Israel droht Palästinensern weitere Angriffe an

Sonntag, 11. November 2012, 16:01 Uhr
 

Gaza-Stadt/Jerusalem (Reuters) - Nach heftigem Beschuss aus dem Gazastreifen hat Israel den radikalen Palästinensern mit einer Ausweitung der Angriffe gedroht.

"Der Welt muss klar sein, dass Israel nicht mit verschränkten Armen dasitzen wird, wenn versucht wird, uns Schaden zuzufügen", sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Wochenende. Der jüdische Staat sei darauf vorbereit, seine Antwort zu verschärfen.

Israel und die Palästinenser hatten sich zuvor schwere Auseinandersetzungen geliefert: Nachdem vier israelische Soldaten bei einer Patrouille im Grenzgebiet beschossen und verletzt worden waren, tötete die Armee sechs Palästinenser, darunter auch Zivilisten. Palästinensische Extremisten feuerten daraufhin Dutzende Raketen auf israelisches Gebiet ab. Anwohner flüchteten in Schutzräume, Schulen blieben zum Teil geschlossen.

Ein israelisches Abwehrsystem fing nach Armeeangaben ein Geschoss mit Ziel auf die südliche Stadt Beerscheba ab. Vier Israelis wurden am Sonntag durch den Beschuss aus dem Küstenstreifen verletzt, den die radikale Palästinensergruppe Hamas kontrolliert. Zusammen mit fünf weiteren Gruppen bekannten sich die Islamisten zu den Angriffen.

Während sich im Süden Israels Anwohner in Sicherheit brachten, schlossen sich Tausende Palästinenser im Gazastreifen Trauerzügen für die sechs Toten der vergangenen 24 Stunden an. Die Menge schwor Israel in Sprechchören Rache. Ein Mann sagte, israelische Panzer hätten auf Kinder gefeuert und später auch auf Erwachsende, die zu Hilfe eilten. Die Armee teilte mit, kurz zuvor sei von der Stelle aus auf die israelische Patrouille gefeuert worden. "Leider benutzen diese Terroristen ihr eigenes Volk als Schutzschild", sagte Sprecher Arie Schalicar.

Die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern ist in den vergangenen Wochen erneut aufgeflammt, nachdem ein von Ägypten vermittelter informeller Waffenstillstand nur kurze Zeit hielt. Israel war im Winter 2008/2009 gegen die Hamas in den Krieg gezogen, hatte zuletzt aber keine Andeutungen gemacht, den Konflikt erneut eskalieren zu wollen. Auch die Hamas hatte Auseinandersetzungen lange vermieden, um ihre Herrschaft über den Küstenstreifen zu festigen. Zudem wollten sich die radikalen Islamisten der neuen ägyptischen Führung als stabilisierende Kraft präsentieren.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak wies Spekulationen zurück, die Regierung wolle vor der Parlamentswahl im Januar Stärke demonstrieren. "Das Votum sollte keine Rolle dabei spielen, wie wir reagieren", sagte Barak dem Armee-Rundfunk. Der Waffengang aus dem Winter 2008/2009 fiel in einen Wahlkampf. Einige Experten sehen nach dem jüngsten Aufflammen der Gewalt nun Anzeichen für eine ähnliche Dynamik. An seiner nordöstlichen Grenze droht Israel zudem ein weiterer Konflikt: Erstmals seit Beginn des Aufstands in Syrien lies das israelische Militär am Sonntag die Waffen sprechen und feuerte Warnschüsse ins Nachbarland ab.

- von Nidal al-Mughrabi und Dan Williams

 
A Palestinian walks near a factory after it was hit by an Israeli tank shell in the northern Gaza Strip November 11, 2012. Israel said it was poised to escalate attacks on the Gaza Strip on Sunday following a surge of rocket and mortar salvoes by Hamas and other Palestinian factions. REUTERS/Ibraheem Abu Mustafa (GAZA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)