Syriens Opposition vereinigt - Geistlicher als Chef

Montag, 12. November 2012, 13:26 Uhr
 

Doha (Reuters) - Im Kampf gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad haben sich die Oppositionsgruppen auf internationalen Druck zusammengeschlossen.

Als Chef der neuen Dachorganisation von Oppositionellen im In- und Ausland wählten sie am Sonntagabend in Katar einstimmig den ehemaligen Imam Moas al-Chatib. Der 50-Jährige rief umgehend alle religiösen Gruppen zur Einigkeit auf. "Wir fordern Frieden für Sunniten, Alawiten, Schiiten, Christen, Drusen und Assyrer sowie Rechte für das gesamte syrische Volk", sagte er nach seiner Wahl. Die Reaktionen auf den Zusammenschluss waren durchweg positiv. Das ist ein wichtiger und begrüßenswerter Schritt, erklärte die Bundesregierung. Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen begrüßte die Vereinigung. Das sei ein wichtiger Schritt vorwärts.

Seit mehr als anderthalb Jahren tobt in Syrien der Aufstand gegen Staatschef Assad, bei dem schätzungsweise 38.000 Menschen getötet wurden. Dabei sorgten die einzelnen Oppositionsgruppen mit ihren Differenzen international für Ärger. Vor allem dem aus dem Ausland geführten Syrischen Nationalrat wurde vorgehalten, nicht effektiv zu arbeiten und keinen Bezug zur Lage im Land zu haben sowie unter dem Einfluss der Muslimbrüder zu stehen.

Die nun geschaffene "Nationale Koalition der Oppositionskräfte und der Syrischen Revolution" setzt darauf, das Patt in dem Bürgerkrieg zu durchbrechen und sowohl militärisch als auch diplomatisch mehr Unterstützung zu erhalten. Positiv könnte sich darauf die Entschlossenheit auswirken, mit der Chatib einstimmig zum Chef der neuen Organisation gewählt wurde. In nur wenigen Stunden einigte man sich auf ihn. Chatib saß mehrfach wegen Kritik an Assad im Gefängnis und war in diesem Jahr aus Syrien geflohen. Er gilt als Mann der leisen Worte. "Das ist ein großer Schritt gegen das Regime und ein großer Schritt in Richtung Frieden", sagte der Chef des Syrischen Nationalrats, George Sabra.

KÄMPFE GEHEN WEITER

Russland, das zusammen mit China mehrfach eine Syrien-Resolution im UN-Sicherheitsrat blockierte, empfahl der Nationalen Koalition die Lösung des Konfliktes über einen Dialog und mittels ausländischer Hilfe. Frankreich kündigte an, es werde bei der Anerkennung der neuen Vereinigung helfen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin wollten am Dienstag in Kairo die Außenminister der Arabischen Liga und der Europäischen Union darüber beraten, wie die "gemeinsame Plattform der syrischen Opposition" am wirkungsvollsten unterstützt werden kann.

Die Kämpfe in Syrien gingen auch am Montag weiter. So bombardierte ein Kampfflugzeug die von Rebellen gehaltene Stadt Ras al-Ain in unmittelbarer Nähe zur türkischen Grenze. Hunderte Zivilisten flohen über den Grenzzaun in die Türkei. Bislang wurden 120.000 syrische Flüchtlinge in dem Nachbarland registriert. Bei Gefechten an der türkischen Grenze waren bereits wiederholt Geschosse auf türkischem Territorium eingeschlagen. Die Türkei berät deswegen mit der Nato über die Stationierung eines Abwehrsystems zum Schutz vor Raketen aus dem Bürgerkriegsland.

Nato-Generalsekretär Rasmussen sagte der Türkei die Unterstützung der Allianz zu. "Die Nato als Organisation wird alles tun, um die Türkei zu beschützen und zu verteidigen", sagte er am Montag in Prag. Auch in anderen Grenzgebieten wächst die Sorge vor einem Übergreifen der Gewalt. Erstmals seit Beginn des Aufstands in Syrien ließ das israelische Militär in dem Konflikt am Sonntag die Waffen sprechen und feuerte Warnschüsse ins Nachbarland ab. Die Armee habe damit auf eine syrische Granate reagiert, hieß es.

 
Leading Syrian dissident Riad Seif (L) speaks with former Syrian Prime Minister Riyad Hijab, who defected from the Assad regime, during the General Assembly of the Syrian National Council in Doha November 11, 2012. REUTERS/Mohammed Dabbous (QATAR - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)