Energiekonzern E.ON dämpft Erwartungen für 2013

Dienstag, 13. November 2012, 08:38 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der größte deutsche Energiekonzern E.ON kämpft anderthalb Jahre nach der Atomwende mit einer sinkenden Marge im Stromgeschäft.

Trotz Zuwächsen in den ersten neun Monaten dieses Jahres stellte Vorstandschef Johannes Teyssen die Prognosen für 2013 und 2015 in Frage. "Insbesondere im Stromerzeugungsgeschäft stehen wir vor immensen Belastungen", sagte er am Dienstag. Dank günstigerer Gasbezüge und dem Wegfall von Einmalbelastungen aus der Atomwende konnte E.ON von Januar bis Ende September beim Ergebnis noch über den Markterwartungen zulegen. Die Prognose für 2012 tastete Teyssen auch nicht an.

In den ersten neun Monate sei der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 35 Prozent auf 8,817 Milliarden Euro gestiegen. Der für die Dividende nachhaltige Überschuss sei sogar um 155 Prozent auf 4,035 Milliarden Euro nach oben geschossen. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem Ebitda von 8,474 Milliarden Euro gerechnet und den nachhaltigen Überschuss auf 3,788 Milliarden Euro taxiert. Im Gesamtjahr erwartet E.ON weiter ein Ebitda von 10,4 bis elf Milliarden Euro und einen nachhaltigen Überschuss von 4,1 bis 4,5 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie erhalten.

STROM-GROSSHANDELSPREIS AUF ZWEI-JAHRESTIEF GEFALLEN

E.ON kämpft wie etwa die Konkurrenten EnBW und Vatttenfall mit gesunkenen Großhandelspreisen für Strom. Diese sind wegen der schwächeren Nachfrage der Industrie in den schuldengeplagten Ländern Südeuropas und angesichts einer Überkapazität an Kraftwerken auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Die privaten Verbraucher profitieren davon kaum, da zugleich Steuern und Abgaben im Haushaltskundenpreis gestiegen sind. E.ON erwägt wie der Essener Rivale RWE, der am Mittwoch seine Zahlen vorlegt, Kraftwerke zu schließen. "Wir optimieren daher weiter unser konventionelles Kraftwerksportfolio und prüfen auch die Schließung von Standorten", sagte Teyssen. In Deutschland werden durch den Vorrang des boomenden Ökostroms immer mehr Gas- und Kohlekraftwerke aus dem Markt gedrängt.

Teyssen machte daher ein dickes Fragezeichen hinter den Ausblick für 2013. Er hatte ein Ebitda von 11,6 bis 12,3 Milliarden Euro und eine Dividende von mindestens 1,10 Euro je Aktie angepeilt. Dies erscheine nicht mehr erreichbar, erklärte Teyssen nun. Den Ausblick für 2015 überprüft er ebenfalls. E.ON hatte im Sommer vergangenen Jahres für 2015 ein Ebitda von 12,5 bis 13 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

 
The building site of a coal power plant of German utility giant E.ON is pictured in the western city of Datteln May 1, 2012. E.ON is locked in a conflict with North Rhine Westphalia regarding the hard coal power plant in Datteln, which is to be switched off at the end of 2012. The annual meeting of E.ON takes place on May 3 in Essen. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS)