E.ON vergrault mit mauem Ausblick Anleger -Aktie fällt

Dienstag, 13. November 2012, 11:56 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der größte deutsche Energiekonzern E.ON hat wegen der schwächelnden Stromnachfrage in Europa seine Geschäftsprognosen für die kommenden Jahre gekippt.

Das Dax-Schwergewicht sorgte damit am Dienstag trotz Milliardengewinnen im laufenden Jahr für einen Paukenschlag und schickte seinen Aktienkurs zeitweise um mehr als zehn Prozent in den Keller. "Die Verwerfungen in den europäischen Energiemärkten verschärfen sich schneller als jemals zuvor", klagte Vorstandschef Johannes Teyssen. Durch die Euro-Krise greife die Rezession um sich. In Deutschland müssten zudem wegen des boomenden Ökostroms immer häufiger Gas- und Kohlekraftwerke zurückstehen. Teyssen treibt den Abbau tausender Arbeitsplätze und Beteiligungsverkäufe in Milliardenhöhe voran und stellt nun auch die Investitionen erneut auf den Prüfstand.

Noch im Sommer schien es, als könne der größte deutsche AKW-Betreiber die Einbußen durch den beschleunigten Atomausstieg hinter sich lassen. Einmalbelastungen aus der Atomwende fielen nicht mehr an, zudem sorgten günstigere Verträge mit dem russischen Gazprom-Konzern für Entlastung. In den ersten neun Monaten dieses Jahres konnte E.ON auch noch kräftig zulegen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg stärker als vom Markt erwartet um 35 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Der für die Dividende nachhaltige Überschuss schoss sogar um 155 Prozent auf vier Milliarden Euro in die Höhe. Für 2012 bleibt der Ausblick bestehen - die Gewinne sollen steigen und die Aktionäre eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie erhalten, nachdem sie 2011 einen Euro bekommen hatten.

MILLIARDEN-EXPANSION IN SÜDEUROPA KOMMT E.ON TEUER ZU STEHEN

Doch wenn im kommenden Jahr die positiven Effekte verbucht sind, sieht es trübe aus. Bislang hatte E.ON für 2013 ein Ebitda von 11,6 bis 12,3 Milliarden Euro, für 2015 von bis zu 13 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Diese Prognosen sei wohl nicht mehr erreichbar, räumte Teyssen nun ein. "In Europa und mittlerweile auch in Deutschland wächst die Wirtschaft deutlich verlangsamt, manche Teile Europas gehen in Richtung Stagnation oder gar Schrumpfung", erläuterte er. In Italien sei die Stromnachfrage um zehn Prozent eingebrochen, bei den Industriekunden in Spanien um gut sieben Prozent. "Noch nie seit dem zweiten Weltkrieg war in so kurzer Zeit ein so deutlicher Absatzrückgang zu beobachten", schilderte Teyssen. E.ON trifft die Schwäche in Südeuropa allerdings auch besonders stark, weil der Energieriese unter Teyssens Vorgänger Wulf Bernotat Milliardensummen in südeuropäischen Geschäften versenkt hat, von denen ein großer Teil abgeschrieben werden musste. "E.ON hat aus unserer Sicht unter den gegenwärtigen Marktbedingungen die falschen Anlagen", schreiben die Experten der HSBC.

Doch nicht nur die Absatzmengen auch die Großhandelspreise vermiesen den Versorgern das Geschäft. Darunter haben auch die Konkurrenten EnBW und Vattenfall zu leiden. Der Essener Rivale RWE legt am Mittwoch seine Zahlen vor. Wegen der schwächeren Nachfrage der Industrie in den schuldengeplagten Ländern Südeuropas und Überkapazitäten an Kraftwerken sind die Großhandelspreise auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Die privaten Verbraucher profitieren davon allerdings kaum, da zugleich Steuern und Abgaben im Haushaltskundenpreis gestiegen sind.

E.ON erwägt wie RWE Kraftwerke zu schließen. "Wir optimieren daher weiter unser konventionelles Kraftwerksportfolio und prüfen auch die Schließung von Standorten", sagte Teyssen. In Deutschland werden durch den boomenden Ökostrom immer mehr Gas- und Kohlekraftwerke aus dem Markt gedrängt. Eine neue Prognose für 2013 und darüber hinaus wird E.ON wohl im Januar vorlegen.

 
The building site of a coal power plant of German utility giant E.ON is pictured in the western city of Datteln May 1, 2012. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: ENERGY BUSINESS)