Israel nimmt Ziele in Syrien direkt unter Feuer

Montag, 12. November 2012, 18:26 Uhr
 

Jerusalem/Doha (Reuters) - Israel hat erstmals mit gezieltem Beschuss auf Granateneinschläge aus Syrien reagiert.

Israelische Panzer hätten auf den Golan-Höhen zurückgeschossen und die Stellung im Nachbarland getroffen, teilten die Streitkräfte des jüdischen Staates am Montag mit. Offenblieb, ob die Granaten von syrischen Truppen oder Rebellen abgefeuert wurden. Israel zeigte sich aber zugleich überzeugt, dass der syrische Machthaber Baschar al-Assad zusätzlich zum Bürgerkrieg keinen internationalen Waffengang wolle. Die bislang zerstrittene und zersplitterte Opposition schloss die Reihen gegen Assad und wählte den Geistlichen Moas al-Chatib zum Chef der "Nationalen Oppositionskräfte und der Syrischen Revolution".

Bereits am Sonntag hatten die Israelis auf den Einschlag von Geschossen aus Syrien reagiert und eine Rakete abgefeuert. Dabei handelte es sich nach Darstellung des Militärs um einen Warnschuss. Am Montag folgte dann auf einen ähnlichen Zwischenfall die gezielte Reaktion der Israelis. Militärkreisen zufolge trafen die Panzergranaten ein mobiles Artilleriegeschütz auf syrischer Seite. In ihrer Erklärung warnten die Streitkräfte, sie würden mit Entschlossenheit auf weitere Schüsse aus Syrien reagieren.

Der für strategische Fragen zuständige Minister Mosche Jalon schloss zugleich Kriegspläne Assads gegen Israel aus. Das sei das letzte, was der syrische Staatschef gebrauchen könne, wenn er an der Macht bleiben wolle. "Das hat er verstanden", sagte Jalon dem Armee-Rundfunk. Der Golan ist seit 1967 von Israel besetzt und war 1981 annektiert worden, was aber international nicht anerkannt wird.

GAZA-STREIFEN IM FOKUS

Größere Sorgen als der Golan bereiten Israel offenbar die seit vier Tagen andauernden Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen, der von der radikal-islamischen Hamas beherrscht wird. Israel drohte mit massiver Geltung und war zudem bemüht, internationale Kritik an seiner Reaktion wie nach dem Gaza-Krieg von 2008/09 im Keim zu ersticken. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lud dazu ausländische Botschafter nach Aschkelon ein, das in Reichweite einiger Raketen liegt. "Keine Ihrer Regierungen würde eine solche Situation hinnehmen", sagte der im Wahlkampf stehende Regierungschef. Bei Kämpfen mit Israel wurden seit Samstag sechs Palästinenser getötet und 40 verletzt. Auf israelischer Seite gab es acht Verletzte.

SYRIENS OPPOSITION FORDERT ASSAD NEU HERAUS

Die Staaten des Golf-Kooperationsrates erkannten mittlerweile die vereinigte syrische Opposition als einzig legitime Vertretung des Landes an. Die bislang unabhängig voneinander agierenden Gruppen hatten sich am Sonntag in Doha auf internationalen Druck zusammengeschlossen. Ihr neuer Anführer Chatib rief alle religiösen Gruppen zur Einheit auf. "Wir fordern Frieden für Sunniten, Alawiten, Schiiten, Christen, Drusen und Assyrer sowie Rechte für das gesamte syrische Volk", sagte der 50-jährige ehemalige Imam nach seiner Wahl.

Die nun geschaffene "Nationale Koalition der Oppositionskräfte und der Syrischen Revolution" setzt darauf, das Patt im Bürgerkrieg zu durchbrechen und sowohl militärisch als auch diplomatisch mehr Unterstützung zu erhalten. Positiv könnte sich die einstimmige Wahl Chatibs zum Chef der neuen Organisation auswirken. In wenigen Stunden einigte man sich auf ihn. Chatib saß mehrfach wegen Kritik an Assad im Gefängnis und war in diesem Jahr aus Syrien geflohen. Er gilt als Mann der leisen Töne. "Das ist ein großer Schritt gegen das Regime und ein großer Schritt in Richtung Frieden", sagte der Chef des Syrischen Nationalrats, George Sabra.   Fortsetzung...

 
A Free Syrian Army fighter walks next to a truck in the Syrian town of Ras al-Ain, as seen from the Turkish border town of Ceylanpinar, Sanliurfa province November 12, 2012. A Syrian warplane bombed the rebel-held town of Ras al-Ain on Monday, just metres from the Turkish frontier, sending scores of civilians fleeing for safety into Turkey. Helicopters also strafed targets near the town, which fell to rebels on Thursday during an advance into Syria's mixed Arab and Kurdish northeast. REUTERS/Murad Sezer (TURKEY - Tags: POLITICS CONFLICT)