US-Abenteuer bringt Telekom Milliarden-Verlust ein

Donnerstag, 8. November 2012, 16:15 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Deutsche Telekom fährt wegen einer Milliarden-Last im kriselnden US-Mobilfunkgeschäft den größten Verlust seit zehn Jahren ein.

Eine Wertberichtigung auf T-Mobile USA sorgte im dritten Quartal für einen Fehlbetrag von 6,9 Milliarden Euro. "Wir haben einen Schlussstrich unter die Vergangenheit gezogen, und manchmal zieht sich dieser Strich schmerzhaft bis in die Bilanz hinein", sagte Telekom-Chef Rene Obermann am Donnerstag. Dennoch hält Obermann an seinem Versprechen für 2012 fest: Wie geplant solle eine Dividende von 70 Cent je Aktie gezahlt werden. Das freut vor allem den Bund, der gut 30 Prozent der Anteilsscheine hält.

An der Börse legte die T-Aktie 0,8 Prozent auf 8,55 Euro zu. Analyst Jacques Abramowicz von Silvia Quandt betonte, dass die Quartalszahlen der Telekom deutlich besser ausgefallen seien, als die ihrer Konkurrenten. So kappten etwa Telefonica, France Telecom und Telekom Austria wegen der Auswirkung der Euro-Krise auf ihre Geschäfte die Ausschüttungen an die Aktionäre.

Der Mega-Verlust - im Vorjahr hatte die Telekom noch einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro ausgewiesen - ist Folge der geplanten Fusion der Amerika-Tochter T-Mobile USA mit dem Rivalen MetroPCS, die Anfang Oktober bekannt gegeben wurde. Da die US-Sparte nicht mehr so hoch bewertet wird wie beim Einstieg, schreibt die Telekom 7,4 Milliarden Euro auf ihre Tochter ab. Zusammen mit anderen Posten schlagen damit im dritten Quartal Sonderbelastungen von insgesamt 7,8 Milliarden Euro zu Buche.

SOMMER VERDIRBT OBERMANN DEN HERBST

Die Mobilfunk-Fusion in den USA ist keine Liebeshochzeit, sondern ein Vernunftehe. Obermann, der die Telekom seit sechs Jahren lenkt, will dem Markt-Vierten T-Mobile USA endlich eine kritische Größe verleihen und längerfristig den Weg für einen Ausstieg ebnen - und nimmt dafür die tiefroten Zahlen in Kauf. Eingebrockt hat ihm das alles Ron Sommer. Der ehemalige Telekom-Chef hatte 2001 für den T-Mobile-Vorgänger Voicestream 40 Milliarden Euro gezahlt. Das böse Erwachen kam bereits ein Jahr später: Hauptsächlich wegen T-Mobile USA musste die Telekom damals 19 Milliarden Euro abgeschrieben werden. Unter dem Strich standen im dritten Quartal 2002 knapp 21 Milliarden Euro Miese.

Für die Telekom ist die Fusion mit dem Regionalanbieter MetroPCS nur die zweitbeste Lösung. Eigentlich wollten die Bonner T-Mobile USA im vergangenen Jahr für 39 Milliarden Dollar an den Telekomriesen AT&T verkaufen. Die US-Wettbewerbsbehörden stoppten die Transaktion.

OBERMANN: OPERATIVES GESCHÄFT VOLL AUF KURS

Obermann ruft dazu auf, nach vorne zu blicken. Wer nun nur auf das tiefrote Konzernergebnis schaue, übersehe, dass das operatives Geschäft voll auf Kurs sei. Allerdings kämpft die Telekom auch operativ mit Gegenwind. Kabelnetzbetreiber luchsen ihr DSL-Kunden ab, und der Preiskampf im Mobilfunk hält unvermindert an. Konzernweit ging das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) im vergangenen Quartal um 2,6 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro zurück; während der Umsatz bei 14,7 Milliarden Euro stagnierte.

Auch zur Geschäftsprognose steht die Telekom: Bei einem Free Cash Flow von sechs Milliarden Euro soll das bereinigte Ebitda in diesem Jahr 18 Milliarden Euro erreichen. Eine Prognose für 2013 wollte Obermann nicht abgeben. Aber in einem Monat könnte es auf einem Investorentag erste Aussagen zur künftigen Dividende geben, kündigte der Telekom-Chef an.

 
Logo of German company Deutsche Telekom is pictured at the CeBit computer fair in Hanover, March, 6, 2012. The biggest fair of its kind will run to March 10, 2012. REUTERS/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: BUSINESS TELECOMS SCIENCE TECHNOLOGY LOGO)