Neues Spitzenduo will Grüne in Regierung führen

Samstag, 10. November 2012, 15:34 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Das frischgekürte Grünen-Spitzenduo Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt will die Partei 2013 in die Regierungsbeteiligung führen.

Sie wurden bei der Urwahl der Öko-Partei zu den Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2013 gewählt und legten sich am Samstag auf ein Bündnis mit der SPD fest. "Wir wollen die Koalition aus SPD und Grünen", sagte Trittin.

In der Urwahl hatte Grünen-Fraktionschef Trittin 71,9 Prozent der Stimmen erhalten, für Bundestagsvizepräsidentin Göring-Eckardt stimmten 47,3 Prozent der Parteimitglieder. Dagegen scheiterte die Co-Fraktionschefin Renate Künast mit 38,5 Prozent, Parteichefin Claudia Roth erhielt nur 26,2 Prozent. Vor allem das schlechte Abschneiden Roths galt als Überraschung. Die Ostdeutsche Göring-Eckardt gilt eher als Vertreterin des Realo-Flügels der Partei. Sie lehnte Forderungen aus der FDP ab, nun ihren Posten im Bundestagpräsidium abzugeben. Ihr Amt als Präses der EKD will sie aber ruhen lassen.

Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke bezeichnete das Ergebnis der Urwahl als "weise Balance zwischen Kontinuität und Erneuerung". Trittin sei "ein Vorkämpfer des grünen Wirtschaftswunders" und Göring-Eckardt "eine Anwältin der Ärmsten in der Gesellschaft". Diese nannte als ihr Ziel den Kampf für eine gerechtere Gesellschaft und mehr Zusammenhalt. Trittin betonte, dass zur Bundestagswahl klare Alternativen in der Energiepolitik oder der EU-Politik zur schwarz-gelben Koalition vorgelegt würden. Man wolle deutlich machen, dass es um "Grün oder Merkel" gehe, betonte Göring-Eckardt.

Beide sprachen sich dafür aus, dass die unterlegenen Künast und Roth auf dem bevorstehenden Grünen-Parteitag bei den Gremien-Wahlen gute Ergebnisse erhalten sollten. Roth will erneut als Parteivorsitzende kandidieren. "Ich wünsche mir, dass wir geschlossen in das Wahljahr hineingehen", betonte Trittin. Zugleich kündigte er an, dass die Grünen auch in einem Bündnis mit der SPD selbstbewusst auftreten werde. "Wir werden darauf achten, dass sich die politische Breite der Grünen auch in der Ressortverteilung niederschlägt", kündigte er an. "Wir werden auch durchsetzen, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind", fügte Göring-Eckardt hinzu.

KÜNAST GRATULIERT

Grünen-Fraktionschefin Künast betonte in einer Mitteilung, dass sie das Spitzenduo voll unterstützen wolle. Grünen-Chef Cem Özdemir betonte ebenfalls die Geschlossenheit der Partei. "Dazu gehören ausdrücklich auch jene, die bei der Urwahl nicht einen der beiden vorderen Plätze errungen haben", sagte er der in Stuttgart erscheinenden Sonntagszeitung "Sonntag aktuell".

Die SPD begrüßte das Ergebnis der Urwahl. "Heute ist ein guter Tag für Rot-Grün", kommentierte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, das Ergebnis. "Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin sind klasse Redner und gute Wahlkämpfer."

Es ist das erste Mal, dass eine Partei in Deutschland ihre Spitzenkandidaten per Urwahl bestimmt. Festgelegt war dabei, dass mindestens eine Frau dem Führungsduo angehören muss. Neben den vier bundesweit bekannten Kandidaten standen elf eher unbekannte Männer aus Kreis- und Ortsverbänden zur Wahl. Der Bewerber mit dem besten Ergebnis hinter dem Partei-Prominenten-Quartett erreichte aber nur einen Stimmenanteil von 2,4 Prozent. An der Abstimmung hatten sich 61,64 Prozent der knapp 60.000 Parteimitglieder der Grünen beteiligt.

 
Green Party's Katrin Goering-Eckardt (L) and Juergen Trittin arrive for a news conference in Berlin after they were announced as their party's top-candidates in next year's general election, November 10, 2012. Members of the Green party elected by direct vote Katrin Goering-Eckardt and Juergen Trittin as top candidates for next year's general election. REUTERS/Thomas Peter (GERMANY - Tags: POLITICS ELECTIONS)