Börsenerholung stimmt Allianz und Generali optimistisch

Freitag, 9. November 2012, 14:01 Uhr
 

München/Mailand (Reuters) - Gute Geschäfte am Kapitalmarkt und geringe Belastungen durch Naturkatastrophen stimmen Europas große Versicherer zuversichtlich.

Die Münchner Allianz und der italienische Rivale Generali haben im dritten Quartal außerordentlich gut verdient und rechnen auch im Gesamtjahr mit Zuwächsen. Beide Unternehmen profitierten davon, dass sich die Aktien- und Anleihemärkte erholt haben. Sollte die Schuldenkrise aber wieder eskalieren, könnte sich das Bild rasch ändern. Denn die Assekuranzen sitzen auf riesigen Beständen italienischer und französischer Staatsanleihen.

Allianz-Finanzchef Oliver Bäte betonte am Freitag, die gerade erst angehobene Gewinnprognose sei durch Hurrikan "Sandy" nicht in Gefahr. Es gebe dank eines Rückversicherungsschutzes eine klare Obergrenze für die eigene Belastung durch den Sturm, der Ende Oktober in New York und Umgebung schwere Schäden angerichtet hatte. Zahlen wollte Bäte nicht nennen. Die gesamte Branche wird laut Experten für fünf bis 20 Milliarden Dollar geradestehen müssen. Damit wird "Sandy" einer der teuersten Hurrikane der vergangenen Jahrzehnte werden. Besonders stark betroffen sein dürften der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück sowie die lokalen Assekuranzen an der US-Ostküste. Die Allianz musste im dritten Quartal einen niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag für Hurrikan "Issac" und rund 90 Millionen Euro für die verheerende Dürre in den USA auszahlen.

Europas Branchenprimus rechnet dieses Jahr dennoch mit einem operativen Gewinn von über neun (2011: 7,86) Milliarden Euro. Es wäre der höchste Profit seit Ausbruch der Finanzkrise. Analyst Manfred Jaisfeld von der National-Bank sagte, dies sei problemlos erreichbar. Nach den ersten neun Monaten sind schon 7,22 Milliarden Euro aufgelaufen. Generali, die Nummer drei in Europa nach der französischen Axa, hat den Aktionären für 2012 operativ mehr als vier Milliarden Euro versprochen. Auch hier ist die Erholung an den Märkten der Haupttreiber. An einem schwachen Börsentag verloren Allianz- und Generali-Aktien aber jeweils rund ein Prozent ihres Wertes.

Einen Ausblick auf nächstes Jahr gibt es noch nicht. Dennoch heben sich die Prognosen von den pessimistischeren Tönen der Axa ab. Die Pariser hatten zuletzt ihre geplanten Gewinn- und Effizienzsteigerungen bis 2015 angezweifelt.

GENERALI WILL MEHRERE KONZERNTÖCHTER LOSWERDEN

Generali wies für Juli bis September einen Überschuss von 291 (Vorjahr: knapp 20) Millionen Euro aus. Bei der Allianz blieben unter dem Strich 1,43 Milliarden (258 Millionen) Euro hängen. Im Vorjahr hatten beide Firmen unter dem Schuldenerlass für Griechenland sowie schmerzhaften Abschreibungen auf Aktien gelitten. Um die Profitabilität zu verbessern und das Kapital zu stärken, hat Generali bereits die israelische Tochter Migdal abgestoßen und sucht momentan Interessenten für Bankaktivitäten in der Schweiz und eine Rückversicherungseinheit in den USA.

Allianz-Finanzchef Bäte sagte, Italien sei mit den eingeleiteten Reformen auf dem richtigen Weg. Der Versicherer hat in dem schuldengeplagten Land rund 30 Milliarden Euro investiert. "Damit fühlen wir uns wohl." Probleme gebe es dagegen weiter in den USA, wo die Tochter Fireman's Fund sehr unprofitabel arbeite - dieses Quartal primär wegen der Dürre-Schäden. Bäte sagte, Restrukturierungen bei der Tochter seien eingeleitet. "Es wird aber noch eineinhalb bis zwei Jahre dauern."

 
Michael Diekmann, chief executive of Europe's biggest insurer Allianz, poses before the start of the company's annual shareholders' meeting in Munich May 9, 2012.