Adidas läuft Konkurrenz trotz Reebok-Misere davon

Donnerstag, 8. November 2012, 13:11 Uhr
 

München (Reuters) - Das Sorgenkind Reebok bremst Adidas immer stärker aus.

Der Sportartikel-Hersteller schlägt sich zwar dank hoher Zuwächse in Osteuropa, China und Lateinamerika weiterhin besser als die Konkurrenz, musste aber erstmals seit der Weltwirtschaftskrise 2009 wieder eine Geschäftsprognose nach unten korrigieren, wenn auch nur minimal. Weil der Umsatz der US-Tochter Reebok im dritten Quartal währungsbereinigt um ein Viertel einbrach, kann der Konzern sein Ziel nicht mehr halten, die Erlöse im Gesamtjahr um knapp zehn Prozent zu steigern. Jetzt ist von einem hohen einstelligen Prozentsatz die Rede. Die Anleger an der Börse reagierten sensibel darauf: Adidas-Aktien büßten am Donnerstag zwei Prozent ihres Wertes ein und kosteten noch gut 64 Euro. Sie waren einer der größten Verlierer im Leitindex Dax.

"Das ist keinesfalls zufriedenstellend", kommentierte Konzernchef Herbert Hainer die Reebok-Zahlen. Er will die US-Tochter als Fitness-Spezialisten positionieren, mit einem Fokus auf Frauen. "2012 ist ein Rückschlag. Es gibt aber Anzeichen der Verbesserung", sagte Hainer. 2013 werde Reebok wieder wachsen, Fortschritte gebe es bereits bei Retro-Produkten. Die Marge, die weit unter dem Niveau der Kernmarke mit den drei Streifen liegt, werde sich schrittweise erhöhen. "Das geht nicht über Nacht."

Vorläufig sieht es aber schlecht aus: Reebok fehlen die Umsätze aus der American-Football-Liga NFL. Hier hat Marktführer Nike den Sponsorenvertrag übernommen. Außerdem wirkt sich der ungelöste Tarifkonflikt in der amerikanischen Eishockey-Liga NHL negativ aus. Auf dem Spiel stehen Erlöse von jährlich 100 Millionen Euro durch den Verkauf von Lizenzprodukten. Außerdem wird Reebok in Indien, wo die Marke bisher sehr stark war, nach einem Betrugsfall umgebaut. Umsatz und Kundenzahl dürften sich dadurch halbieren. Die letzten Restrukturierungskosten fallen im vierten Quartal an. Analysten sprachen von wieder enttäuschenden Reebok-Werten.

REEBOK-MISERE KANN ADIDAS ABER NICHT STOPPEN

Die Misere der Tochter konnte Adidas aber nicht stoppen. Der Überschuss kletterte von Juli bis September um 14 Prozent auf 344 Millionen Euro, der Umsatz um elf Prozent auf 4,2 Milliarden. Damit wurden die Markterwartungen in etwa erreicht. Die Zuwächse fielen allerdings knapper als noch im zweiten Quartal aus, als die Fußball-Europameisterschaft der Marke mit den drei Streifen einen Schub verlieh. Im Gegensatz zum Branchentrend stieg die Bruttomarge dieses Mal sogar leicht, weil die Preise anzogen und mehr Produkte in den eigenen Läden abgesetzt wurden.

Im Gesamtjahr will Adidas unter dem Strich 770 bis 785 Millionen Euro verdienen. Das würde einem Plus von 15 bis 17 Prozent entsprechen. Nach den ersten neun Monaten waren es bereits 798 Millionen Euro. Dementsprechend wird im vierten Quartal ein kleiner Verlust einkalkuliert. Für 2013 rechnet das Unternehmen aus Herzogenaurach mit neuen Rekorden: Der Umsatz soll weiter steigen, die operative Marge auf etwa neun Prozent klettern und der Gewinn oberhalb von zehn Prozent zulegen.

Im Vergleich mit Nike und Puma schlägt sich Adidas bestens. Der US-Konzern war zuletzt zwar noch stark gewachsen, verdiente dabei aber insgesamt und pro Produkt weniger. Puma ist viel stärker von Europa abhängig und daher voll von der Schuldenkrise erfasst worden. Das Puma-Management reagiert auf den Gewinneinbruch und die trüben Aussichten mit dem größten Umbau seit 20 Jahren.

 
The shoes of a line referee are seen on the partly frozen field during FC Sion's Swiss Super League soccer match against FC Basel in Basel February 5, 2012. REUTERS/Christian Hartmann (SWITZERLAND - Tags: SPORT SOCCER)