September 1,8 Prozent weniger her als im Vormonat. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang um 0,5 Prozent erwartet. "Die Euro-Krise schlägt auf die Binnenwirtschaft durch", urteilte Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus. "Die Investitionsneigung der deutschen Unternehmen scheint deutlich zu sinken. Das deutet darauf hin, dass die Wirtschaft im vierten Quartal schrumpfen wird."

In dieselbe Kerbe schlug EZB-Präsident Mario Draghi: Jüngste Daten signalisierten, dass die Ausläufer der Krise nun auch die deutsche Wirtschaft erreicht hätten, sagte er am Mittwoch auf dem Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken in Frankfurt.   Fortsetzung...

 
A TV showing news on re-elected U.S. President Barack Obama is pictured in front of the German share price index DAX board at the German stock exchange in Frankfurt November 7, 2012. REUTERS/Lisi Niesner (GERMANY - Tags: BUSINESS POLITICS)