CIA-Chef tritt zurück - Spekulationen über wahren Grund

Samstag, 10. November 2012, 15:24 Uhr
 

Washington (Reuters) - Wenige Tage nach der Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama hat CIA-Chef David Petraeus überraschend seinen Rücktritt eingereicht.

Als Grund führte Petraeus am Freitagabend eine außereheliche Affäre an. In Washington wurde aber auch über andere Gründe spekuliert. So war der Auslandsgeheimdienst wegen des tödlichen Anschlags auf den US-Botschafter in Libyen zuletzt massiv in die Kritik geraten. Regierungsvertreter wiesen einen solchen Zusammenhang allerdings zurück.

Petraeus hatte erst im September vergangenen Jahres das Amt des CIA-Chefs von Leon Panetta übernommen, der an die Spitze des Verteidigungsministeriums wechselte. Zuvor kommandierte Petraeus unter anderem die US-Soldaten im Irak und führte die Isaf-Truppen im Kampf gegen die Taliban in Afghanistan an. Nach seiner Ernennung zum CIA-Chef war gemutmaßt worden, dass Obama mit diesem Schachzug eine mögliche Kandidatur des populären Generals für das gegnerische Lager der Republikaner verhindern wollte. Dies würde zumindest eine zusätzliche Erklärung dafür liefern, warum Obama Petraeus nun wenige Tage nach der Wahl aus dem Amt entließ. In US-Regierungskreisen wurde aber auch ein solcher Zusammenhang als Spekulation zurückgewiesen.

"ICH HABE EINEN SCHWEREN FEHLER BEGANGEN"

In einem Brief an die CIA-Mitarbeiter führte der verheiratete Petraeus seine Beziehung zu einer anderen Frau als einzigen Grund für den Rücktritt an. "Nachdem ich 37 Jahre verheiratet gewesen bin, habe ich einen schweren Fehler begangen, indem ich mich auf eine außereheliche Affäre eingelassen habe", erklärte Petraeus in dem Rundschreiben. "Ein solches Verhalten ist inakzeptabel - und zwar als Ehemann und als Anführer einer Organisation wie unserer." Innerhalb der CIA gibt es allerdings keinen Verhaltenskodex, der für solch einen Fall einen Rücktritt vorsieht.

Dennoch nahm Obama das Rücktrittsgesuch an und ernannte den bisherigen Stellvertreter Michael Morell zum geschäftführenden Leiter der Central Intelligence Agency. "Ich bin vollkommen zuversichtlich, dass die CIA weiterhin gedeihen und ihre wichtige Aufgabe erfüllen wird", betonte Obama. Zugleich lobte er Petraeus als einen der herausragendsten Generäle seiner Generation. Mit seinen Gedanken und Gebeten sei er nun bei Petraeus und dessen Frau, fügte der Präsident hinzu. "Ich wünsche ihnen nur das Beste in diesem schwierigen Moment."

GELIEBTE SOLL PETRAEUS-BIOGRAFIE GESCHRIEBEN HABEN

Bei der Geliebten von Petraeus soll es sich nach Angaben eines Insiders um die rund 20 Jahre jüngere Autorin Paula Broadwell handeln, die eine Biografie über Petraeus geschrieben hat. Broadwell selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Aus Sicherheitskreisen verlautete, dass der Inlandsgeheimdienst FBI vor einigen Monaten auf Hinweise für eine außereheliche Affäre von Petraeus gestoßen sei.

Mit dem Rücktritt des CIA-Chefs wird Obamas Liste vakanter Spitzenpositionen im US-Sicherheitsapparat länger. So hatte Außenministerin Hillary Clinton schon vor der Wahl deutlich gemacht, dass sie keine zweite Amtszeit anstrebt. Der Ehefrau von Ex-Präsident Bill Clinton werden Ambitionen auf eine eigene Präsidentschaftskandidatur in vier Jahren nachgesagt. Zudem wird damit gerechnet, dass Verteidigungsminister Leon Panetta ebenfalls nicht im Amt bleiben will.