Syriens Opposition vereinigt - Geistlicher als Chef

Montag, 12. November 2012, 17:50 Uhr
 

Doha (Reuters) - Die syrische Opposition schließt die Reihen gegen Machthaber Baschar al-Assad.

Auf internationalen Druck hin bildeten die zerstrittenen und zersplitterten Gruppen einen neuen Dachverband und wählten am Sonntagabend in Katar den ehemaligen Imam Moas al-Chatib zu ihrem Chef. Der 50-Jährige rief alle religiösen Gruppen zur Einheit auf. "Wir fordern Frieden für Sunniten, Alawiten, Schiiten, Christen, Drusen und Assyrer sowie Rechte für das gesamte syrische Volk", sagte er nach seiner Wahl. An den von Israel besetzten Golan-Höhen drohte derweil eine Eskalation. Mit gezieltem Feuer reagierten israelische Panzer am Montag auf den Einschlag syrischer Granaten.

Die nun geschaffene "Nationale Koalition der Oppositionskräfte und der Syrischen Revolution" setzt darauf, das Patt in dem Bürgerkrieg zu durchbrechen und sowohl militärisch als auch diplomatisch mehr Unterstützung zu erhalten. Positiv könnte sich die einstimmige Wahl Chatibs zum Chef der neuen Organisation auswirken. In wenigen Stunden einigte man sich auf ihn. Chatib saß mehrfach wegen Kritik an Assad im Gefängnis und war in diesem Jahr aus Syrien geflohen. Er gilt als Mann der leisen Töne. "Das ist ein großer Schritt gegen das Regime und ein großer Schritt in Richtung Frieden", sagte der Chef des Syrischen Nationalrats, George Sabra.

Die Reaktionen auf den Zusammenschluss waren durchweg positiv. Das sei ein wichtiger und begrüßenswerter Schritt, erklärte die Bundesregierung. Ähnlich äußerte sich auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen.

Seit mehr als anderthalb Jahren tobt in Syrien der Aufstand gegen Staatschef Assad, bei dem schätzungsweise bislang 38.000 Menschen getötet wurden. Doch nicht nur Assad, auch die Opposition geriet international zunehmend in die Kritik wegen ihrer teils massiven Differenzen. Vor allem dem aus dem Ausland geführten Syrischen Nationalrat wurde vorgehalten, nicht effektiv zu arbeiten und keinen Bezug zur Lage im Land zu haben sowie unter dem Einfluss der Muslimbrüder zu stehen.

Russland, das zusammen mit China mehrfach eine Syrien-Resolution im UN-Sicherheitsrat blockierte, empfahl der Nationalen Koalition die Lösung des Konfliktes über einen Dialog und mittels ausländischer Hilfe. Frankreich kündigte an, es werde bei der Anerkennung der neuen Vereinigung helfen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin wollten am Dienstag in Kairo die Außenminister der Arabischen Liga und der Europäischen Union darüber beraten, wie die "gemeinsame Plattform der syrischen Opposition" am wirkungsvollsten unterstützt werden könne.

KÄMPFE GEHEN WEITER

Die Kämpfe in Syrien gingen auch am Montag weiter. So bombardierte ein Kampfflugzeug die von Rebellen gehaltene Stadt Ras al-Ain in unmittelbarer Nähe zur türkischen Grenze. Hunderte Zivilisten flohen über den Grenzzaun in die Türkei. Bislang wurden 120.000 syrische Flüchtlinge in dem Nachbarland registriert. Bei Gefechten an der türkischen Grenze waren wiederholt Geschosse auf türkischem Territorium eingeschlagen. Die Türkei berät deswegen mit der Nato über die Stationierung eines Abwehrsystems zum Schutz vor Raketen aus dem Bürgerkriegsland.

Nato-Generalsekretär Rasmussen sagte der Türkei die Unterstützung der Allianz zu. "Die Nato als Organisation wird alles tun, um die Türkei zu beschützen und zu verteidigen", sagte er am Montag in Prag. Auch in anderen Grenzgebieten wächst die Sorge vor einem Übergreifen der Gewalt. Israelische Panzer schossen nach dem Einschlag von Granaten auf den Golan-Höhen direkt auf Ziele in Syriens. Dabei seien mobile Artilleriegeschütze direkt getroffen worden, hieß es in Militärkreisen. Sie ließen offen, ob die Granaten von regulären syrischen Einheiten oder von Rebellen abgefeuert wurden. Israel habe sich bei den im Gebiet stehenden UN-Truppen beschwert und entschlossene Reaktionen für den Wiederholungsfall angedroht.

- von Rania El Gamal und Regan Doherty

 
A Free Syrian Army fighter walks next to a truck in the Syrian town of Ras al-Ain, as seen from the Turkish border town of Ceylanpinar, Sanliurfa province November 12, 2012. A Syrian warplane bombed the rebel-held town of Ras al-Ain on Monday, just metres from the Turkish frontier, sending scores of civilians fleeing for safety into Turkey. Helicopters also strafed targets near the town, which fell to rebels on Thursday during an advance into Syria's mixed Arab and Kurdish northeast. REUTERS/Murad Sezer (TURKEY - Tags: POLITICS CONFLICT)