Commerzbank will Kunden besser gefallen - Börse mault

Donnerstag, 8. November 2012, 14:40 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der große Wurf ist ausgeblieben. Der lang erwartete Umbau des Privatkunden-Geschäfts wird die Commerzbank vier Jahre lang in Atem halten - doch an den Finanzmärkten fiel die Bank mit ihren Plänen durch.

"Auch die nächsten Jahre werden hart und aufregend", sagte Vorstandschef Martin Blessing am Donnerstag in Frankfurt. "Es wird sicher noch Rückschläge geben." Zwei Milliarden Euro will die zweitgrößte deutsche Bank investieren, um das Kerngeschäft auf Vordermann zu bringen und eine Million mehr Kunden in die Filialen zu locken. Bezahlt werden soll das mit Einsparungen, mit denen die Kosten bis 2016 um eine Milliarde Euro sinken sollen. Sie werden zu einem Stellenabbau unter den 56.000 Mitarbeitern führen, über den noch verhandelt wird. In Medien war zuletzt über die Streichung von bis zu 6000 Arbeitsplätzen spekuliert worden.

Doch auch in vier Jahren wird das Frankfurter Geldhaus wegen milliardenschwerer Altlasten nur auf eine Eigenkapitalrendite von netto rund acht Prozent kommen, wie Blessing einräumte. Im Kerngeschäft sollen zehn Prozent übrigbleiben. Branchenprimus Deutsche Bank peilt mit Hilfe von Kostensenkungen von 4,5 Milliarden Euro für 2015 zwölf Prozent an. Das Renditeziel für das Kerngeschäft sei unambitioniert, urteilten Analysten. Dirk Becker von Kepler Capital Markets sagte, die zehn Prozent erreiche die Bank schon jetzt. Auch an der Börse floppten die Pläne: Die Commerzbank-Aktie gab um nahezu vier Prozent nach und war damit größter Verlierer im Leitindex Dax.

Auch die Entwicklung im dritten Quartal sorgte bei Anlegern für Ernüchterung. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 78 (Vorjahr: minus 687) Millionen Euro nach Anteilen Dritter. Der Abbau der Portfolien in der eigenen "Bad Bank" hatte allein für fast eine halbe Milliarde Euro Verlust gesorgt. Der Aufschwung im Investmentbanking konnte das nicht wettmachen. Weil der Vorstand zum Jahresende mit steigenden Kreditausfällen rechnet, werde im vierten Quartal noch weniger übrigbleiben. Dennoch soll der Staat als Großaktionär 2012 zum ersten Mal die Zinsen auf seine Stille Einlage bekommen. Vorrang hat in den nächsten Jahren aber erst einmal die Erhaltung eines Kapitalpolsters von neun Prozent der Bilanzrisiken. Frühestens 2014 können die Aktionäre wieder mit einer Dividende rechnen.

PRIVATKUNDENGESCHÄFT SOLL KOMPLETT NEU AUSGERICHTET WERDEN

Nach der Fusion mit der Dresdner Bank vor vier Jahren hatte die Commerzbank bis 2012 einen Gewinn von vier Milliarden Euro vor Steuern in Aussicht gestellt - doch die Euro-Schuldenkrise, die niedrigen Zinsen und die hohen Kapitalanforderungen machten die hochfliegenden Pläne zunichte. Das Filialgeschäft mit seinen elf Millionen Kunden allein sollte eine Milliarde Euro beisteuern. Nun stellte Privatkunden-Vorstand Martin Zielke eine halbe Milliarde in Aussicht - vier Jahre später. "Wir werden das Privatkundengeschäft komplett neu ausrichten", kündigte er an.

Das Privatkundengeschäft, das im dritten Quartal nur noch 41 Millionen Euro verdiente, steht im Zentrum der neuen Strategie. Online-Banking und die Filialen sollen künftig gleichberechtigt nebeneinander stehen. Die Commerzbank werde keine Standorte in Deutschland schließen, doch sollen sich die 1200 Zweigstellen stärker spezialisieren, sagte Zielke. Mit besserer Technik und neuen Produkten will die Commerzbank bis 2016 eine Million neue Kunden gewinnen, das sind 250.000 im Jahr. Doch Zielke rechnet erst in zwei Jahren mit sichtbaren Erfolgen. 2013 werde die Sparte in die roten Zahlen rutschen.

ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT

"Ich will eine Bank, der die Kunden vertrauen können - mit traditionellen Werten", betonte Vorstandschef Blessing. Die Bank will ab sofort wieder mit dem Slogan "Commerzbank. Die Bank an Ihrer Seite" um die Kunden werben. Damit kehrt sie zu dem Motto zurück, das sie vor der Fusion mit der Dresdner Bank 25 Jahre lang begleitet hatte. Deutschland ist einer der am härtesten umkämpften Länder, weil Sparkassen und Genossenschaftsbanken 60 Prozent des Marktes behaupten. Ausländische Wettbewerber bieten Kampfkonditionen im Ringen um Einlagen, die Deutsche Bank ist mit der Übernahme der Postbank ins Massengeschäft eingestiegen. Die Commerzbank kommt gerade auf sieben Prozent Marktanteil.   Fortsetzung...

 
The entrance of the German Commerzbank headquarters is pictured in Frankfurt, January 19, 2012. REUTERS/Alex Domanski (GERMANY - Tags: BUSINESS LOGO)