Türkei bittet Nato um Stationierung von Patriot-Raketen

Donnerstag, 8. November 2012, 08:57 Uhr
 

Ankara (Reuters) - Die Türkei will die Nato nach Angaben aus Kreisen zum Schutz vor Beschuss aus Syrien um die Stationierung von Patriot-Flugabwehrraketen auf ihrem Territorium bitten.

Wie ein hochrangiger Mitarbeiter des Außenministeriums der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch erklärte, steht ein offizieller Antrag unmittelbar bevor. Die Türkei sei der Gefahr von Raketenangriffen ausgesetzt und habe das Recht, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu erklärte lediglich, alle Optionen zu prüfen.

Zuvor hatte der türkische Fernsehsender NTV Davutoglu mit den Worten zitiert, die Nato bereite derzeit bereits die Stationierung der Raketen vor. Der Sender zog diesen Bericht jedoch später zurück. Ein Regierungssprecher erklärte zudem, Davutoglu habe entsprechende Äußerungen nicht gemacht. Der Mitarbeiter des Außenministeriums erklärte, die Stationierung solcher Raketen zur Abwehr einer Bedrohung sei bei der Nato eine Routine-Angelegenheit. Die Nato hat bereits zwei Mal in der Türkei Patriot-Raketen stationiert, und zwar 1991 während des ersten und 2003 während des zweiten Golfkriegs.

Die Türkei wirbt seit längerem für eine ausländische Intervention in dem Konflikt, insbesondere für die Errichtung einer Flugverbotszone in Syrien. Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan wirft dem UN-Sicherheitsrat Untätigkeit vor. Das Land hat sich angesichts der zunehmenden Gewalt von einem Verbündeten zu einem der schärfsten Kritiker der Führung in Damaskus gewandelt. Mehrfach ist es an der 910 Kilometer langen Grenze bereits zu Scharmützeln gekommen.

Der jüngste Angriff Syriens auf den Nato-Partner Türkei und dessen Vergeltungsschläge könnten zu einer Internationalisierung des Konflikts führen. Wegen seiner Bündnisverpflichtungen in der Nato wäre auch Deutschland davon direkt betroffen. Die Ausrufung eines Bündnisfalls nach Artikel 5 des Nordatlantik-Vertrags ermöglicht die Androhung und Anwendung von Waffengewalt gegen Staaten, die ein Nato-Mitglied attackieren. Erstmals wurde der Bündnisfall nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA festgestellt. Der Angriff auf einen Partner wird demnach als Angriff auf alle Bündnispartner betrachtet und verpflichtet die anderen Mitglieder zur kollektiven Selbstverteidigung. Die Türkei selbst verfügt mit einer halben Million Soldaten über die zweitgrößte Armee aller Nato-Staaten.

 
Free Syrian Army fighters stand on a tank after they said they fought and defeated government troops at the air force base at al-Dewala near Idlib November 4, 2012. Picture taken November 4, 2012. REUTERS/Baker Al-Shemali/Shaam News Network/Handout (SYRIA - Tags: POLITICS CONFLICT) FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS